und widersprechend es auch erscheinen möge , erwiederte Graf Archimbald , so glaubt dennoch Graf Bristol , daß grade der Prinz in seinem Innern am entschiedensten gegen diese Verbindung ist , daß seine Reise sowol , wie seine Versöhnung mit Buckingham das letzte Mittel war , um eine Störung in diese Angelegenheit zu bringen , ohne durch eine offene Weigerung den König , seinen Vater , zu beleidigen . Der Graf konnte während der ganzen Zeit seiner Anwesenheit den Prinzen zu keiner offenen Erklärung über eine Sache bringen , die ihn doch allein dorthin geführt zu haben schien . Er erzählte dem Grafen unaufhörlich , wie es ihn überrascht habe , in Spanien , das jüngst noch gegen England entbrannt war , bei seiner plötzlichen Ankunft , auf die das Land von Hofe aus unmöglich vorbereitet sein konnte , auf kein Hinderniß oder irgend eine Beleidigung gestoßen zu sein . Es glich dies Erstaunen fast einer getäuschten Erwartung . Ebenso war , bei der übrigen Kälte des Prinzen , sein Verlangen , um jeden Preis die Infantin allein zu sprechen , so dringend , von Buckingham so unschicklich heftig unterstützt , daß man eine geheime , damit verknüpfte Absicht dahinter hätte ahnen mögen ; und Graf Bristol wußte es der unüberwindlichen Etikette Dank , daß sie die Sache unmöglich machte . Eben so wenig suchte der Prinz den Zügellosigkeiten Buckinghams entgegen zu treten . Er theilte sie zwar nicht , aber es fiel ihm doch unläugbar zur Last , daß die nächste Person seines Gefolges , und die einzige von Range überhaupt , unter seinen Augen dergleichen wagen durfte . Vergeblich aber war des Grafen Bitte , wenigstens den Herzog von Olivarez zu versöhnen , gegen den der Prinz ein höchst unzeitig beleidigtes Wesen annahm , und diesen stolzen Mann , den des Grafen Bristol unendliche Klugheit uns eben erst gewonnen , zum unversöhnlichsten Feinde umschuf . Der Courier , den der Graf mir mit diesen Andeutungen gesendet , übereilt den Prinzen um einige Tage , da der despotische Wille Buckinghams den Prinzen durch Frankreich wieder zurückführt , als ob er die Höfe Europa ' s , denen es am vortheilhaftesten scheinen könnte , eine so wichtige Person , als den Thronerben von England , bei sich fest zu halten , diese Probe ihrer völkerrechtlichen Tugend zu seiner eigenen Belustigung bestehen lassen wolle . Jedenfalls bewahren wir der Nachwelt eine seltene Probe unserer Klugheit auf , und einer Lächerlichkeit des Betragens , die uns um ein Jahrhundert vor Elisabeth zurückversetzt , deren Nachfolger zu sein , wir uns doch rühmen wollen . Der Graf hielt hier inne , er besaß nicht die Pedanterie politischer Geheimnißkrämerei , und am wenigsten vor einer Frau , die ihm eben Proben ihrer Selbstbeherrschung gegeben . Aber er fühlte selbst ein gewisses Unbehagen , die Handlungen ins Licht treten zu lassen , die seinem Altenglischen Herzen so kränkend waren . Er mußte indeß der sehr dadurch beschäftigten Herzogin noch Rede stehen , die nun zu wissen wünschte , ob man ihrem Gemahl dieselbe Ansicht mit Buckingham und dem Prinzen beimessen könne . Wir können nur Thatsachen an einander stellen , erwiederte Graf Archimbald . So viel dürfte für uns Gewißheit sein , daß der Prinz die Veranlassung zur Reise meines Bruders ward , welches eine ähnliche Absicht anzudeuten scheint , wie der Prinz später so dringend verfolgte . Ebenso scheint die letzte Zeit , wo er sich noch äußern konnte , eine Beziehung zu den Angelegenheiten des Prinzen hinlänglich zu verrathen , wozu ich rechne , daß er sich gegen Graf Bristol über den Prinzen ausweichend äußerte , und daß sein Bestreben gleichfalls darauf ausging , die Infantin allein zu sprechen . Unmittelbar nach der Nachricht von dem Tode des Herzogs trat dann die Versöhnung mit Buckingham und die Reise des Prinzen ein . So scheint es , daß der Prinz , als der Herzog nicht vollziehen konnte , was er von ihm gehofft , eines andern Vertrauen bedurfte , der ihn dann zur eignen Ausführung antrieb . Doch werdet Ihr selbst einsehen , daß wir hier nur unbestimmte Muthmaßungen haben , eine aus der andern geleitet , aber sämmtlich des Hauptanhalts entbehrend , der Kunde vom unbegreiflichen Zweck aller dieser Anstrengungen ! - O Gott ! seufzte hier die Herzogin schmerzlich auf , so wäre also das Glück meines Lebens dennoch an dem Willen des Prinzen zertrümmert , der stets als ein finsterer Geist neben dem Lichtbilde meines Gemahls stand , und mit dem ich das Recht des Besitzes zu theilen stets gewärtig sein mußte . Wir wollen denken , Graf Archimbald , fuhr sie fort , indem sie sich fast geisterhaft bleich von ihrem Sessel erhob , daß in Gottes Hand der letzte Augenblick des Menschen ruht , und ich sage mir , daß dies geliebte Wesen reif war , hinüber zu gehen , und hier im Schooße der Seinigen so sicher ereilt worden wäre , wie unter den Beschwerden und Sorgen dieser Reise . Dennoch mag vielleicht stolzes Ueberbieten geistiger und physischer Kräfte schneller den Augenblick herbei führen können , den Gott ohne solche menschliche Verschuldung noch entfernter gestellt haben würde , und vielleicht war das der Fall auch hier . Mylord , o begreift es , wie schwer bei diesen Gedanken mir die Ergebung wird , wie der Gram die schreckliche Zugabe des Vorwurfs gegen die Verschulder desselben erhält ! Geht hierin nicht zu weit , Mylady , sagte der Graf Archimbald milde , laßt den Gedanken vorwalten , daß Gottes Hand hier lenkte und bestimmte , und machet den Dienst der Freundschaft , der wol ohne Vorahnung dieser Folgen gefordert und gewährt werden konnte , den Beiden nicht zum Vorwurf , die stets ein wahrhaft schönes Bild dieser reinen Empfindung darstellten . Es sei so , sagte die Herzogin sich empor ringend , und es mag Zeit sein , den Gedanken ihr Ziel zu setzen , die mich ergreifen wollen über den geheimnißvollen Einfluß , den dieser Freund meines Gemahls