das Klopfen nicht verfangen wollte , mit den Worten : » Wenn alles bei der Maulsperre vergebens ist , so hilft das ! « aus Leibeskräften eine Ohrfeige . Alsobald flogen die Kinnbacken des entsetzten Mannes zusammen wie Torflügel , er wischte sich die Tränen aus den Augen und sagte zu seiner Frau : » Ich danke dir , Gertrud , für diese Backpfeife , durch welche du mich von schweren Leiden kuriert hast . « Und zum Diakonus sich wendend : » Ja , Herr Diakonus , ein wütender , ein toller Hund ! Schweif eingeklemmt , rote und dabei triefende Augen , Schaum vor der Schnauze , blaue Zunge , heraushängend , taumelnder Gang , kurz alle Kennzeichen der wasserscheuen Wut ! « » Um Gottes willen , wo hat er Euch gebissen ? « rief der Diakonus erblassend . » Nirgend , mein Herr Diakonus « , versetzte der Küster feierlich , » nirgend ; dem Allmächtigen sei Dank dafür . Aber wie leichtlich hätte er mich beißen können . Ich habe das Ungeheuer , wie andere einen grimmen Wolf durch Geigenspiel in die Flucht schlugen , durch den Ton meiner Stimme , die mir Gott gegeben , verscheuchet und verjaget , als es eben im Anspringen auf mich begriffen war . Er stutzete und schwang sich seitswärts die Wallhecke hinauf . Mir aber blieben von der übermenschlichen Anstrengung jenes heilsamen Angstrufes die Kinnbacken in der Maulsperre verfangen und verfestiget , bis meine gute Ehefrau , wie Sie gesehen , mir die wirksame Backpfeife verordnete . Das ist ein Zinstag , an welchen ich gedenken werde ! « Der Diakonus und der Jäger hatten Mühe , ein Lachen zu verbeißen . Die Magd sagte , sie glaube nicht , daß der Hund toll gewesen sei , er möge wohl nur seinen Herrn verloren gehabt haben , in welchem Falle die Kreaturen sich immer sehr ungebärdig anstellten . Wirklich sah man den Hund in einiger Entfernung auf einem Feldwege ruhig und schweifwedelnd hinter einem Packenträger hergehen . Der Küster , dem diese Bemerkung mitgeteilt wurde , ließ sich nicht aus der Fassung bringen , sondern sprach ernsthaft : » Wie leichtlich hätte der Hund toll sein können ! « Der Diakonus ließ ihn und sein Fuhrwerk sich wieder in Bewegung setzen und trennte sich an dieser Stelle von dem Jäger , da , wie er sagte , ihr Gespräch doch gestört sei , und der Kolonus es ihm verdenken werde , wenn er dessen Gesellschaft auf dem ganzen Heimwege meide . Bei dem Abschiede mußte der junge Schwabe seinem Bekannten das Versprechen geben , ihn auf einige Tage in der Stadt zu besuchen . Darauf gingen sie nach verschiedenen Richtungen auseinander . Eilftes Kapitel Die fremde Blume und das schöne Mädchen . Die Gelehrte Gesellschaft Die Sonne stand noch hoch am Himmel , und dem Jäger war es nicht gelegen , so früh in den Oberhof zurückzukehren . Er trat auf eine der höchsten Wallhecken , sah sich in der Gegend um und meinte , daß er eine Hügelgruppe , welche in geringer Entfernung ihre buschichten Häupter erhob , wohl noch durchstreifen und doch vor spät abends wieder in seinem Quartiere sein könne . Das Wiederfinden des Diakonus und sein Gespräch hatte manche Erinnerungen der früheren Zeiten in ihm aufgeweckt ; er war unruhig und sehnte sich in dieser Stimmung nach Pfaden , die er noch nicht betreten , nach Bergen und Bäumen , an deren Anblick er sich noch nicht gewöhnt hatte . Tief , tief seine heiße Seele in das kühle Waldesdunkel , in den feuchten Dunst bemooster Felsen , in den begeisteten Schaum springender Quellen zu tauchen , danach lechzte er ; danach schmachtete er aus der brütenden Wärme der Kornfelder . Der Anblick des Diakonus hatte ihm wohl und wehe gemacht ; ihre erste Bekanntschaft war durch die unerschrockene Gymnastik des Geistes , in welcher die Jugend ihre ersten überschwellenden Kräfte zu tummeln liebt , bezeichnet gewesen . Jener , älter , und wie erwähnt worden , schon Führer eines jungen vornehmen Schweden , hatte sich dennoch als ein immer fertiger Disputant und Opponent zu den Studenten gehalten , und manche Stunde der Mitternacht war dem Jäger mit ihm in eifrigem Kämpfen und Ringen vergangen . - » Ja « , rief er , indem er immer fürbaß den Hügeln zuschritt , » du , mein deutsches Vaterland , bleibst doch der ewig geweihte Herd , die Geburtsstätte des heiligen Feuers ! Überall , auf jedem Fleckchen in dir wird dem Dienste des Unsichtbaren geopfert , und der Deutsche ist ein Abraham , der dem Herrn den Altar baut allerwege , wo er auch nur die Nacht über gerastet hat . « - Er gedachte der Reden seines Bekannten und der Situation , in welcher sie vorgefallen waren . - » Das wird auch anderwärts nicht vorkommen , daß ein armer Pastor , hinter seiner Hühnerkarre herschreitend , sich an der unsterblichen Idee der Nation begeistert « , sagte er . » Lächerlich und erhaben ! Lächerlich , weil das Erhabene auch durch das Ärmlichste und Kleinste bei uns hindurchsieht und die Formen des Geringen siegreich zerbricht ! Wie reich bist du , mein Vaterland ! « Sein Fuß betrat frisches , feuchtes Wiesengrün , besäumt von Büschen , unter denen ein klares Wasser rann . Dieser vollen , gesunden , jungen Seele taten noch symbolische Handlungen not , sich und ihrem Drange zu genügen . In kurzer Entfernung zeigten sich kleine Felsen , über die ein schmales , schlüpfriges Pfädchen lief . Er ging hinüber , klomm zwischen den Klippen nieder , streifte den Ärmel auf , ritzte das Fleisch seines Armes und ließ das Blut in das Wasser rinnen , indem er ein stilles , frommes Gelübde ohne Worte sprach . Er legte den Arm in das Wasser , die Flut kühlte ihm mit anmutigem Schauder das heiße Blut ab . So , halb knieend , halb sitzend an dem feuchten ,