ganz außer sich , und fast in derselben Stunde schon auf dem Wege nach Stirling-Bai . Die Zeit , die er im Reisewagen hatte , Alles noch ein Mal zu bedenken , klärte ihn zwar etwas mehr über seine bedingte Stellung gegen den jungen Grafen auf , konnte aber nicht hindern , daß er mit allen Zeichen der lebhaftesten Empfindlichkeit auf dem Schlosse anlangte . Hier fand er zuerst den Marquis de Souvré , der , nachdem er sich ihm zu erkennen gegeben hatte , ihm die beschämende Zusicherung gab , daß die Frau Marschallin selbst in Paris den veränderten Zustand ihres Sohnes gemerkt habe , von dem der Lord in der Nähe keine Ahnung bekommen . Er ließ sich dann von ihm , seiner Ansicht gemäß , das Geschehene ausführlich erzählen , und theilte die Verzweiflung des Marquis , zu spät angekommen zu sein , um eine so recht- und pflichtwidrige Handlung verhindern zu können . Wie lange jedoch Beide deliberirten - die Anwesenheit des jungen Grafen konnte erst ihre verschiedensten Pläne und Rathschläge zur Reife bringen , und der Lord mußte ihn zu einem Besuche auffordern lassen , so sehr er sich auch gegen ihn erzürnt fühlte . Unterdessen hatte der Marquis Zeit , den Lord zu sondiren , und obwol er in ihm den Mann sehr bald erkannte , der außer Stande war , mit seinem Verstande einen Einfluß auf Leonin auszuüben , fand er doch in seiner stolzen beleidigenden Haltung und seiner Ansicht über die Handlungen eines Minderjährigen , Stoff genug zur Benutzung für seinen augenblicklichen Zweck , den jungen Grafen in allen seinen Empfindungen zu verletzen und ihn aus der stolzen Sicherheit zu treiben , die dem Marquis unerträglich war an diesem gering geachteten Jünglinge . Zugleich fühlte er , daß der Lord ihm vollkommen vertraue , und er hoffte , ihn bei den ferneren Schritten leiten zu können . Der junge Graf dagegen empfing die Nachricht von der Ankunft des Schloßherrn mit lebhaftem Vergnügen . Er fühlte sich so im guten Rechte , so leicht und befriedigt durch Liebe und gutes Gewissen , daß er nach dem Schlosse eilte , bloß Beides darzuthun und dann seine Abreise anzusetzen . Schon die Dienerschaft , leicht die Umstimmungen ihrer Herrschaft errathend , empfing ihn mit bloß feierlicher Haltung , und als er in das Zimmer des Lords trat und ihn dort neben dem Marquis erblickte , - schallte ihm nicht der Ton der rauhen Lustigkeit entgegen , womit er sonst von ihm begrüßt ward , sondern man ließ ihn den Weg bis zu dem Platze , wo Beide saßen , ohne Beachtung zurücklegen , und kurz erhob sich dann der Lord , ihn zu begrüßen : » Euer Gnaden haben mir den Vorzug entzogen , Sie , wie bisher , als meinen Gast hier begrüßen zu können . Doch darf ich meine Gastfreundschaft Niemandem aufdrängen , wie ich eingesehen habe , denn wie bereit ich auch war , hierin die Wünsche Ihrer Frau Mutter zu erfüllen , ich konnte mir das Recht nur durch einige Höflichkeiten bei Ihnen erwerben , die jedoch sich unzureichend erwiesen haben . « » Mein theurer Lord , « lächelte Crecy , völlig harmlos - » es kann Euch mit diesen Worten nicht Ernst sein ; die Umstände , denke ich , rechtfertigen so vollständig diesen Umzug , daß es gar keiner Erklärung meinerseits bedarf , eben so , wie Sie mir glauben müssen , daß ich Ihnen aufs Innigste dankbar bin und den Aufenthalt bei Ihnen zu den größten Segnungen meines Lebens rechnen werde . « » Und ich , junger Mann , « schrie hier Lord Gersey , durch Leonin ' s Ruhe um alle Haltung gebracht , » ich werde diesen Aufenthalt wegen seiner heillosen Folgen für das fluchwürdigste Ereigniß meines Lebens halten , und nun mögt Ihr selbst danach urtheilen , was ich von dem wahnsinnigen Schritte denke , den Ihr Eure Vermählung nennt ! « Er wollte bei diesen Worten aus dem Zimmer stürzen , seine eigene Aufregung befürchtend , aber dem Marquis war dieser Anfang um so weniger gelegen , wenn er zugleich das Ende sein sollte ; er eilte ihm nach und hielt ihn an der Thür mit dringenden Bitten zurück . » Laßt mich , laßt mich , Marquis ! « rief der Lord , indem er zögernd widerstand , - » ich tauge nicht dazu , hier die Beichte der jugendlichen Tollheit zu hören , und bringe mit so viel Unwillen im Herzen die Sache nicht zu Stande . « - » Und doch bedenkt , Mylord , Ihr seid es Eurer Freundin , der Frau Marschallin , die Euch ganz vertraute , schuldig , liebevoll , väterlich dem jungen Manne beizustehen . Denkt , wie seine Jugend ihm das Wort um Milde und Nachsicht spricht . « - Er führte den grollenden alten Lord zurück , und es entstand eine ungefällige Pause unter den Dreien , weil Zwei sich im vollkommen gleichen Rechte des Zürnens wähnten , und der Dritte sich die listige Zurückhaltung zu sichern trachtete , die nur , was jene veranlaßten , ohne Nachtheil benutzen wollte . Dessen ungeachtet mußte dieser Dritte mit der Sprache zuerst heraus , denn hochroth vor Zorn blickte der Lord finster zur Erde , und ihm gegenüber hatte Crecy die kalte Haltung des Beleidigten angenommen , der das Entgegenkommen des Andern glaubt erwarten zu müssen . » Ihr seht , Herr Graf , « wandte er sich gegen Crecy , » wie ich nicht der Einzige bin , der in abweichender Meinung von der Eurigen diese Sache ansieht , und Ihr dürft es nicht zurückweisen , einen alten Freund Eurer Frau Mutter darüber zu hören . « » Dies zu thun , kam ich hieher « , erwiederte Crecy - » und wahrlich , mit aller Achtung , die ich Sr. Herrlichkeit schuldig bin , war ich gesonnen , sowol meine Verhältnisse offen darzulegen , als den Rath des Verständigen zu hören ;