, daß ich gehörig mürb bin , und das ist kein Wunder , denn ich hab den Amtmann noch auf ' m Hals gehabt , da hat man mich noch weiter trieben . Ich bin nicht eher angenommen worden , als bis ich buchstäblich versprochen hab - ich hab dir ' s ja schon gesagt und will ' s nicht wiederholen . « » Und was soll ich ihr jetzt sagen ? « fragte Jerg . » Was ich meinem Vater versprochen hab , das halt ich ihm , aber ich halt auch , was ich deiner Schwester versprochen hab , und das geht vor , denn es ist ein älteres Versprechen . Auch hab ich keineswegs geschworen , daß ich sie in alle Ewigkeit nicht mehr sehen , noch ihr schreiben wolle , und noch weniger hab ich gesagt , ich wolle mein Herz von ihr abziehen und ihr mein Wort brechen . Zwischen uns bleibt alles im alten Recht . Sag ihr nur , sie solle etliche Zeit Geduld haben , wie ich mich auch gedulden muß . Ich muß erst wieder festen Boden unter den Füßen haben , damit ich in Ruh sehen kann , wie Has lauft , und kann Zeit und Gelegenheit walten lassen . Vielleicht wächst der Axt von selber ein Stiel . Sag ihr , jedenfalls nehm ich keine andere , und wenn ich Haus und Hof dahinten lassen müßt oder müßt alt und grau mit ihr werden , bis wir vor den Altar kommen . Das muß ihr für jetzt genug sein . Und deinem Vater sag , es bleib bei unsrer Abred , und er soll sie bei sich behalten , wie wir ausgemacht haben , bis etliche Zeit verstrichen ist ; sowie ich wieder ein wenig zu Kräften komm , will ich ihn dafür schadlos halten . Du aber versprichst mir , daß wir uns je und je im Beckenhaus treffen , damit ich Nachricht von meinem Schatz hab ; denn du bist jetzt mein Mündlich ' s und mein Schriftlich ' s mit ihr . « » Bleib ' s dabei « , sagte Jerg . » Und jetzt sag mir noch eins , offen , Aug in Aug : glaubst du meinen Worten und willst du dich bei den Deinigen und bei deiner Schwester für mich verbürgen , daß ich ' s noch so treulich mein wie sonst , trotzdem daß der Schein gegen mich ist ? Die Hand drauf , Schwager , Bruderherz ? « » Ja , ich glaub dir , da hast meine Hand . « » So , jetzt geh ich mit leichterem Herzen heim . Gut Nacht , und grüß mir mein ' Schatz vieltausendmal . « 17 Bald genug sollte Friedrichs Ahnung , daß der natürliche Gang der Dinge von selbst zwischen zwei widerstreitenden Versprechen entscheiden werde , in Erfüllung gehen . In der Stellung des dienenden Sohnes , in die er zurückgetreten , waren ihm ein paar Monate leer und trüb dahingegangen , ohne daß seine Herzensangelegenheit einen weiteren Zusammenstoß zwischen ihm und seinem Vater verursachte . Diesem genügte es , seinen Sohn der herrschenden Sitte gemäß ehrlich und christlich , wie die stehende Redeweise der Zeit sich ausdrückte , erzogen zu haben , und er meinte seine ganze Verantwortlichkeit abgetan , wenn er einem Irrweg desselben die einfache Schranke des väterlichen Verbotes entgegensetzte . Er glaubte ihm weder die Gründe , durch welche ein älterer Freund die unerfahrene Jugend manchmal von einem Fehlgriff abzuhalten vermag , noch die Achtung vor der Freiheit des menschlichen Willens schuldig zu sein , der über sich selbst zu verfügen berechtigt ist , und wenn er auch den Einsatz mit dem Preise der ganzen Zukunft bezahlen müßte . Was Wunder , wenn der Sohn für dieses starre Nein , das er von Anfang an vorausgesehen , ein ebenso starres Ja in Bereitschaft hatte , dessen zeitweilige Hintanhaltung eben jenen Waffenstillständen glich , die man im Kriege nur deshalb schließt , um bei einer vorteilhaften Gelegenheit wieder losschlagen zu können . Er hielt buchstäblich Wort und vermied in dieser ganzen Zeit jedes Zusammentreffen mit Christinen . Auch besuchte er keinen Tanz , denn er wußte wohl , daß er sie nicht daselbst finden würde . » Ich will sie lieber so lang gar nicht sehen « , sagte er zu Jerg , » denn einander sehen und nichts voneinander haben , das tut viel weher ; sag ihr nur , sie soll derweil fleißig an mich denken , ich werd das im Arm oder noch besser im Herzen spüren . « Er traf häufig mit ihm im Bäckerhause zusammen ; das eine Mal sprach er lustig mit ihm dem Grillengifte zu und bekannte , daß er erst jetzt einsehe , wie richtig er es getauft habe ; das andere Mal sah man die beiden lange Zeit miteinander flüstern , wobei Christinens Bruder Nachrichten von bedenklicher Art zu bringen schien , welche Friedrich gelassen aufnahm und , nach seiner Miene zu schließen , mit ermutigenden Zusicherungen beantwortete . Die Bäckerin , die kränkelnd im Sorgenstuhle saß , beobachtete solche Unterredungen mit Kopfschütteln und sprach gegen ihren Mann die nämliche Vermutung , die der Chirurg in einem lateinischen Zitat angedeutet hatte , mit deutschen Worten aus . Allmählich begann auch im Flecken ein neues Gemurmel umzulaufen , das zuerst von den jungen Mädchen aufgebracht und bald auch durch die Pfarrmagd vom Brunnen in den Pfarrhof überliefert wurde . Man stichelte und spottete , daß Christine nicht mehr aus dem Hause zu gehen wage , woran sie doch sehr klug tat , denn sie hatte , als sie sich zuletzt auf der Straße blicken ließ , bemerkt , daß man mit Fingern hinter ihr herdeutete . Der Fischer aber hatte niemals ein so reiches Geschenk aus der Sonne heimgetragen , als an dem Tage , wo er der Sonnenwirtin berichtete , was über die Tochter des Hirschbauers gezischelt und gemunkelt wurde . Eines Abends kam der Bäckerjunge zu Friedrich