das der Vater wahrnahm , hätte jener nicht mehr zu ihm gedurft , und da habe er sich tot hungern wollen . Nachdem er einen Tag gehungert , sei er morgens früh aufgewacht , er hätte den Druck einer Hand gespürt , die ihn erweckt , hätte aber nichts Lebendes um sich gesehen , als den hellen Morgenschimmer , der in der leeren Luft mit unzähligem Staube Ball geschlagen . Sein Blut habe gewallt , sein Herz gepocht , sein Auge sei geblendet gewesen , und er hätte geglaubt sich zu sehen , ganz elend , wie die Leute ihm aus Mitleid seinen Fürchtegott zugeführt hätten . Nachher habe er nichts vor seinen Augen gesehen , als eine feste grüne Wolke im roten Felde , dann sei die Wolke rot und das Feld grün geworden . Unwiderstehlich habe es ihn in den Schloßgarten gezogen , der Vater habe noch geschlafen , das Schloß sei ganz still gewesen , und er habe niemand auf den Treppen gesehen , als ein paar weiße Mäuse . Vor dem Schlosse habe er unter zwei himmelhohen Linden gestanden , die mit weißen Blüten und summenden Bienenschwärmen bedeckt gewesen . Die Bienen hätten sich endlich davor gesammelt , wie eine braune Wolke und langsam tief ihren Zug weiter in den Garten genommen , er aber sei ihnen nachgefolgt , wo ihm sonst nie erlaubt , hinzugehen , weil er von vielem freien Gewässer durchschnitten . Er sei ihnen erst zagend gefolgt , aber der Schmerz der kleinen Steine an den Sohlen habe ihn endlich entschlossen gemacht . So kam er zwischen eine Reihe weißer Menschen in weißen Kleidern ohne Augen , die unbeweglich blieben , auf seinen Gruß nicht dankten , dann zwischen Bäume , die schmal und breit wie eine Mauer auf eine weite Aussicht geführt hätten ; aber plötzlich habe er seinen Kopf gegen Bretter gestoßen und statt der Aussicht nichts als bunte Flecken vor sich gesehen . » Es muß eine sonderbare Kunst sein « , sagte Traugott hier , » die etwas macht , das zugleich ist , und nicht ist , oder ist etwa alle Kunst also ? « - Die Bienen hatte er über diesen Anstoß und über diese Aussicht ganz aus den Augen verloren ; er sah aber seitwärts ein schwarzes Schild , das von vielen Ärmen getragen wurde ; da fand er in der Mitte einen großen Stein umgeworfen , und einen wunderlichen duftenden Haufen von trockenen Kiennadeln , worauf viele Ameisen liefen , die er wohl kannte . Da huckte er sich nieder , doch mit großer Vorsicht , daß ihm keine ankrieche , sahe dann zu , wohin sie so eifrig liefen , konnte aber nichts finden , warum sie also beweglich ; da rührte er in den Haufen , um ihnen doch eine Ursache zur Unruhe zu geben . Weil ihnen nun die Decke ihres Hauses fehlte , hatte er Mitleiden mit ihnen und warf eine Menge trockner Nadeln , die in der Nähe unter einem Baume lagen , darauf . Die Ameisen brachten sie schnell in Ordnung , und nun wurde er dem Völkchen so gut , daß er einen Strohhalm in die Mitte hineinsteckte , auf daß sie sich in der Gegend umsehen könnten . Gleich stiegen viele hinan und wie eine oben , trieb sie wieder eine andre hinunter ; er aber wollte , daß eine bleiben sollte , und warf mit Erde drein , und da wurden alle böse und hatten ihn heimlich beschlichen und kniffen ihn so unleidlich , daß er davon lief , immer blind zu , bis er in einem kühlen Wasser stand mitten unter Wasserlilien , und aus jeder Wasserlilie sah Fürchtegott heraus ; aber so wie er dazu kam , war er wieder fort , und saß auf einer weiter weg und lachte über ihn . Über ihm rief aber ein alter Mann mit einem glühenden Gesichte aus einer grauen Wolke , in die er ein Loch gerissen , und da verschwand Fürchtegott ; der alte Mann rief immer fort : » Traue Gott , fürchte Gott und scheue niemand ! « - Bei diesen Worten hob ihn eine Hand aus dem Wasser und er lief frierend von Nässe in die Sonne , damit die Mutter nicht sähe , daß er im Wasser gewesen . Und da schien es ihm in der Sonne , als ob er selber anfinge zu leuchten , und lebte draußen außer sich auf allen Blumen , die er ansehe , auf allen bunten Steinen , die vor ihm glänzten , und das alles sah künstlicher aus als alles , was Fürchtegott ihm gebauet , und Fürchtegott war ihm auf immer ganz gleichgültig ; und als er in der Sonne trocken geworden , ging er zurück ins Schloß , wo noch alles schlief , legte sich in sein Bett , frühstückte mit den andern , und sagte lange niemand davon . Die Historie hatte den Grafen wunderlich ergriffen ; er war an manche kleine Begebenheit seiner eigenen Jugend dabei erinnert worden ; er ging zu Waller und fragte ihn , der noch im Bette lag : wozu er den Knaben bestimme ? Waller sagte , daß er ihn dem rechten Vater wieder zustellen wollte , so wie er seinen eignen Sohn den Amtmannstöchtern überlasse , die den Tag vorher die wunderliche Geschichte mit ihm gehabt . Der Graf bat ihn , den Knaben doch diesen Sommer bei ihm zu lassen , er scheine sich bei der Landwirtschaft zu gefallen . - - » Es ist ein Allerweltsjunge « , sagte Waller , » recht gerne , behalten Sie ihn , der gibt sich mit allem ab ; Sie sollten einmal sehen , ganze Pakete Gedichte , Tragödien schmiert er zusammen , und ich kann Ihnen versichern , daß ich manches darunter zu meinem Gebrauche bearbeitet habe ; denn alles hat freilich etwas sehr Unreifes , Abgerissenes . « - Die Annahme des Knaben war aber mit der Zustimmung Wallers noch nicht ausgemacht