es sich wohl denken . Ich opfre keine Hoffnungen , denn ich hatte keine , kein Glück der Zukunft , denn mir blüht keins , als in der Liebe meiner Freunde , und die bleibt mir . Für die Freiheit weniger Jahre gewinne ich meines Vaters Ruhe , seinen Segen , und Frieden mit mir selbst . Es werden der Jahre sehr wenige seyn , mir sagt es mein ahnendes Herz , und warum sollte ich um so hohen Preis mit einer Hand voll Tage noch geizen ! « Die Thüre öffnete sich , Moritz von Aarheim trat herein . Gabriele zuckte bei seinem Anblick krampfhaft zusammen , doch erholte sie bald sich wieder , und ging , gestützt auf ihre Dalling , ihm einige Schritte entgegen . » Haben Sie den Wunsch meines Vaters erfüllt ? « fragte sie leise und zitternd . » Ich habe es . In allen Formen , wie er es verlangte , habe ich gerichtlich mich und meine Nachkommen auf ewige Zeiten verbindlich gemacht , keinen Stein in Schloß Aarheim zu verrücken , weder zu bauen noch einzureißen , « erwiederte Moritz in ungewohnter Kürze , denn innre Bewegung und Gabrielens überirdischer Anblick hemmten den gewohnten Fluß seiner Rede . » Wollen Sie auch mir eine Bitte gewähren ? « fragte Gabriele . Moritz antwortete schweigend mit einer bejahenden Verbeugung . » Nun so versprechen Sie mir , mich nie von meinem Vater zu trennen , solange mir Gott sein Leben erhält , « bat Gabriele , mit unendlich weicher rührender Stimme und Geberde . » Ich verheiße es Ihnen , « erwiederte Moritz , » gewähren Sie mir dagegen die Versicherung , daß Sie freiwillig und ohne Zwang mir die Hand reichen . « » Freiwillig , ohne Zwang , « wiederholte Gabriele kaum hörbar . » Der Baron erwartet uns , « sprach Moritz ebenfalls sehr leise . Gabriele wankte , indem sie hinausschreiten wollte , Ernesto bot zur rechten Zeit ihr den Arm , um sie vor dem Fall zu schützen ; auf ihn gelehnt , betrat sie die an das Zimmer ihres Vaters grenzende Kapelle des Schlosses . Dort stand der Baron , neben dem Priester am hellerleuchteten Altar , nur die Bewohner des Schlosses und der Gerichtsdirektor waren als Zeugen gegenwärtig , bange Grabesstille herrschte unter allen Anwesenden . Feierlich schritt der Baron dem langsam herannahenden Paare entgegen , er nahm die zitternde Hand der Braut , die so lange auf Ernestos Arm geruht hatte , und schien dabei diesen in der Zerstreuung nicht zu bemerken . Todesbleiche wechselte mit der Purpurröthe des Zorns in Ernestos Gesicht , während dieses geschah , sein Herz pochte hoch , sein Auge flammte , seine Hand ballte sich wie zum Kampf . Ungehindert hatte indessen die Zeremonie begonnen , welche Gabrielens Schicksal unwiderruflich bestimmte . Sie ward beendet , alles blieb still , kein fröhliches Getümmel Glückwünschender drängte sich um die Neuvermählten , und wie bewußtlos schwankte Gabriele am Arm ihres Vaters in sein Zimmer . Ernesto folgte mit Moritz von Aarheim , zuletzt Frau Dalling und Annette . Alle übrigen blieben in der Kapelle zurück , die Thüre derselben , welche in des Barons Zimmer führt , ward geschlossen . Der Baron trat in seinem Zimmer an das Fenster und blickte hinüber zur Brandstätte ; wüthender Sturm durchtobte heulend die schwarzen Trümmer . » Dort ist Aufruhr , hier endlich Ruhe , « sprach der Baron , und setzte sich auf seinen gewohnten Platz . Gabriele , unfähig sich aufrecht zu erhalten , kniete vor ihm hin . » Dir danke ich diese Ruhe , Gabriele ; auch deine Mutter hat viel für mich gethan , « sprach der Baron . » Ich segne dich nochmals , mein Kind , « setzte er höchst feierlich hinzu , indem er ihre Stirn mit seiner Hand berührte ; » auch dich segne ich , mein Sohn Moritz von Aarheim ! halte das Kleinod hoch , das ich dir übergab . « Es lag etwas besonders mildes in dem Ton , mit welchem der Baron diese Worte sprach . Ungewohnte Ruhe ebnete die harten Züge seines Gesichts und machte sie fast unkenntlich . » Jetzt ist mein Haus bestellt . Lebt wohl ! ich bin müde und gehe zur Ruhe , « sprach er noch , und winkte verabschiedend wie gewöhnlich . Halb getragen von Annetten und ihrer Dalling , schritt Gabriele langsam der Thüre zu , Moritz und Ernesto folgte ihr ; kaum aber hatten sie die Mitte des sehr geräumigen Zimmers erreicht , als Ernesto den Baron in seinem Lehnstuhl zusammensinken sah , zugleich verbreitete sich ein betäubender mandelartiger Geruch . Alle wandten sich plötzlich wieder dem Baron zu . An seinem Halse hing das kristallne Fläschchen erbrochen an der goldnen Kette herab , er selbst lag regungslos in seinem Lehnstuhl , kein Zweifel war möglich . Im Geiste des Kirschlorbeers hatte er den schnellen schmerzlosen Tod eingeathmet , welchen er einst Gabrielen bestimmte , die einzige Frucht seines jahrelangen , mühseligen , alchymistischen Forschens . In tiefer Ohnmacht sank Gabriele neben der entseelten Hülle ihres Vaters zu Boden . Zweiter Theil Wie dem Blitz der Donner , so schnell war bei der Entscheidung von Gabrielens Geschick die Erfüllung dem ersten Drohen der Gefahr auf dem Fuße gefolgt . Ernesto hatte im Drange der Begebenheiten keinen ruhigen Augenblick gefunden , um Frau von Willnangen auf die Möglichkeit des fast Unglaublichen vorzubereiten , und selbst , nachdem schon alles entschieden war , währete es noch mehrere Tage , ehe er Muth und Ruhe des Geistes genug gewinnen konnte , um ihr zu schreiben . Ueberdies stand er nach dem Tode des Barons wirklich ganz allein in der alten grausenvollen Burg , mitten unter einem Haufen verschüchterter , hülfloser Menschen , die alle zu ihm aufblickten , die von ihm berathen und in Thätigkeit gesetzt zu werden verlangten , um nur dadurch ihren eignen Gedanken zu entgehen . Moritz war zufolge seiner armen ,