. Voriges Jahr hab ich ' s im Vorüberreisen wieder besucht . Meine Nonne war Priorin geworden , sie führte mich in ihren Garten , - sie mußte an einer Krücke gehen , sie war lahm geworden , - ihr Myrtenbaum stand in voller Blüte . Sie fragte mich , ob ich ihn noch kenne ; er war sehr gewachsen ; umher standen Feigenbäume mit reifen Früchten und großen Nelken , sie brach ab , was blühte , und was reif war , und schenkte mir alles , nur der Myrte schonte sie ; das wußte ich auch schon im voraus . Den Strauß befestigte ich im Reisewagen ; ich war wieder einmal so glücklich , ich betete , wie ich im Kloster gebetet hatte ; ja selig sein macht beten ! Siehst Du , das war ein Umweg und etwas von meiner Weisheit ; sie kann sich freilich der Weltweisheit , die zwischen Dir und Deiner amie Staël obwaltet , nicht begreiflich machen ; - aber das kann ich Dir sagen : ich habe schon viele große Werke gesehen von zähem Inhalt in schweinsledernem Einband ; ich habe Gelehrte brummen hören , und ich habe immer gedacht , eine einzige Blume müsse all dies beschämen , und ein einziger Maikäfer müsse durch einen Schneller , den er einem Philosophen an die Nase gibt , sein ganzes System umpurzeln . Pax tecum ! Wir wollen ' s einander verzeihen , ich , daß Du einen Herzens- und Geistesbund mit der Staél geschlossen hast , worüber , der Prophezeiung Deiner Mutter nach , ganz Deutschland und Frankreich die Augen aufreißen wird , denn es wird doch nichts draus : - und Du , daß ich so aberwitzig bin , alles besser wissen und mehr als alle Dir gelten zu wollen , denn das gefällt Dir . - Heute geh ich noch einmal auf den Rochusberg ; ich will sehen , was die Bienen machen im Beichtstuhl , ich nehme allerlei Pflanzen mit , die in Scherben eingesetzt sind , und auch einen Rebstock ; die grab ich dort oben ein ; die Rebe soll am Kreuz hinaufwachsen ; in dessen Schutz ich eine so schöne Nacht verschlafen habe ; am Beichtstuhl pflanz ich Kaiserkronen und Jelängerjelieber , Deiner Mutter zu Ehren ; - vielleicht , wenn mir ' s ums Herz ist , beicht ich Dir da oben , da ich zum letztenmal dort sein werde ; um doch den Ablaß des Primas in Wirkung zu setzen ; aber ich glaube wohl , ich habe nichts Verborgnes mehr in mir ; Du siehst in mich hinein , und außer dem ist nichts in mir zu finden . Den gestrigen Tag wollen wir zum Schluß noch hierher malen , denn er war schön . Wir gingen mit einem irreführenden Wegweiser durch eine Talschlucht einen Fluß entlang , den man die Wisper nennt , wahrscheinlich wegen dem Rauschen des Wassers , das über laute platte Felssteine sich windet und in den Lücken schäumt und flüstert . Auf beiden Seiten gehen hohe Felsen her , auf denen zerfallene Burgen stehen , mit alten Eichen umwachsen . Das Tal wird endlich so enge , daß man genötigt ist , im Fluß zu gehen . Da kann man nicht besser tun , als barfuß und etwas hochgeschürzt von Stein zu Stein zu springen , bald hüben , bald drüben am Ufer sich forthelfen . Es wird immer enger und enger hoch über uns ; die Felsen und Berge umklammern sich endlich ; die Sonne kann nur noch die Hälfte der Berge beleuchten ; die schwarzen Schlagschatten der übergebogenen Felsstücke durchschneiden ihre Strahlen ; aus der Wisper , die kein ganz unbedeutender Fluß ist - sie rauscht mit ziemlicher Gewalt - stehen erhöhte Felsplatten wie harte , kalte Heiligenbetten hervor . Ich legte mich auf eins , um ein wenig auszuruhen ; ich lag mit dem glühenden Gesicht auf dem feuchten Stein ; das stürzende Wasser beregnete mich fein , die Sonnenstrahlen kamen sans rime et raison quer durch die Felsschichten , um mich und mein Bett zu vergolden ; über mir war Finsternis ; meinen Strohhut , den ich schon längst mit Naturmerkwürdigkeiten angefüllt hatte , ließ ich schwimmen , um die Wurzeln der Pflanzen zu tränken ; - wie wir weiterkamen , drängten die Berge sich nesterweise aneinander , die nur dann und wann von schroffen Felsen geschieden wurden . Ich wär gar zu gern hinaufgeklettert , um zu sehen , wo man war ; es war zu schroff , die Zeit erlaubte es nicht , dem gescheuten Wegweiser waren alle Sorgen auf dem Gesichte gemalt ; er versicherte jedoch , daß er keine im Herzen hege ; es wurde kühl in unserer engen Schlucht ; so kühl war mir ' s auch innerlich ; wir trippelten immer vorwärts . Das Ziel unserer Reise war ein Sauerbrunnen hinter Weißenthurn , der in einer wüsten Wildnis liegt . Wir hatten alle Umwege der Wisper gemacht ; der kluge Wegweiser dachte , wenn wir uns von der nicht entfernten , müßten wir endlich das Ziel erreichen , da die Wisper an dem Brunnen vorüberführt , und so hatte er uns auf einen Weg geführt , der wohl selten von Menschen betreten wird . Da wir dort ankamen , erleichterte er seine Brust durch ein Heer von Seufzern . Ich glaub , der fürchtete sich nicht allein vor dem Teufel , sondern vor Gott und allen Heiligen , daß sie ihn würden zur Rechenschaft ziehen , weil er uns ins Verderben gestürzt habe ; - kaum waren wir angekommen , so schlug die Kuckucksuhr in der einsamen Hütte bei dem Brunnen und mahnte an den Rückweg . Es war acht Uhr ! Zu essen war nichts , auch kein Brot , nur Salat mit Salz ohne Essig und Öl . Eine Frau mit zwei Kindern wohnte da ; ich frug , von was sie lebe ; sie deutete mir in die Ferne auf den Backofen , der zwischen