den Offizieren nicht gesagt haben ? Verstanden hab ' ich blos , wie er das Armband - ein Armband war ' s - herumzeigte ... da sagten sie alle : Superb ! Charmant ! Nämlich auf französisch ! Aber warum nur zeigt ' er ' s denn ? Ich meine gar ... und ganz gewiß ... sie stritten über Ihre ... Ihre Nase , Fräulein ! Dummer Schnack ! Mein Seel ' , wirklich ! Ob die spanisch oder italienisch wäre ... oder ... Da sagte der eine , der den Grafen aus Wien mit hierher begleitet hat ... Herr von Terschka ... Der sagte , das Bild auf dem Armband - das nämlich auch ganz Ihre Nase haben sollte - wäre eine Italienerin , die er kenne ... aus Rom ... und genannt hat er sie auch ... Jetzt fiel der Graf ein und sagte auf deutsch : Ja , Terschka , das ist ja halt die leibhaftige ... Nun nannte der wieder einen Namen ... aber einen deutschen , den ich nicht behalten konnte ... aber eine Kunstreiterin war ' s ... das schönste Mädchen in Wien ... und während nun wieder die Offiziere zwar in Lachen ausbrechen wollten , aber sich zurückhielten und doch nicht zu lebendig werden wollten ... wegen der Trauer ... hielt sich der Alte gerade am wenigsten , redete allerlei durcheinander , schenkte die Gläser rings um sich her voll , schnackte vom Hundertsten ins Tausendste , und wenn er nun die Nacht nicht ordentlich schlafen kann , so ist ' s seine eigene Schuld . Um vier Uhr soll ich ihn wecken . Der Diener ging . Lucinde schüttelte den Kopf , dachte aber bald nur noch an das schöne Armband , an den Streit der Offiziere , ging ins Nebenzimmer , sah sich beim Entkleiden im Spiegel , forschte nach der Nationalität ihrer Nase und ging zu Bett . Kaum mochte sie , müde vom Warten , eine Stunde geschlafen haben , als sie erwachte . Der Mond schien hell ins Zimmer , sie hatte vergessen die Laden zu schließen ... Der Wächter rief die elfte Stunde ... einige vereinzelte Rufe und Liederintonationen kamen von den vom Wirthshaus heimkehrenden Studenten , in deren Leben sie sich durch Jérôme ' s und Klingsohr ' s Erzählungen schon längst zu versetzen gewußt hatte . Der Theaterlärm hatte die Köpfe vollends erhitzt ... Wie es dann wieder still wurde und sie eben im Begriff war , auch wieder einzuschlafen , hörte sie im Nebenzimmer Geräusch . Ein harter Gegenstand fiel nieder und rollte auf dem Fußboden hin . Sie erhob sich ... Jetzt hörte sie Schritte und laut reden ... Sie sprang auf ... sie hatte vergessen , die Verbindungsthür zuzuriegeln ... Es war aber der Kronsyndikus selbst , der ohne Zweifel mit seinem Bedienten sprach , den er durch eine Klingel wecken und vom Corridor zu sich herüberrufen konnte . Als sie aber die Riegel leise zugeschoben hatte , hörte sie , daß der Kronsyndikus allein sein mußte . Er ächzte und stöhnte und sprach mit sich selbst ... Jetzt durfte sie annehmen , daß ihm etwas zugestoßen war ... Rasch warf sie sich einen Rock über , hielt einen großen rothen Shawl in Bereitschaft und trat wieder an die Thür ... Der Greis war allein und , wie sie hörte , in großer Aufregung ... Sie unterschied Worte , die er sprach ... Jetzt war es ihr , als wenn er um Hülfe rief ... Nun hielt sie sich nicht länger , sondern drückte die Thür auf und trat , so wie sie war , vom Shawl verhüllt , in ihrem von einem Häubchen zusammengehaltenen Haar , im weißen Unterkleide ein . Wie entsetzte sie sich aber , als der Kronsyndikus mit einem Stockdegen in der Hand aufrecht im Zimmer stand , bei ihrem Anblick auslegte und sie mit aufgerissenen Augen anstarrend anfuhr : Gespenst ! Zurück ! Was sagst du , daß du mein Weib bist ! Römische Schlange ! Ich - Lucinde stieß einen Schrei aus , denn mit dem gezückten Degen kam der Fieberkranke , Halbnackte dicht auf sie zu . Den Irrthum seiner Phantasie erkennend , ließ er in demselben Augenblicke den Degen fallen . Dieser klirrte auf ein Glas nieder , das vom Nachttisch des Nebenzimmers gefallen sein mußte , seines starken Bodens wegen aber nicht zerbrochen , sondern bis in das Wohnzimmer gerollt war , als dessen Thür von dem Aufgeregten geöffnet wurde . Lucinde , sagte der Greis , sie erkennend und seiner Erscheinung in einem Nachtkamisol und mit nackten Füßen nicht achtend , Lucinde , komm her ! Steh mir bei , ich sehe nichts als Blut - ich habe mich verwundet - Nein , Nein ! beruhigte ihn Lucinde , die sich im Mondenschein leicht orientiren konnte und einer Nacht gedachte , wo sie ebenso ihren Vater einmal , als er spät aus dem » Vorspann « gekommen war , zur Ruhe bringen half , während alle Geschwister um den Wahnsinnigscheinenden herumstanden und schrieen ... Sie achtete seines Aufzugs nicht . Der Fieberkranke ließ sich nicht bedeuten und sagte : Doch , Kind ! Sieh doch nur ! Da ! Und nun huschen diese Kerle alle um mich herum und stehen mir nicht bei ! Hunde , was schnuppert ihr denn nur an meinen Beinen ! Jesus Marie , laßt doch die Menschen aus der Stube ! Lisabeth , was soll denn der Mönch da in der Kutte ? ... Fort mit dem Buschbeck ! Sind Sie des Teufels , Herr ! Und schießen ihre giftigen Pfeile auf mich ab , Mensch ? Halt ! Halt ! Fort , brauner Teufel ! - Hier , - ha , was liegt denn da im Wege ? Worüber fall ' ich denn ewig ? Wieder der Dicke ? Jesus ! Bringt ihn mir doch fort ! Was liegt denn der Dicke mir ewig im Weg und läßt so die Menschen über sich fallen ! Lucinde