. Sie sang : » In goldner Morgenstunde , Weil alles freudig stand , Da ritt im heitern Grunde Ein Ritter über Land . Rings sangen auf das beste Die Vöglein mannigfalt , Es schüttelte die Äste Vor Lust der grüne Wald . Den Nacken , stolz gebogen , Klopft er dem Rösselein - So ist er hingezogen Tief in den Wald hinein . Sein Roß hat er getrieben , Ihn trieb der frische Mut ; Ist alles fern geblieben , So ist mir wohl und gut ! « Sie ging während des Liedes immerfort unruhig auf und ab und sah mehrere Male seitwärts in den Wald hinein , als erwartete sie jemand . Auch sprach sie einmal heimlich mit einem Jäger , worauf dieser sogleich forteilte . Friedrich glaubte manchmal eine plötzliche , aber ebenso schnell wieder verschwindende Ähnlichkeit ihres Gesanges mit jener Stimme auf dem Berge zu bemerken , da sie wieder weitersang : » Mit Freuden mußt er sehen Im Wald ein ' grüne Au , Wo Brünnlein kühle gehen , Von Blumen rot und blau . Vom Roß ist er gesprungen , Legt sich zum kühlen Bach , Die Wellen lieblich klungen , Das ganze Herz zog nach . So grüne war der Rasen , Es rauschte Bach und Baum , Sein Roß tät stille grasen , Und alles wie ein Traum . Die Wolken sah er gehen , Die schifften immerzu , Er konnt nicht widerstehen - Die Augen sanken ihm zu . Nun hört ' er Stimmen rinnen , Als wie der Liebsten Gruß , Er konnt sich nicht besinnen - Bis ihn erweckt ein Kuß . Wie prächtig glänzt ' die Aue ! Wie Gold der Quell nun floß , Und einer süßen Fraue , Lag er im weichen Schoß . Herr Ritter ! wollt Ihr wohnen Bei mir im grünen Haus : Aus allen Blumenkronen Wind ich Euch einen Strauß ! Der Wald ringsum wird wachen , Wie wir beisammen sein , Der Kuckuck schelmisch lachen , Und alles fröhlich sein . Es bog ihr Angesichte Auf ihn , den süßen Leib , Schaut mit den Augen lichte Das wunderschöne Weib . Sie nahm sein ' n Helm herunter , Löst Krause ihm und Bund , Spielt mit den Locken munter , Küßt ihm den roten Mund . Und spielt ' viel süße Spiele Wohl in geheimer Lust , Es flog so kühl und schwüle Ihm um die offne Brust . « Friedrichs Jäger trat hier eiligst zu seinem Herrn und zog ihn abseits in den Wald , wo er sehr bewegt mit ihm zu sprechen schien . Romana hatte es bemerkt . Sie verwandte gespannt kein Auge von Friedrich und folgte ihm in einiger Entfernung langsam in den Wald nach , während sie dabei weitersang : » Um ihn nun tät sie schlagen Die Arme weich und bloß , Er konnte nichts mehr sagen , Sie ließ ihn nicht mehr los . Und diese Au zur Stunde Ward ein kristallnes Schloß , Der Bach , ein Strom gewunden , Ringsum gewaltig floß . Auf diesem Strome gingen Viel Schiffe wohl vorbei , Es konnt ihn keines bringen Aus böser Zauberei . « Sie hatte kaum noch die letzten Worte ausgesungen , als Friedrich plötzlich auf sie zukam , daß sie innerlichst zusammenfuhr . » Wo ist Rosa ? « fragte er rasch und streng . » Ich weiß es nicht « , antwortete Romana schnell wieder gefaßt , und suchte mit erzwungener Gleichgültigkeit auf ihrer Gitarre die alte Melodie wiederzufinden . Friedrich wiederholte die Frage noch einmal dringender . Da hielt sie sich nicht länger . Als wäre ihr innerstes Wesen auf einmal losgebunden , brach sie schnell und mit fast schreckhaften Mienen aus : » Du kennst noch nicht mich und jene unbezwingliche Gewalt der Liebe , die wie ein Feuer alles verzehrt , um sich an dem freien Spiele der eigenen Flammen zu weiden und selber zu verzehren , wo Lust und Entsetzen in wildem Wahnsinn einander berühren . Auch die grünblitzenden Augen des buntschillernden , blutleckenden Drachen im Liebeszauber sind keine Fabel , ich kenne sie wohl und sie machen mich noch rasend . Oh , hätte ich Helm und Schwert wie Armida ! - Rosa kann mich nicht hindern , denn ihre Schönheit ist blöde und dein nicht wert . Ja , gegen dich selber will ich um dich kämpfen . Ich liebe dich unaussprechlich , bleibe bei mir , wie ich nicht mehr von dir fort kann ! « -Sie hatte ihn bei den letzten Worten fest umschlungen . Friedrich fuhr mit einem Male aus tiefen Gedanken auf , streifte schnell die blanken Arme von sich ab , und eilte , ohne ein Wort zu sagen , tief in den Wald , wo er sein Pferd bestieg , mit dem ihn der Jäger schon erwartete , und fort hinaussprengte . Romana war auf den Boden niedergesunken , das Gesicht mit beiden Händen verdeckt . Das fröhliche Lachen , Singen und Gläserklirren von der Wiese her schallte ihr wie ein höllisches Hohngelächter . Rosa war , als sich Tag und Jagd zu Ende neigten , von Romana und aller Begleitung , wie durch Zufall , verlassen worden . Der Prinz hatte sie den ganzen Tag über beobachtet , war ihr überall im Grünen begegnet und wieder verschwunden . Sie hatte sich endlich halb zögernd entschlossen , ihn zu fliehen und höher ins Gebirge hinaufzusteigen . Sein blühendes Bild heimlich im Herzen , das die Waldhornsklänge immer wieder von neuem weckten , unschlüssig , träumend und halbverirrt , zuletzt noch von dem Liede des Unbekannten , das auch sie hörte , seltsam getroffen und verwirrt , so war sie damals bis zu dem Flecke hinaufgekommen , wo sie so auf einmal Friedrich vor sich sah . Der Ort lag sehr hoch und wie von aller Welt geschieden , sie dachte an ihren neulichen Traum und eine unbeschreibliche Furcht befiel sie vor dem Grafen , die sie schnell von