ein Madonnen-Tag , Freund ! O denke Dir , ein Madonnen-Tag ! Mariä Himmelfahrt war es , und auf den Straßen in München , die sonst so menschenleer erscheinen , sah man ein reges und bewegliches Treiben geputzter , fröhlicher und spazierengehender Leute . Die Sonne schien in hellen blitzenden Strahlen über Häuser und Wege , die ganze Bevölkerung war in einer freudigen Erregung auf den Füßen . Dieser Tag wird in hiesigen Gegenden mit besonderen Volkslustbarkeiten gefeiert . Auch ich hatte mich , zu einer stillern Feier , festlich geschmückt . Wie eine Braut , hatte ich mir ein ganz weißes Kleid angelegt und einen schlichten weißen Schleier in das Haar geflochten . Ich fuhr mit meinen Verwandten nach der protestantischen Kirche vor dem Karlsthor . Ein kleines , schönes Madonnenbild , das ich noch bis jetzt in einem goldenen Medaillon nur als Schmuck getragen , hatte ich an demselben Morgen abgelegt , aber mit einem Kuß . Jetzt überfiel mich ein tiefes Zagen , als ich vor der Kirche ausstieg , und doch brach zugleich eine geheime Freude in mir los . Mit bewegter Seele betrachtete ich das dem freien Glauben geheiligte Gebäude , dessen anspruchslose , freundlich zuwinkende Bauart zugleich den edelsten Gesetzen der Kunst genügte . Das Mädchen , das ihr neues Bekenntniß an dieser heiligen Stätte ablegen wollte , stand vor dem Altar . Ein großer , tiefer Ernst schien es ihr mit ihrem Vorhaben , und nachdem sie die erste Schüchternheit und Scheu überwunden , sich als den Gegenstand der rings um sie versammelten Menge zu sehn , blickte sie mit ruhigem Bewußtsein und hellen , klaren Augen um sich her . Sie betrachtete mit besonderer Freude den Ort , an dem sie sich befand , die Räume , die in ihrer hehren Stille , in ihrer schmucklosen Weihe das trostbedürftige Kind so freundlich umgaben . O wie wohlthuend sind die hellen Räume einer protestantischen Kirche für ein nach Klarheit sich sehnendes Gefühl , das bisher in den Dämmerschauern katholischer Kapellen und vor der unverständlichen Sprache des Hochamts sich seiner eigenen Andacht nie ohne eine peinigende Bangigkeit bewußt werden konnte ! Wie drückt schon die erhabene , edle Einfachheit dieser Wölbungen , Bögen und Mauern den Charakter eines Gottesdienstes aus , in dein nicht die Phantasie , sondern das Wort in der Andacht gepflegt werden soll , das die Seele befreiende , lösende , erweckende , verständigende Wort ! Die protestantischen Kirchen sind die Kirchen des Wortes , des Wortes Gottes ! Wie kann man Gott besser dienen , als durch das Wort , da Gott das Wort ist ! Und der ehrwürdige , wohlsprechende Geistliche erhob seine Stimme , die in schöner Vernehmlichkeit die Halle durchtönte , und die ganze versammelte Gemeinde lauschte in geräuschloser Aufmerksamkeit dem rührenden , gehaltvollen Sinn seiner Predigt . Es war eine heilige Stille in der Kirche , daß man jeden Athemzug , jeden aufsteigenden Seufzer ringsum hören konnte . Jetzt aber beugte das Mädchen , längst dieses wichtigen Augenblicks harrend , ihre Knie auf die Stufe des Altars nieder , um ihr Bekenntniß zu sprechen - - Doch , wozu , wozu , Freund , kleide ich die schönsten Gefühle meines Lebens , aus Furcht , daß sie Dir zu weich erscheinen möchten , in das Bild einer fremden Scene ? Brauche ich es Dir noch zu sagen : dies Mädchen war ich ! - - - Maria . Fußnoten 1 Bruchstücke aus einem Originalbriefe . Nachwort zu dem ganzen Buche . Die allverbreitete Gewohnheit , schlechte Vorreden zu schreiben , mag auch die schlechte Nachrede entschuldigen , die ich nun noch zuguterletzt diesem Buche , als einem Buche , zu halten habe . Indem ich die gute Nachrede billigerweise der Welt überlasse , behalte ich mir , als redlicher Herausgeber , bloß die schlechte vor , und hoffe , daß diese Bescheidenheit Jedermann rühren wird . Das Schlechteste aber , was ich diesem Buche vor Allem nachreden kann , ist , daß es durchaus unvollendet erscheint , und daß Niemand daraus klug werden wird , der erst aus Büchern klug werden will . Wie kann es auch anders sein ? Der Verfasser , ein vagabundirender deutscher Schriftsteller , ( - und was soll die heimathlose deutsche Literatur Besseres thun , als vagabundiren ? - ) hat diese Skizzen , soweit sie von ihm herrühren , sammt und sonders in Wirthshäusern geschrieben , einige auf einem rippenbrechenden Postwagen sich ausgedacht , andere in Wind und Wetter auf der Landstraße geträumt . Sollte aus solchem von der Luft dieser Zeit selbst zusammengeblasenen Stoff Das , was man im gemeinen Leben ein Buch nennt , werden , so mochte es eines sein , das alle ästhetisch frommen Kunstrichter in Ansehung von Gattung , Form und Art , unter die sie es klassifiziren könnten , zum Teufel wünschen müssen . Und ich bete nur zu Gott - denn auch die armen Bücher dieser Welt haben ihren lieben Gott , der ihrer waltet - daß nicht noch andere fromme Richter , als bloß die ästhetisch frommen Kunstrichter , zu einer Ueberantwortung an den leidigen Teufel das von mir in bester Absicht Herausgegebene verurtheilen möchten . Der Teufel ist zwar heutzutage nicht mehr fürchterlich , nachdem ihm die moderne Gesellschaft ( sonderbar , daß ich , aus bloßer Zerstreuung der Feder , statt moderne immer schreiben möchte modernde ! ) feine Sitten beigebracht , nachdem ihn die Justemilieu-Regierungen zu einem Staatskünstler ausgebildet , nachdem ihn die Philosophen in ein System gepackt , und die Poeten , seine Dutzbrüder , eine sogenannte neue Poesie aus ihm abgeleitet haben . Aber , aufrichtig gestanden , ich möchte doch lieber bloß gegen die militairfromm gerittene Aesthetik des literarisch deutschen ancien régime , an dem alle guten Köpfe dieser Zeit längst das Köpfen verdient hätten , angesündigt haben , als gegen den Frieden jener guten Seele , die bisher an dem Glück der Ueberlieferung traulich festgehalten und durch die hergebrachten Formen in Staat , Kirche ,