mit den Baubrüdern trat auch der Rädleinmacher Sebald aus seinem Hause , und mehr als eine Hausthür öffnete sich ; Männer , in ihrer Abendruhe gestört , traten heraus und aus den Fenstern der obern Geschosse blickten da und dort weibliche Köpfe ; die Lampen , die hinter ihnen brannten , warfen einzelne hellere Lichtstrahlen auf die Straße . Ulrich und Hieronymus fragten gleich andern Herzueilenden , was es gäbe ? » Ein Judenhund bellt und heult und seine Kleine winselt ! hört Ihr es nicht ? « antwortete eine rauhe Stimme . » Mit Juden braucht sich Niemand einzulassen ! « rief Hieronymus . » Ihr solltet Euch schämen , wenn Ihr es gethan ? « » Die Dirne ist trotzdem nicht so übel ! « rief eine andere Stimme ; » Schade , daß sie eine Jüdin ist - im Sonnenbad könnte sie sonst gute Geschäfte machen - meint Ihr nicht so , Herr Badmeister ? « Der Angerufene war vor die Thür des Gebäudes getreten , welches das » Sonnenbad « hieß und ein öffentliches Badehaus war . Es war aber allgemein bekannt , daß in diesem wie in den meisten Badehäusern schöne Mädchen gehalten wurden , die Männerwelt anzulocken . Der Bademeister rief zornig : » Solcher Schimpf sollte meinem Hause nimmer widerfahren , daß ich eine Judendirne darin duldete ! « » Hau ' t den alten Kerl vollends zusammen , damit der Spektakel ein Ende hat ! « rief ein Anderer aus dem Trupp . Solche und ähnliche beschimpfende und drohende Reden wurden von einer Anzahl Handwerksgesellen gesprochen , die von einem Zechgelage meist betrunken zurückkamen und zugleich ihren Witz wie ihren Zorn an einem Judenpaare auszulassen suchten , die so unglücklich gewesen waren , ihnen in den Weg zu kommen . Andere Leute , welche der Lärm herbeigelockt , hörten nur neugierig zu , manche sogar sich dabei belustigend , und die meisten zogen sich theilnahmlos zurück , als sie hörten , daß es Juden waren , welche hier gemißhandelt wurden . Ulrich aber drängte sich mitten durch die Gesellen , welche ihre Knittel über dem Rücken des seine Unschuld betheuernden und um Erbarmen flehenden alten Juden schwangen , hieb zwei dieser aufgehobenen Stöcke mit seinem Schwert zurück und herrschte den Gesellen zu : » Hat der Mann da ein Unrecht gethan , so ruft die Stadtknechte , daß sie ihn in Gewahrsam nehmen , oder wir wollen ihn selbst auf die Büttelei führen ; aber ihn hier zu beschimpfen und zu zerbläuen habt Ihr kein Recht , und wenn Ihr es thut , so verdient Ihr zehnmal größere Strafe als er selbst ! « Wie er so sprach , durch seine gebietende Haltung und Rede , die Allen ganz unerwartet kam , die Aufgeregten im ersten Augenblick verblüffte , warf sich Rachel zu seinen Füßen , die neben ihrem Vater stehend , von Angst und Scham über die Reden der Gesellen , ihre Berührungen und allen angethanen Schimpf fast vernichtet , regungslos und gebückt die Hände vor ihr Gesicht haltend , und rief : » Wir haben nichts gethan , als daß wir uns verspätet und nun noch auf der Gasse sind ! Ihr seid ein Christ und ein Mensch , aber diese da sind keine Menschen . « » Ich glaube , das Mädchen hat Recht , « sagte Ulrich , der sie wiedererkannte . » Sage , was geschehen ; ich glaube Dir mehr als diesen , denn sie sind betrunken und haben sich unter das Vieh erniedrigt ! « Rachel stieß einen hellen Ton wie ein freudiges Triumphgeschrei aus und sagte : » Wir hatten uns im Schneefall verspätet , diese da kamen dort um die Ecke aus der Trinkstube und wollten Kurzweil mit mir treiben ; der Vater stieß sie zur Seite , und weil ich mich ihrer nicht anders erwehren konnte , sagte ich , daß ich ein Judenmädchen sei , damit sie mich ziehen ließen ; da rissen sie mir und dem Vater da die Bündel ab - seh ' t , es waren Sachen darin , sie haben sie an sich genommen oder im Schnee verstreut ! « Ulrich vernahm diese Rede , obwohl die Gesellen sie zuweilen mit höhnischem Ruf überschrieen , auf Ulrich losschlagen wollten , und doch wieder vor seinem und Hieronymus geschwungenem Schwerte zurückwichen , auch weil jetzt die früheren müssigen Zuschauer hinzutraten und den Gesellen selbst den Rath gaben , das Judenpack laufen zu lassen . Gleichzeitig jammerte der Jude Ezechiel : » Sie haben uns überfallen , aus unsern Bündeln gerissen die schönen Sachen , die ich erst gekauft für mein theures Geld ! Seh ' t Ihr nicht die Reiherfedern und den Sammetmantel da « - er deutete auf einzelne Gesellen , die solche Gegenstände noch in den Händen oder auf den Schultern trugen . » Nun ! « rief Ulrich , » gegen Spitzbuben und nächtliche Straßenräuber wird es doch Schutz in Nürnberg geben und Strafe für sie . « Jetzt rückten , von dem Lärm herbeigelockt , einige Mann der Stadtwache an , indeß es bereits einige ernüchterte Gesellen für gut fanden leise zu entweichen ; ein paar warfen die den Juden abgenommenen Gegenstände weg , ein paar andere aber nahmen sie mit sich . Bei dem Anrücken der Wache und noch anderer herzueilender Personen bekam die Scene ein anderes Ansehen : nur drei Gesellen waren noch auf dem Platz ; Andere waren müssige Zuschauer , und es war nun Streit darum , wer hier Streit angefangen oder im größeren Rechte sei - die Gesellen oder die Baubrüder , und Ulrich konnte Rachel zuflüstern : » Flieh ' doch , damit Du nicht wenigstens mit auf die Büttelei mußt « - und sie war wie im Nu in demselben Augenblick entschwunden , indeß ihr Vater , mehr als auf Leben und Freiheit und auf sein Kind , auf die Waaren , die er bei sich getragen , bedacht , davon zu erhaschen suchte , was von