Liebhaber des Kreuzes machen keine Revolution ; aber so ist der Gang der Weltgeschichte ! Dem freien Willen des Menschen ist aller Spielraum gelassen , bis zu einem gewissen Punkt , den niemand kennt , als Gott allein . Ist die Sündflut bis zu dem Ararat gestiegen , so sinken die Wasser der Trübsal und mancher Noe richtet den Altar auf , um Gott ein Dankopfer darzubringen . Je größer und allgemeiner die Ueberschätzung des Niederen und die Mißachtung des Höchsten in der Welt ist , umso größer müssen die Katastrophen sein , die aus einer solchen Verletzung der göttlichen Ordnung hervorgehen ; umso lauter muß der Warnungsruf erklingen , der die Berauschten aus ihren Orgien wecken soll . Das alles hatte Levin schon in den gesamten Weltereignissen , und häufiger noch in den Schicksalen einzelner erlebt . Er war daher ganz ruhig und suchte auch andere zu beruhigen , namentlich das Landvolk , das durch glänzende Vorspiegelungen geblendet wurde und auf die Revolution eingehen sollte . Eine so lange , lange Reihe von Jahren hatte Levin hier gelebt , seine zärtlichste Sorgfalt gerade dem gemeinen Manne zugewendet , zwischen denen er , wie sein göttlicher Meister , » wohltuend umherging « , kannte auf den Windecker Besitzungen alle Leute , die Alten - als seine Zeitgenossen und so abwärts bis zu den Kindern herab , deren Eltern er schon als Kinder gekannt . Da war kaum einer , dem er nicht irgendwie einen Dienst geleistet , einen Gefallen getan , einen Rat erteilt - und da waren sehr viele , denen er hilfreich die Hand gereicht hatte in mannigfachen Nöten und Drangsalen . In ruhigen Tagen waren auch alle fest überzeugt , daß niemand es besser mit ihnen meine und bereitwilliger sei , ihnen mit Rat und Tat zu dienen , als der hochwürdige Herr ; aber durch die feindlichen Aufstachelungen und bösartigen Verdächtigungen , welche die Umsturzpartei überall ausstreute , um Mißtrauen an die Stelle des Vertrauens zu bringen , kam es denn doch dahin , daß dies Vertrauen sehr geschwächt und dadurch Levins Einfluß sehr geschmälert wurde . Es wurde den guten Leuten vorgestellt , er sei zu alt , um auf die neuen Zeiten eingehen zu können ; er hänge deshalb zu fest an den Vorurteilen , welche die Welt beherrschten , halte zu viel auf die Vorrechte einiger und zu wenig auf die Rechte aller - und könne daher für die Gegenwart kein guter Ratgeber sein . Die Gegenwart habe nichts im Auge , als den Vorteil des Volkes . Es sei schwer , ja kaum möglich , daß einer vom Adel , der noch dazu Priester , als zwiefach beteiligt sei , das Volk in Unmündigkeit und Abhängigkeit zu erhalten , um es materiell und geistig zu beherrschen , seine und seines Standes Vorrechte fallen lasse , und sich aufrichtig mit dem Volk verbrüdere . Es möge sich also nicht blind leiten lassen von irgend einem Herrn ; denn ein solcher werde es immer und immer wieder zur Ruhe , Ordnung , Gesetzlichkeit auffordern und somit um die Vorteile bringen , die es eben jetzt durch entschiedene Forderungen sich erringen müsse . - Wer ist taub gegen die Lockungen persönlicher Vorteile ? und wem muß man leichter verzeihen , wenn er es nicht ist , als dem gemeinen Mann , dessen mühseliges Leben so arbeits- und sorgenvoll ist ! Das Licht des Glaubens muß mit voller Klarheit auf ein solches Leben fallen , und dessen Verdienste in der Vereinigung mit dem verborgenen Leben recht hervorheben , welches der Sohn Gottes in der armen Hütte des geringen Zimmermanns führte , um in solchen Verhältnissen gegen die Vorspiegelungen von großen rechtmäßigen Vorteilen taub und blind zu machen . Levin empfing sein volles Maß von Bitterkeit durch die Kälte und das Mißtrauen , die vielfach seiner warmen Treue begegneten ; aber er ließ sich nicht erbittern ! Lebenslang hatte ja sein göttlicher Meister nichts so reichlich mit ihm geteilt , als die Myrrhen . Je heftiger der Zorn des Grafen aufbrauste , wenn die neu erfundenen » Grundrechte « eine Bresche nach der anderen in der Mauer des historischen Rechtes und einen Raubzug nach dem anderen auf fremden Gebiet machten , desto milder wurde Levin , so daß der Graf zuweilen auch ihm zürnte und ihm vorwarf , im Bunde mit der Revolution zu sein . Aber er blieb ruhig bei seiner Behauptung : » Das Volk ist betört , berauscht und irregeleitet durch das Geschrei der falschen Freiheitspropheten , die ihm goldene Berge der Zukunft vorschwindeln . « » Aber diese Schwindelei bringt uns in Wirklichkeit um Hab und Gut , « rief der Graf aufgeregt ; » und was viel mehr ist , bringt uns um unser uraltes Recht , ja sogar um unsere Ehre , indem wir gezwungen werden , die Erfindungen der revolutionären Schreier als Gesetze gelten zu lassen - gezwungen durch offenbare Feindseligkeit und Aufhetzerei des Volkes gegen uns , so daß man eines Tages , man weiß nicht wie ! den roten Hahn auf dem Dach hat . Ebenso gut könnte man einer Räuberbande gehorchen . « » Dahin kommt es mit einer Menschheit , die aus dem Geleise des wohlgeordneten Gehorsams gewichen ist , « sagte Levin ernst . Der Menschengeist hat sich in jedem Einzelnen von Gott emanzipieren und der ewigen Weisheit den Gehorsam verweigern wollen : dafür wird er jetzt ein durch Furcht vor Gewalttaten verschüchterter Sklave menschlicher Verkehrtheit . Der himmlischen Liebe hat er nicht dienen wollen in edler Freiheit seines Willens , so gehorche er jetzt , furchtgeknechtet , sündiger Torheit und Bosheit . « » Welch ein Trost ! « murrte der Graf . » Ein großer , lieber Damian , denn damit schlägt man den Weg der Buße ein . Nimm hin die Trübsal als heilsame Arznei und bringe die geforderten Opfer nicht der Revolution , nicht den sogenannten Rechten des Volkes , die sich nicht urplötzlich dekretieren lassen , sondern bringe sie Gott