eigentliche Wahrheit zu finden . In der Lüge und Heuchelei spricht der böse Geist ; aber in der Leidenschaft nicht immer der der Wahrheit . « » Und du könntest zögern « , sagte Bracciano , » da du mich liebst , ganz mein zu sein , ohne Rückhalt und Vorbehalt ? Du selber hättest diesen nächsten natürlichsten Wunsch nicht , wenn du mich liebst ? du könntest kalt und überweise es ansehn , wenn ich mich in Sehnsucht verzehre ? O du Angebetete , laß uns das Elend des Lebens ja nicht durch willkürliche Satzungen und Eigensinn , die sich Tugend nennen wollen , erhöhen . « » Du wirst mich verstehn , Geliebtester « , antwortete Vittoria . » Mein Herz , meine Seele , alles mein Wünschen ist dein ; wie kann es anders , wenn mein Eigensinn es auch selber wollte . Die unbedingte Hingebung ist in der Liebe alles , das habe ich erst erfahren , seit ich dich kenne . Inbrünstiger Wunsch , Wonne und Paradies ist mir mit dir jene Vereinigung , die ich sonst mit Grauen betrachtete - aber , ist denn nicht auch in der Liebe , auch ohne diese Vollendung , das höchste Glück ? Jeder Blick von dir ist meinem Herzen ein Gruß aus dem Himmel , jedes Wort eine Offenbarung , und jeder Druck der Hand eine selige Gemeinschaft der Geister . Wäre ich frei , Teuerster , ich käme deinem Wunsch entgegen , ja ich könnte mit mitleidigem Lächeln auf die Welt herniedersehn , wenn sie mich deine Buhlerin nennen wurde ; aber ich habe meiner Mutter , dem Kardinal und diesem Peretti mein heiliges Wort , mein feierliches Versprechen gegeben , niemals zu freveln , niemals diese Untreue und Schwachheit mir zuschulden kommen zu lassen . So wie die Sachen in der Welt stehn , muß ich dem guten , edlen Montalto mein Versprechen halten , ich darf ihn und meine Mutter nicht auf diese Weise kränken . Du glaubst nicht , von welcher Schmach uns Montalto durch seinen Edelmut , durch diese traurige Vermählung erlöst hat . Wäre ich frei und ungebunden , so wär ich dein . - Sieh , ich habe dir jetzt mit meiner Liebe auch die Wahrheit gegeben . « Bracciano schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn und ging unzufrieden im Saale auf und ab . » Ich Unglücklicher ! « rief er aus , » daß ich dich nicht früher habe kennen lernen ! du meine Gattin - welch Glück dem meinigen zu vergleichen ! O du Himmlische , was ist dir gegenüber die verächtliche Bianca Capello , die täuschende und heuchelnde Lügnerin , und doch ist sie jetzt die rechtmäßige Gemahlin des Fürsten ! So sehr ist dieser so schwache Francesco doch von der Gewalt der Liebe bezwungen worden . « » Und du könntest nicht glücklich sein « , fragte Vittoria furchtsam , » ohne diese Befriedigung ? « » Ja « , rief Bracciano , » glücklich und selig , mehr als einer , den ich kenne , und doch elend zugleich . Ja wohl ist die Zeit der mächtigste Gönner und Feind : damals , als du noch kein Wort gegeben , als du mir als freie , edle Jungfrau entgegentreten konntest , o warum lernt ich dich damals nicht kennen ? - Und nun ? - So flicht sich unser Schicksal zusammen , um uns zu erdrosseln , und die Leidenschaft wirft sich wütend und doch ohnmächtig in die Notwehr , und erliegt endlich im Kampf , oder siegt scheinbar durch Verzweiflung . Und dann - o dann ist das Leben nicht mehr jenes klare , reine Blatt , das der Jüngling in seinem Lebensbuche aufschlägt , um eine jugendliche Hymne begeistert hineinzuschreiben . « Er versank in ein tiefsinniges Hinbrüten , stand lange , das Haupt niedergesunken und blickte dann nach dem Garten und dem Abendhimmel : » Ha , Isabella ! « rief er plötzlich , » - du drohst , du mahnst - ja , du hast dich jetzt an mir gerächt , und mich gedemütigt . « Vittoria schrak zusammen , weil sie ihn zu verstehn glaubte . Ihr war , als wenn plötzlich eine tiefe schwarze Nacht in ihre Seele falle . Wo war in diesem Augenblick die Gegenwart und das Gefühl der Liebe , von dem sie noch eben begeistert war ? So kann zuweilen in uns die letzte Spur des Lebens verschwinden , und ein Grauen befällt uns , daß das , was uns als reiches mannigfaltiges Paradies erschien , nun , da die süße Täuschung verschwunden ist , als unübersehbare dürre Steppe vor uns liegt , ein Nichts dürrer Verzweiflung . Er stand jetzt vor ihr , und beide sahen sich mit einem Blicke an , der sich nicht beschreiben läßt . Auch selbst nach diesem Blicke konnten sie die Rede noch nicht wiederfinden . So fühlten ihre Seelen jenen sonderbaren Druck , der uns beängstigt , auch wenn Lüge , Unwahrheit , Heuchelei uns fern stehn : der furchtbare Tod schwingt dann seine Flügel durch unser ohnmächtiges Wesen und ermattetes Dasein . » Ich kenne deine Gedanken « , sagte er endlich , nachdem er wieder durch den Saal gegangen war , und sich dann niedergesetzt hatte , » aber sie war meiner ganz unwürdig , und selbst ihre Brüder haben kein Wort der Klage ausgesprochen . Und du standest hell und klar in jenem finstern Momente vor mir ; und auch ohne Vorwurf . « » Auch jenen Abend « , sagte sie jetzt , » an welchem der Schwatzende hier war , hat uns das Verhängnis gesendet . Das ist die große Frage des Lebens , wie sehr man sich den Schickungen widersetzen darf , wie man sie bezwingen kann . Daß du mir vorher Entsetzen erregtest , gehört auch als ein dunkles Bild in das Gedicht meiner Liebe und meines Lebens . « » Ach ! Vittoria « , klagte