dies sehr bald zu seinem Vortheil benutzt haben : Andlau wurde dadurch gerührt . Er wollte meinem exotischen Wesen etwas von seiner phantastischen Glut nehmen , damit es besonnen in der kühlen Atmosphäre der Welt gedeihen könne - aber daran scheiterte seine Kraft , denn das tiefe Feuer , welches bis jetzt in meiner Brust geschlummert , weil kein Lufthauch es angefacht , brach nun mächtig hervor und verzehrte seinen Willen . Die Liebe brannte wie zwei Altarflammen in unsern Herzen . - - Was sagte die Welt dazu ? O die Welt ! tausend gemeine Verhältnisse duldete sie , und abertausend noch gemeinere begünstigt sie ! aber wo eine starke Leidenschaft auftaucht , da schreit sie Zeter ! die keusche , sittsame Welt . Herzen , die im Schlamm ersticken , sucht sie fein säuberlich abzuwaschen ; Herzen , die in Glut verlodern , streut sie in alle vier Winde . Ich nahm keine Rücksicht darauf . Mein Leben hatte einen andern Polarstern , als das Urtheil der Menge , und ich sagte höchst unbefangen , wie glücklich ich mich fühle , endlich einen Mann gefunden zu haben , den ich achten könne , weil Pferde und Hunde , Wein und Karten ihm nicht als die höchsten Güter und wichtigsten Interessen des Lebens erschienen . Obernau spottete sehr oft über meine romantische Liebe zu Andlau , aber er suchte nicht sie zu stören , vielleicht weil er meiner überdrüssig war , vielleicht weil er mich nicht fähig hielt , eine mächtige Liebe zu erwiedern ; wenigstens meinte er ganz ehrlich , ich müsse von Marmor und Erz sein , indem ich bei der seinigen ungerührt geblieben . » In meinem jungen brausenden Kopf hatten schon Flucht und jede mögliche gewaltsame Trennung gegohren , da eine Scheidung bei uns Katholiken mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat . Es gab Augenblicke , wo ich mir die Zuflucht eines Klosters wünschte , um nur dem Druck meiner unseligen Ehe zu entfliehen ; denn die Liebe geht ihren Entwickelungsgang , und da mußte es mir bald unerträglich werden , daß mein Äußeres und mein inneres Wesen schauerlich zerspalten war durch mein Verhältniß zu diesen beiden Männern . Was Eins war - getrennt ! was ewig Zwei blieb - verbunden ! Das ist ein Rechenexempel , bei dessen Lösung das Gehirn wirbeln kann ! - Nur frei sein ; danach schmachtete ich , wie nach Wasser in der Wüste . Nur frei sein ; das war das Angstgebet , welches ich zum Himmel emporschrie . Und Gott hörte mich . Wie ein Gefangener durch Erdbeben - so gewaltsam , so schauerlich wurde ich frei . » Andlau war eines Tags bei mir , und eben so traurig und niedergeschlagen als ich , mochten wir nicht sprechen und auch nicht unsrer Melancholie uns hingeben . Wir setzten uns an das Piano und spielten . Die Musik machte mich weich , Thränen entstürzten meinen Augen und als er mich zärtlich umschlang , lehnte ich die Stirn an seine Wange und weinte zum Sterben ! Da trat plötzlich Obernau mit seiner Schwester Crescenzie ein und rief mit knirschender Wuth : » Du hast Recht , Schwester ! « Dann stürzte er in sein Zimmer , holte zwei geladene Pistolen , welche stets im Schranke hingen , und begehrte , Andlau solle sich auf der Stelle mit ihm schießen . Dieser verweigerte es kalt . Obernau wurde immer rasender ; Andlau blieb ruhig , beschwor ihn mich zu schonen , kein Aufsehen zu machen , indessen ich wie eine Statue wort- , gedanken- , besinnungslos dastand , und nicht eher meine Fähigkeiten wiederfand , als bis ein Schuß fiel und Andlau zu meinen Füßen hinsank . Nun wußte ich , was ich zu thun hatte ! ich ließ anspannen , ihn in seine Wohnung schaffen , Aerzte rufen , ich begleitete ihn . Keinen Augenblick verlor ich in Unentschlossenheit , Verzweiflung , Zaghaftigkeit . Keinen Augenblick wich ich von seiner Seite . Obernau , die ganze Welt , waren nicht mehr für mich da . Ich gehörte dem an , der für mich litt , unschuldig und qualvoll litt . Ich weiß nichts aus jener Zeit , als daß ich ein Paar Wochen Tag und Nacht vor seinem Schmerzenslager saß und um sein Leben flehte . Obernau begehrte , ich solle zu ihm kommen , bald bittend , bald drohend ; seine Verwandten forderten dasselbe . Ich hatte nur eine Antwort : » Nie kehre ich in das Haus eines Mannes zurück , der sich und mich im Angesicht der ganzen Welt erniedrigt hat . « Unerschütterlich blieb ich dabei . Obernau wollte sich nicht scheiden lassen , sei es aus Haß oder aus Rache . Mir einerlei ! ich ging mit Andlau nach Nizza , seine verwundete Brust brauchte mildere Luft . Zwei Jahr lang kämpften meine Liebe , Sorgfalt und Pflege ihn dem Tode ab . Zwei Jahr lang war ich in steter zitternder Angst um ihn . Doch mitten in dieser Angst war ich glückselig - bei ihm , für ihn lebend , nichts von der Welt wissend , wünschend , verlangend . Meine Tante war kurz vor der Katastrophe gestorben , und hatte mir , der Frau eines reichen Mannes , nur das Pflichttheil , meiner Schwester das ganze Vermögen hinterlassen . Von meinem kleinen Erbe lebte ich damals wie ich jetzt lebe , einfach , schlicht , unabhängig , aber damals unsäglich froh durch den mir so neuen Genuß der Freiheit . Meine Liebe war nicht erkauft , ward nicht bezahlt ! ich fühlte mich weder gekränkt , noch erniedrigt , noch gedemüthigt ! in meiner Freiheit fühlte ich mich auf derselben Stufe stehend mit dem Mann , den ich so unaussprechlich verehrte , während ich mich durch meine Abhängigkeit tief unter dem Mann gefühlt hatte , den ich nicht achtete . Als Andlau endlich genesen , machten wir eine Reise durch Italien . Wie ging mir das Leben auf im Doppellicht der