so würde ich unbedingt und getrost Ihr Anerbieten annehmen , « sagte sie weicher , als sie je zu ihm gesprochen ; » aber ich bin gebunden - an dem Tage , wo ich Frau Hellwigs Haus verlasse , trete ich in einen neuen Wirkungskreis . « » Unabänderlich ? « » Ja - mein einmal gegebenes Wort ist mir heilig , ich ändere oder deutele niemals daran , sollte es mir in seiner Konsequenz auch die größten Unannehmlichkeiten bringen . « Er stand rasch auf und trat aus dem Bereiche der Birke . » Und darf man auch jetzt noch nicht erfahren , was Sie vorhaben ? « fragte er , ohne das Gesicht nach ihr zurückzuwenden . » O ja , « entgegnete sie gelassen ; » Frau Hellwig würde bereits darum wissen , wenn ich Gelegenheit hätte , in ihre Nähe zu kommen - die Frau Hofrätin Frank hat mich als Gesellschafterin engagiert . « Diese wenigen letzten Worte hatten die Wirkung eines plötzlichen Donnerschlags . Der Professor wandte sich jäh um , und über sein Gesicht schoß eine dunkle Flamme . » Die Frau da drüben ? « fragte er , als traue er seinen Ohren nicht , und deutete mit der Hand nach dem Frankschen Garten . Er kehrte rasch unter den Baum zurück . » Das schlagen Sie sich nur gleich aus dem Sinn , « sagte er entschieden und gebieterisch ; » dazu werde ich nie meine Einwilligung geben . « Jetzt erhob sich das junge Mädchen mit einer unwilligen Bewegung - die mühsam gepflückten Blumen fielen auf den Rasen . » Ihre Einwilligung ? « fragte sie stolz . » Die brauche ich nicht ! In vierzehn Tagen bin ich völlig frei und kann gehen , wohin es mir beliebt . « » Die Sache liegt jetzt anders , Felicitas , « entgegnete er sehr beherrscht . » Ich habe mehr Rechte über Sie , als Sie denken . Es können Jahre vergehen , ehe diese Rechte erlöschen , und auch dann - ja , auch dann fragt es sich noch , ob ich Sie freigebe . « » Das werden wir sehen ! « sagte sie kalt , mit entschlossener Haltung . » Ja , das sollen Sie sehen ! ... Ich habe gestern mit Doktor Böhm , dem vertrautesten Freunde meines verstorbenen Vaters , ausführlich und eingehend über Ihre damalige Aufnahme in meinem elterlichen Hause gesprochen , und es stellt sich folgendes heraus : Sie sind meinem Vater mit der ausdrücklichen Bedingung übergeben worden , daß er Sie unter seinem Schutz behalten müsse , bis Ihr eigener Vater Sie zurückfordere , oder ein anderer braver Beschützer sich finde , der - Ihnen seinen Namen gebe . Mein Vater hat mich für den Fall seines Todes schriftlich als Stellvertreter in dieser Angelegenheit ernannt , und ich bin fest entschlossen , die Bedingung aufrecht zu erhalten . « Jetzt war es um die Fassung des jungen Mädchens geschehen . » Gott im Himmel ! « rief sie außer sich und schlug die Hände zusammen . » Soll denn dies Elend nie aufhören ? ... Ich soll gezwungen werden , in dieser entsetzlichen Abhängigkeit weiter zu leben ? Jahrelang hat mich der Gedanke aufrecht erhalten , daß ich mit meinem achtzehnten Lebensjahre erlöst sein würde ! Nur in diesem Gedanken habe ich vermocht , äußerlich ruhig und unverwundbar zu scheinen , während ich innerlich namenlos litt ! ... Nein , nein , ich bin nicht mehr das geduldige Geschöpf , das sich aus Achtung vor dem Willen der Toten knechten und treten läßt ! ... Ich will nicht ! ... Ich will nichts mehr mit den Hellwigs zu schaffen haben - ich werde diese verhaßten Fesseln abschütteln um jeden Preis ! « Der Professor ergriff ihre beiden Hände , seine Züge waren bei den letzten Worten totenbleich geworden . » Besinnen Sie sich , Felicitas ! « sagte der Professor mit beschwichtigender , aber völlig erloschener Stimme . » Wüten Sie nicht gegen sich selbst , wie ein kleiner ohnmächtiger Vogel , der sich lieber den Kopf einstößt , ehe er sich in das Unabänderliche fügt ... Verhaßte Fesseln ! ... Kommt es Ihnen denn gar nie zum Bewußtsein , daß Sie mir unsäglich weh thun mit Ihren harten , rücksichtslosen Worten ? ... Sie sollen frei sein , völlig frei in Ihrem Denken und Handeln , nur beschützt und behütet , wie - ein zärtlich geliebtes Kind ... Felicitas , Sie sollen jetzt erkennen lernen , wie es ist , wenn die Liebe für uns denkt und sorgt ... Nur noch dies eine Mal werde ich als gebietender Vormund auftreten , erschweren Sie mir die nötigen Schritte nicht durch Ihren Widerstand , der Ihnen ganz und gar nichts helfen wird - das erkläre ich Ihnen entschieden . Ich werde die Angelegenheit in meine Hände nehmen und Ihr Uebereinkommen mit der Hofrätin Frank rückgängig machen . « » Thun Sie das ! « stieß Felicitas mit bebenden Lippen fast heiser hervor - aus ihrem Gesicht schien der letzte Blutstropfen entwichen . - » Aber auch ich werde handeln , und Sie können sicher sein , daß ich mich bis zum letzten Atemzug wehren werde ! « Nie in ihrem jungen , schwergeprüften Leben hatte ein solcher Sturm ihr Inneres durchtobt , wie in diesem Augenblick . Es tauchten plötzlich neue , unbekannte Stimmen in ihr auf , die mächtig mitsprachen in diesem Aufruhr - es war , als seien sie nur der Widerhall seiner innigen , beschwörenden Worte . Wie eine dunkle Gewitterwolke hing eine furchtbare Gefahr über ihrem Haupte , und - das fühlte sie instinktmäßig - sie mußte sich um jeden Preis von ihm losreißen , wenn sie nicht dieser Gefahr rettungslos verfallen wollte ... War es doch jetzt schon , als habe er eine unbegreifliche Gewalt über ihr ganzes Wesen , als schlüge jedes harte Wort , das sie ihm sagte , schmerzend auf ihr eigenes Herz zurück . Er