mußte . Nun wurde den ganzen Abend hindurch die seltsame Nachricht hin und her gewendet , ohne daß man ihr viele Lichtseiten abgewann . Am schweigsamsten hielt sich die Frau Adelheid ; sie ließ die anderen reden und fiel nicht ein einziges Mal dem Fräulein von Saint-Trouin ins Wort . Dagegen warf auch sie den ganzen Abend hindurch absonderliche Seitenblicke auf den Sohn und das Pflegekind , versank häufig in ein tiefes Nachdenken und fuhr aus demselben kurz und schroff empor . Sie war sogar einige Male gegen das arme Mädchen , die Tonie , kurz und schroff , und da sie für alles ihre Gründe hatte , so mußte sie auch hierfür dergleichen aufweisen können . Gegen Mitternacht wurde sie grob und scheuchte den melancholischen Kreis auseinander und in die Betten ; aber reumütig bot sie zu gleicher Zeit dem Chevalier den Arm und geleitete ihn selber die Treppe hinauf bis zur Tür seines Zimmers und wünschte ihm kläglich und mit unverhohlenem Zweifel an der Erfüllung ihres Wunsches die angenehmsten Träume . Zweiundzwanzigstes Kapitel Auf den Höhenrauch fiel sogleich eine sehr nasse Witterung ein . Man hatte eine alte Bauernregel in dieser Beziehung , und unter andern Umständen würde der Ritter von Glaubigern jedenfalls seinen Theorien über den ungemütlichen Dampf mancherlei Zweckdienliches angefügt haben ; allein weder er noch das Dorf Krodebeck hatten jetzt Zeit und Stimmung , sich um das Wetter zu kümmern . Mit Blitzesschnelle hatte sich natürlich das Gerücht von dem glorreichen Nahen des einst so verachteten Meister Dietrich verbreitet , und war die Verwirrung darob groß auf dem Lauenhofe , so war sie fast nicht geringer im Dorf . Die älteren Generationen , welche den Mann noch persönlich kannten , schüttelten die harten Köpfe , kraueten sich in den cheruskischen Haarwülsten , schnarrten , brummten , knurrten und meinten , das gehe freilich weit über alles hinaus , was der Mensch sonst wohl auf Erden erleben möge . Die jüngeren Geschlechter , welche den Meister nicht mehr von Person kannten , sperrten die Mäuler auf , vernahmen mit Staunen und Verwunderung die Erzählungen der weisen Alten , und da sie sich kaum einen klaren Begriff von » dem Österreich « , aus welchem der einstige Dorfgenosse vierspännig anfuhr , machen konnten , so hielten sich ihre Phantasien ganz naturgemäß mehr westwärts auf der bekanntern germanischen Flugbahn , und verschiedene dumpfe , undeutliche Auswanderungspläne nahmen rasch eine bestimmte klare Form an . Schon im nächsten Frühjahr verdankten die Vereinigten Staaten von Amerika dem » unverschämten und nichtswürdigen Glück « des klugen Meister Dietrich Häußler die Landung einiger gar nicht unbrauchbaren neuen Bürger , teilweise mit Familie . Gleich einem Smyrnafahrer , auf welchem nicht ein Fläschchen , sondern ein ganzes Faß voll Rosenöl platzte , verbreitete der Meister Dietrich weither einen sehr süßen Wohlgeruch , wie auch sonst das Piratengesindel , welches das Fahrzeug bemannen mochte , beschaffen war . Und das Pastorenhaus roch die Süßigkeit von ferne wie das übrige Dorf , nur vielleicht mit noch feinerer Nase und richtigerem Verständnis , und es hatte sie , wie sich zeigen wird , weit früher als sonst jemand im Dorfe und auf dem Hofe gerochen . Die Kunde , wie sie von der Frau Jane Warwolf gebracht wurde , gelangte freilich am ersten Abend leider zu spät zu dem geistlichen Herd , als daß der Herr Pastor noch in derselben Nacht den pflichtmäßigen Besuch auf dem Lauenhofe hätte abstatten können ; allein am folgenden Morgen , und zwar so früh als möglich , erschien und vernahm er mit großem Interesse alle näheren Umstände genauer . Nachdem er sehr höflich und zärtlich gegen Fräulein Antonie Häußler gewesen war , empfahl er sich würdig nachdenklich , das heißt , er wurde von seiner Gattin abgelöst und zu seinen sonstigen Pflichten heimgeschickt , während die ehrwürdige Frau nunmehr selber recht fest Posto faßte und allmählich allen melancholischen Bewohnern des Hofes den Wunsch nach einem Kaminbrande im Pfarrhaus innig ans Herz legte . » Wir haben zuerst unsern Ohren nicht getraut und darauf jedenfalls eine ungemein unruhige Nacht gehabt , Fräulein Antonie « , sprach die Gute . » Ja , Fräulein Antonie , liebes Fräulein , der liebe Gott weiß die Seinen wohl zu finden und ihnen das Ihrige zur rechten Zeit zu geben . Wir haben uns herzlich über das große Glück , welches Ihnen zuteil werden soll , liebes Fräulein , gefreut . Bis zum grauen Morgen hat uns die Unruhe umhergetrieben , und mein Mann wachte mit einem recht argen Kopfweh auf , aber im Hause litt es ihn doch nicht ; er mußte und mußte nach dem Lauenhof , um zu erfahren , ob das Ganze nicht auch auf einer Täuschung beruhe , und als er viel länger ausblieb , als er sollte , da litt es auch mich nicht länger daheim , und da bin ich nun , und da sitze ich nun und kann nur immer von neuem Glück wünschen , mein liebes , liebes Fräulein . « » Aber sehen Sie sich doch nur um , meine verehrte Frau Pastorin : wir sind gar nicht so sehr glücklich ! ... Durchaus nicht ! « rief die Gnädige mit ziemlich saurem Gesicht . » Und darauf wollte ich eben kommen , meine Liebe « , erwiderte die geistliche Dame . » Es freut mich , daß Sie selbst davon anfangen , Beste . Ach , Fräulein Tonie , Sie sind noch so jung und sollen erst nach und nach erfahren , was das Leben ist . Nicht wahr , Herr von Glaubigern und gnädiges Fräulein , wir Alten wissen und haben längst erfahren , wie es sich damit verhält und daß der Tropfen Wermut in jeden Freudenbecher fällt , wie mein Mann sagt . Wir haben auch in diesem besonderen Falle lange genug in Krodebeck gelebt , meine Besten , um zu wissen , woher hier der sehr , wirklich sehr bittere Tropfen - « » Frau Pastorin , ich halte es für