und glauben Sie , daß dem Waffenstillstande ein Frieden folgen wird ? - Schwerlich . Ein Frieden liegt gar nicht in der Absicht des dänischen Kabinets . Es würde den Krieg fortführen , wenn es die Möglichkeit eines Erfolges sähe . Allein wir wissen recht gut , daß , wenn wir so lange warten , bis vielleicht ein strenger Winter die Blokade der Häfen unmöglich , dagegen den Uebergang der feindlichen Truppen nach Alsen und Fünen möglich macht , die Abschließung eines Waffenstillstandes seine Schwierigkeiten haben könnte . Der Zweck des Waffenstillstandes ist kein anderer , als den Winter in Ruhe und Sicherheit auf die Vorbereitungen zu einem Frühlingsfeldzuge bedacht sein zu können . Deshalb wird auch derselbe spätestens bis zum März dauern . - Und die Paulskirche ist in diesen Landesverrath eingeweiht ? - rief Alice , die ihre Entrüstung nicht länger bemeistern konnte , voller Hohn aus . Der Officier sah sie erstaunt an . - Ich verstehe Sie nicht - sagte er . - O , armes , betrogenes Vaterland , daß diese Elenden es wagen dürfen , dich zum Spielball der Fürstenlaunen herabzuwürdigen ! - Sie sind mein Gefangener , Lieutenant - wandte sie sich an den Erstaunten , der einen Schritt zurücktretend die Hand an den Degen legte . In demselben Moment aber fühlte er sich von zwei starken Händen an den Schultern gefaßt und zu Boden gezogen . Ehe er einen Ruf nach Hülfe ausstoßen konnte , war sein Mund mit einem Schnupftuch verstopft . Nachdem die Hände des Officiers zusammengebunden waren , bat Alice ihn mit der liebenswürdigsten Freundlichkeit , sich zu erheben ; worauf alle Drei sich nach dem Boote in Bewegung setzten . - Chevalier - sagte scherzend Alice - unsere Gesellschaft hat sich vermehrt . Erlauben die Herren , daß ich Sie einander vorstelle ; Chevalier von St. Just und - - - ja so , ich weiß Ihren Namen noch nicht . So muß der Chevalier noch das Vergnügen entbehren , Ihre Bekanntschaft zu machen . Ralph stieß das Boot vom Lande ab . Da ließ der Chevalier , dessen Mund frei war , auf einen bezeichnenden Blick des Officiers , plötzlich einen gellenden Pfiff ertönen . - Guter Gilbert , Du wirst Dich noch um Deinen Kopf pfeifen - rief Alice , auf ihn zueilend und ihr eigenes Schnupftuch ihm zwischen die Zähne schiebend . - Zieh ' die Ruder fester an , lieber Ralph ; und das Boot durchschnitt , trotz der großen Last , die es trug , pfeilschnell die hochaufzischenden Wogen . Doch zeigte es sich bald , daß der Pfiff seine Wirkung nicht verfehlt hatte . Das Boot des Officiers , von zwei rüstigen Matrosen bemannt und fast leer , wie es war , hatte nicht sobald die Spur des fliehenden Feindes bemerkt , als es mit einer Geschwindigkeit , die der des Fahrzeugs unserer Freunde um das Doppelte überlegen war , die Jagd begann . - Halt ein , Ralph , es nützt zu Nichts , daß wir fliehen . Du kannst Deine Kräfte besser brauchen . Zieh ' die Ruder ein und nimm die Büchse zur Hand . Salvador , Du , nimm das Pistol Gilberts . So ! Das Boot kam mit furchtbarer Schnelligkeit näher . Doch da die Dunkelheit , selbst die nächsten Gegenstände , nur als ungewisse Schatten erscheinen ließ , so konnten die Angreifer unmöglich die Distance zwischen ihrem und dem feindlichen Boote berechnen . Sie hatten sich nur durch den Schall der Ruder leiten lassen und waren jetzt , da diese schwiegen , in völliger Ungewißheit über die Richtung , welche sie einzuschlagen hätten . Indessen verminderten sie die Schnelligkeit nicht , in der Meinung , daß durch ein Umschlagen des Windes der Schall nach einer andern Seite geführt werde . Alice saß , den starren Blick auf das näherkommende Boot gerichtet , am Steuer . Jetzt sah sie es heranschießen . Ein Druck am Steuer und das gehorsame Fahrzeug beschrieb einen Halbkreis und stieß im nächsten Augenblick dem heranstürmenden Feinde den Kiel in die Flanke . Während es selbst nur von der Erschütterung getroffen , tief stöhnte , verloren die beiden Männer des feindlichen Bootes das Gleichgewicht und stürzten über Bord ins Meer . - Jetzt , Ralph ! - sagte Alice - mit einem Lächeln der Zufriedenheit - lege die Ruder wieder ein ! - Von Neuem setzte sich das Fahrzeug in Bewegung , während die beiden Matrosen , wieder auftauchend , den Bord des Bootes zu erfassen suchten . In der That gaben sie , durch ihren Unfall erbittert , nachdem sie sich glücklich ins Boot zurückgerettet hatten , nicht nur nicht die Verfolgung auf , sondern setzten sie mit noch größerem Eifer fort . Aber theils der Umstand , daß sie ein Ruder eingebüßt , theils die große Entfernung , in der sich bereits das verfolgte Boot befand , ließen sie bald von ihrem Vorhaben abstehen . Als Ralph gelandet war , wurde Kriegsrath über die Gefangenen gehalten und beschlossen , daß sie so lange im Boote unter der Aufsicht Salvadors und Alicens zurückbleiben sollten , bis Ralph vom General von Wrangel Bescheid darüber erhalten , was mit dem dänischen Officier geschehen solle . Nach kurzer Zeit kehrte Ralph niedergeschlagen und erbittert durch die Antwort zurück , daß , da die Abschließung des Waffenstillstandes nahe bevorstehe , der Officier nicht zurückgehalten werden dürfte , weil eine solche Gefangennehmung , besonders unter den Umständen , wie sie veranstaltet worden , moralisch als ein Friedensbruch betrachtet werden würde . - Ich hab ' s Dir ja vorhergesagt - erwiederte Alice ruhig . Binde ihnen die Hände los und lasse sie frei . - Auch Gilbert ? - fragte Salvador . - Ja ! - erwiederte Alice , die ein unbezwingliches Gefühl davon abhielt , den Elenden der tausend Mal verdienten Strafe anheimzugeben . Schweigend lösten Salvador und Ralph die Stricke , mit denen die Hände der Gefangenen gefesselt waren . Ohne ein Wort zu wechseln