eines edlen Grafengeschlechts einer Rotte schmutziger Leibeigener gegenüber als Angeklagter vor dem Richterstuhle des empörten eigenen Vaters - wahrhaftig , das ist so wild romantisch , daß die blutdürstige Canaille aus den Straßen von Paris es nicht vortrefflicher erfinden könnte ! In seinem absoluten Gerechtigkeitsfieber sieht der alte Mann nicht ein , daß dadurch , wie sich die Sachen auch gestalten mögen , ein unauslöschbarer Flecken auf sein Haus , auf sein Wappen fällt , den Jahrhunderte neuen Glanzes nicht wieder auslöschen können . Der simpelste Menschenwerstand begreift , daß dies nicht geschehen darf - « » Warum nicht ? « unterbrach Herta den jungen Grafen . » Soll der hochgeborne Graf und Fürst , wenn er ein Schuft gewesen ist , nicht dieselbe Gleichheit vor dem Gesetze haben , in die er sich vorher durch seine Handlungsweise mit dem Pöbel gebracht hat ? « » Diese Sprache der Neuzeit , meine schöne Cousine , verstehe ich nicht . Ich sage , es befleckt unser Haus für immerwährende Zeiten , wenn die angekündigte Gerichtssitzung in der Schloßhalle stattfindet . Darum muß sie hintertrieben werden . « » Von wem ? « » Von Dir und mir . Wir beiden im Bunde halten die ganze Meute ab . « » Auf mich rechne nicht ! Ich kann und will nichts thun , als die gekränkte Unschuld beschützen . « » Das ist so löblich von Dir , daß ich Dich gleich dafür küssen möchte , müßte ich nicht befürchten , Du würdest Deine weißen runden Perlenzähnchen in meine Lippen schlagen , und das wäre in sofern ein Unglück , als dies nach dem Feste gegen mich zeugen würde . Darum laß uns vernünftig mit einander sprechen und uns verständigen . - Ich habe es längst gemerkt , daß sich die kleine erboste Wendin direct an Dich gewendet und Dir ein Histörchen erzählt hat , welches , die Ausschmückungen weggelassen , der Wahrheit nahe kommen mag . Du siehst , angebetete Herta , daß ich ganz ehrlich bin und mich Dir gegenüber gar nicht besser machen will , als ich in der That bin . Ja ich gestehe Dir sogar freiwillig , daß ich bei der niedlichen Wendin ein klein wenig zu weit gegangen sein mag ! Ich habe sie entführt , weil sie ein so böses Gesicht machte und mir grade deswegen gefiel . Und das Satansmädchen hat mich dafür schön gezeichnet ! Nun höre mich ganz ruhig an und urtheile , ob ich Urecht habe ? - Daß ich kein Joseph geworden bin , das mag mein Herr Vater mit der Frau Mama ausmachen . Mein Temperament gefällt sich nun einmal nicht im Entbehren , sondern im Genießen , und solche allerliebste duftende Mädchenblumen , die in stiller Haide lockend aufschießen , sind doch wahrlich nicht dazu da , daß sie von plumpen Bauern geknickt werden ! Auch magst Du bedenken , daß , wenn ich in meinen Wünschen und Begierden wirklich zu tadeln sein sollte , nur Du ganz allein daran Schuld bist ! Immer nur schwebt Deine zarte , schlanke , warm geschmeidige Elfengestalt vor meinen Blicken , so reizend und begehrerisch , daß ich in jedem schönen Mädchen das Schattenbild von Dir zu erblicken glaube und in Leidenschaft für sie entbrenne ! Hättest Du mich erhört , süßer Engel , so säh ' ich außer Dir kein Mädchen , ich wüßte gar nicht , daß es noch Weiber gäbe , die auch schön , auch liebeverheißend sind . Seit Du mich aber verschmäht , mir sogar verboten hast , mit Dir zu sprechen , seitdem tobt und lodert eine verzehrende Flamme in meiner Brust , die Nahrung sucht und Alles , was ihr nahe kommt oder was sie erreichen kann , in Fieberwuth zu verbrennen begehrt . Habe ich also der kleinen Wendin ein Leid in sofern zugefügt , als ich sie mit Gewalt und unter heimlichen Nebengedanken entführte , so bist eigentlich Du der Anstifter dieses Unglücks und auf Dich müssen alle Folgen , die sich daraus ergeben , zurückfallen . Werde ich nun gezwungen , vor Gericht Rede zu stehen , so sei versichert , daß ich Dich nicht schone ! Die Nothwehr zwingt mich , jedes Auskunftsmittel zu ergreifen . « » Magnus , « unterbrach Herta den Sprechenden mit einem Ausdruck in Stimme und Miene , der ihre moralische Entrüstung hinlänglich verriethen , » bisher habe ich Dich bedauert , wohl auch zuweilen gehaßt , von jetzt an aber muß ich Dich gründlich verachten ! Du bist ein gemeiner , verrotteter Bösewicht ! « » Das scheint Dir blos so , schöne Cousine , höre noch meine Gründe und Du wirst Dein Urtheil ändern und mich freisprechen . - Es leuchtet Dir ein , daß so nahe Verwandte , wie wir es sind , einander mit solchen Anklagen nicht entgegentreten dürfen . Dadurch würde unrettbar ein Skandal entstehen , den wirklich alles Wasser der Welt nicht mehr von unserm Namen abwaschen könnte ! Nun überlege aber , was auf dem Spiele steht ! Hier unser aller Ehre und Ehrenhaftigkeit , dort ein unbekanntes , verachtetes Mädchen , ein Geschöpf überdies , das ich als Leibeigene behandeln kann , wie ich will . Ich habe das Recht dazu , und wir wollen uns über Recht oder Unrecht dieses Rechtes jetzt nicht streiten . Halten wir fest , was da ist und gilt . Was , frag ' ich , ist besser , ist leichter zu verantworten , wozu räth gesunder Menschenverstand und Klugheit , zu Brandmarkung unseres alten Namens , zu Vernichtung unserer Ehre oder zu Verurtheilung einer leibeigenen Wendin durch das ganz einfache Mittel , daß man sie Lügen straft ? Mich dünkt , die Wahl kann hier nicht schwer sein . - « » Einem gewissenlosen Menschen gewiß nicht . « » Ich danke für das Prädicat . - Um jedoch weiter zu kommen , fahre ich fort . Nach dem Vorausgeschickten verlange ich von Dir , daß Du morgen früh bei