unter dem Vorwande , daß er Georgs Rückkunft erwarten wolle ; aber als jetzt Elisabeth aufstand , von dem hereindämmernden Abend erinnert , fragte er doch : Ob er sie begleiten dürfe ? » Mein Pferd habe ich weggeschickt , « sagte sie , » weil ich den kleinen Rückweg zu Fuß machen wollte , und da ich noch am Tage zurückzukommen dachte und ein nachfolgender Diener mir lästig ist , hab ' ich auch diesen nicht bestellt , wollte vielmehr um Paulinens Begleitung bis an den Park bitten - in unserm Park geh ' ich ja doch allabendlich allein . « » Nun , « sagte Pauline , » so brechen wir zusammen auf . « Die Mädchen baten nun Jaromir , zu warten , bis sie ihre Hüte und Hüllen aus dem oberen Zimmer geholt , und entfernten sich deßhalb . So eben ward Feierabend geläutet . Jaromir trat aus dem Garten auf den freien Platz vor dem Hause . Wilhelm und Anton kamen vorüber , sie stießen einander an , wie sie ihn gewahr wurden , und Anton sagte : » Er ist immer noch da und treibt sich hier ganz allein herum . Glaubst Du nicht , daß das Etwas zu bedeuten hat ? Und wer es wüßte , ob Gutes oder Schlimmes ? « » Nun , was könnte denn noch Schlimmes kommen ? Anton , ich hoffe jetzt : Es giebt Leute , welche sich unsers Elendes erbarmen wollen , welche es gut mit uns meinen ; gelehrte Leute , welche schreiben und was Rechtes gelernt haben , die sagen es gerade heraus , daß man uns Unrecht thut , und solche Leute müssen jetzt in unsrer Nähe sein - ich weiß es gewiß - wer weiß , ob er nicht Einer von ihnen ist - er schien doch freundlich zu sein . « » Und nun ist er noch immer hier , « sagte Anton , » am Ende hat er den Feierabend abgewartet , um noch mit uns zu sprechen . « In diesem Augenblick kamen Pauline und Elisabeth aus dem Haus und Jaromir ging mit freundlicher Anrede auf sie zu . Die Arbeiter entfernten sich kopfschüttelnd , zusammen murmelnd . In heitrer Unterhaltung wie vorher war die Stelle am Eingang des Parkes bald erreicht , an welcher Pauline von Jaromir und Elisabeth scheiden wollte . Die Freundinnen hielten sich eben umschlungen , als ein Wagen vorüber fuhr . Es war ein leichter zurückgeschlagener Phaeton , ein einzelner Herr saß darin - man würde weder ihn noch seine Lorgnette bemerkt haben , wenn er nicht ein hämisches : » Guten Abend - « aus dem Wagen der Gruppe zugerufen hätte . Es war Kammerjunker von Aarens , welcher mit diesem Gruß , und indem er langsamer als erst vorüber fuhr , die Erkannten niederzuschmettern glaubte . Aber sowohl Elisabeth als Jaromir dankten unbefangen in gewohnter Art und Weise . » Wer war denn die Dame , welche jetzt das Paar allein läßt ? « fragte Aarens auf Paulinen deutend , welche den Rückweg antrat , seinen Kutscher . » Die Tochter des Fabrikanten Felchner ? « antwortete dieser . » Was - Kerl , ist das wahr ? « rief Aarens außer sich . » Bestimmt , ich kenne sie genau - « versetzte der Kutscher . Aarens schlug ein Gelächter auf und rief ein Mal über das andere : » Das ist göttlich , himmlisch - unvergleichlich ! « Unterdeß ging Jaromir an Elisabeths Seite dem Schlosse zu . Sie sprachen Wenig - ihre Herzen schlugen zu laut und doch auch zu befriedigt , als daß sie hätten sprechen können . Sie gingen langsam , aber das Schloßthor war bald erreicht , an dem sie sich trennten . Wie sie einander guten Abend boten , fragte er nun leise , ob sie morgen Nachmittag zu Hause sei , und sie antwortete ein freudiges , leises : » Ja . « Später traf Anton wieder mit Franz zusammen . » Was nur der fremde Herr so lang in der Fabrik wollte ? « fragte er . » Ich glaube wohl , daß Du in Allen Spione siehst , seitdem Du mit einem Stiefel zusammen gewesen . « » Höre , « sagte Anton , » hat Dich das Mährchen auch angesteckt , Stiefel soll hier sein ? Der , den August dafür hält , hat dunkle Haare und keinen Bart - und Stiefel hat rothes Haar und langen Bart um ' s ganze Kinn . « Später gefragt , mußte August dies selbst zugeben , man lachte ihn aus und ermahnte ihn , ein anderes Mal besser Acht zu geben - Stiefel werde nicht wagen , je wieder in ihre Nähe zu kommen , versicherte Anton . VII. Die Zwei » Denkt Euch der Herren Wandergang , Voran des Bettlers Kleid als Fahne ! « Alfred Meißner . Es war Abend . Die Geheimräthin von Vordenbrücken hatte mit dem jüngern Waldow ein empfindsames Stelldichein in irgend einem romantischen Bosquet , ihr Gatte saß allein zu Hause und dachte zum tausendsten Mal darüber nach , wie schlimm es sei , eine schöne Frau mit einer reichen Mitgift zu haben . Eine Frau , welche jedem eifersüchtigen Vorwurf des Gatten sogleich den andern entgegen setzen konnte , recht wohl zu wissen , daß er mehr um ihre Staatspapiere , als um ihr Herz geworben habe , eine Gattin , welche es immer geltend zu machen wußte , daß ohne ihren Reichthum ihr Gatte eine unbedeutende Rolle in der Gesellschaft spielen würde , und daß er deßhalb sie niemals in der glänzendsten Ausstattung derjenigen Rolle beschränke , welche sie selbst sich einmal vorgenommen , zu behaupten . So mußte er alle ihre Launen dulden , sie überall hin in die große Welt begleiten , wo er selbst sich und Andere langweilend eine erbärmliche Figur spielte , mußte ihre Liebhaber als Hausfreunde verbindlich willkommen heißen , und jetzt hatte sie es gar dahin gebracht , ihm