in die oberen Teile des Hauses , und auch dort waren kriegerische Verteidigungen nicht vergessen ; denn auf dem Vorplatz der zu den Zimmern führte , wo in anderen Wohnungen häusliche Gerätschaften aufgestellt sind , waren hier furchtbare Doppelhaken und Kisten mit Stückkugeln aufgepflanzt . Das Auge des alten Ritters ruhte mit einem gewissen Ausdruck von Stolz auf diesem sonderbaren Hausrat , und in der Tat konnten diese Geschütze damals für ein Zeichen von Wohlhabenheit und selbst Reichtum gelten , denn nicht jeder Privatmann war imstande , seine Burg mit vier oder sechs solchen Stücken zu versehen . Von hier ging es noch einmal aufwärts in den zweiten Stock , wo ein überaus schöner Saal , ringsum mit hellen Fenstern , den Ritter von Lichtenstein und seinen Gast aufnahm . Der Hausherr gab einem Diener , der ihnen gefolgt war , mehr durch Zeichen als Worte einige Befehle , die ihn aus dem Saale entfernten.31 VIII -Und der Graf , gerührt von solches Hohen Opfers hohem Geiste Bei der Freude süßer Regung , Kann der Freundschaft mildem Taue Der durchs Herz ihm , der durchs Auge Schon ihm schleicht , nicht widerstehen . P. Conz Als die beiden Männer in dem weiten Saale von Lichtenstein allein waren , trat der Alte dicht vor Georg hin , und schaute ihn an , als messe er prüfend seine Züge . Ein Strahl von Begeisterung und Freude drang aus seinen Augen , die Melancholie seiner Stirne war verschwunden , er war heiter , fröhlich sogar , wie der Vater , der einen Sohn empfängt , der von langen Reisen zurückkehrt . Endlich stahl sich eine Träne aus seinem glänzenden Auge , aber es war eine Träne der Freude , denn er zog den überraschten Jüngling an sein Herz . » Ich pflege nicht weich zu sein « , sprach er nach dieser feierlichen Umarmung zu Georg , » aber solche Augenblicke überwinden die Natur , denn sie sind selten . Darf ich denn wirklich meinen alten Augen trauen ? trügen die Züge dieses Briefes nicht ? ist dieses Siegel echt und darf ich ihm glauben ? doch - was zweifle ich ! hat nicht die Natur Euch ihr Siegel auf die freie Stirne gedrückt ? sind die Züge nicht echt , die sie auf den offenen Brief Eures Gesichtes geschrieben ? nein , Ihr könnet nicht täuschen - die Sache meines unglücklichen Herrn hat einen Freund gefunden ! « » Wenn Ihr die Sache des vertriebenen Herzogs meinet , so habt Ihr recht gesehen , sie hat einen warmen Anhänger gefunden . Der Ruf bezeichnete mir längst den Herrn von Lichtenstein , als einen treuen Freund des Herzogs , und ich wäre vielleicht auch ohne den Rat jenes unglücklichen Mannes , der mich zu Euch schickte , gekommen , Euch zu besuchen . « » Setzet Euch zu mir , junger Freund « , sagte der Alte , dessen Augen immer noch mit Liebe auf dem Jüngling zu ruhen schienen ; » setzet Euch hier und höret was ich sage . Ich liebe es sonst nicht , wenn die Leute ihre Farbe ändern , ich habe in meinem langen Leben gelernt , daß man die Überzeugung eines jeden ehren müsse , und daß ein Mann , wenn er nur sonst reine Absichten hat , nicht gerade deswegen zu verdammen sei , weil er anderer Meinung ist , als wir . Aber wenn man seine Farbe mit so uneigennützigen Absichten ändert wie Ihr , Georg von Sturmfeder , wenn man dem Glück den Rücken kehrt , um sich an das Unglück anzuschließen , da hat die Änderung großen Wert , denn sie trägt das Gepräge einer edlen Tat an der Stirne . « Georg errötete über sich selbst , als er hörte , wie der Lichtensteiner seine uneigennützigen Absichten pries . War es denn nicht auch die schöne Tochter , was ihn zu der Fahne des Vaters führte ? Und mußte er nicht in der Achtung dieses Mannes sinken , wenn über kurz oder lange dieses Motiv seines Übertrittes ans Licht kam ? » Ihr seid zu gütig « , antwortete er ; » die Absichten eines Menschen liegen oft tiefer verborgen , als man auf den ersten Anblick glaubt ; seid versichert , daß mein Übertritt zu Eurer Sache zwar zum Teil von dem empörten Gefühl des Rechtes geleitet wurde ; doch könnte es auch einen irdischeren Beweggrund geben , Herr Ritter ; und ich möchte nicht , daß Ihr mich für zu gut hieltet , es würde mir um so weher tun , wenn Ihr nachher ungünstiger von mir urteiltet . « » Ich liebe Euch um dieser Offenheit willen nur noch mehr « , entgegnete der Herr des Schlosses , und drückte seinem Gast die Hand . » Doch traue ich meiner Erfahrung und meiner Kenntnis der Gesichter , und von Euch will ich kühn behaupten , daß , wenn Euch auch noch eine andere Absicht leitet , als das Gefühl des Rechtes , diese Absicht doch keine schlechte sein kann . Wer Schlechtes im Schilde führt , ist feig , und wer feig ist , wagt es nicht , den Truchseß , den Herzog von Bayern und den Schwäbischen Bund vor den Kopf zu stoßen und so aufzutreten , wie Ihr aufgetreten seid . « » Was wisset Ihr von mir « , rief Georg mit freudigem Erstaunen ; » habt Ihr denn je von mir gehört vor diesem Augenblick ? « Der Diener , welcher bei diesen Worten die Türe öffnete , unterbrach die Antwort des alten Herrn ; er setzte Wildbret und volle Becher vor Georg hin , und schickte sich an , den Gast zu bedienen . Doch ein Wink seines Herrn entfernte ihn aufs neue . » Verschmähet diesen Morgenimbiß nicht « , sagte er zu dem jungen Mann ; » den ersten Becher sollte zwar die Hausfrau kredenzen , wie es die angenehme Sitte heischt ; aber die meinige ist schon lange tot , und