zu verdecken . Die Wände waren grün gemahlt , oberhalb in schmale weiße Felder getheilt , welche Frucht- und Blumen-Kränze einfaßten , in diesen Feldern standen Biblische Sprüche sehr groß geschrieben , zur Erbauung und zum Troste der Leidenden . Zu große Entfernung hinderte den Arzt , fortwährend Theil an dem glücklich eingeleiteten Geschäfte zu nehmen . Er empfahl daher Luisen einen Mann von reifen Jahren , einen Chirurgus des nächsten Städtchens , der im Druck und der Beschränktheit sein Gemüth befestigt , und seinen Geist still fortgebildet hatte . In einem hohen Grade mild und selbstverläugnend , paßte er sich ganz zum steten Beobachter vieler Unglücklichen , die Trost und Heil von ihm erwarteten . In dankbarer Rührung nahm er Luisens Vorschlag an , worauf er sofort ein Zimmer in dem neuerbauten Hause bezog . Minchen ging ihm fleißig an die Hand , Aufmerksamkeit und Erfahrung hatten sie schon zu so manchem richtigen Schluß geführt . Besonders verstand sie sich auf die Anwendung selbstgezogener Kräuter , und Bereitung von Säften und Getränken . Luise konnte nicht sowohl selbst Hand anlegen , als mit schnellem Blick das Fehlende erkennen , und ihm durch gehörige Anordnungen abhelfen . Dennoch brachte sie viele Stunden des Tages bei den Kranken zu . Ihr bloßes Erscheinen , und der sanfte ergebene Ernst in ihren Zügen wirkte wohlthuend auf die Gemüther . Auch kam sie selten mit leeren Händen . Immer fand sie etwas aus , was den Ermatteten erquicken , den Schmrrz des Leidenden lindern , oder den Muthlosen überraschend anregen konnte . Willig las sie denen aus der Bibel vor , die gern den gesunkenen Sinn in den Quell des Lebens erfrischen mögten . Besonders aber war sie den Kindern eine liebe Mutter , die ihr schon immer von fern die Händchen entgegenstreckten , um die mitgebrachten Bilder und Spielereien in Empfang zu nehmen . Der Ruf einer so milden Stiftung , auf der sichtlich Gottes Segen ruhete , da alles den erwünschtesten Erfolg hatte , mußte sich hald verbreiten . Von nah- und fernen Ortschaften schleppten sich Kranke herbei , oder ließen sich fahren und tragen , um nur unter den segensvollen Händen der Dame vom Schlosse zu heilen . Luise mußte bald eine strenge Auswah ! unter ihnen treffen , und konnte nur diejenigen aufnehmen , welchen wahrhaft äußre Mittel zu ihrer Wiederherstellung fehlten , um nicht über das Maaß ihrer Kräfte hinausgetrieben zu werden . Dennoch ward sie als Heilige geehrt und blieb immer gleich gesucht . Unter so frommem Wirken ging die Zeit unmerklich an Luisen vorüber . Die Jahreszeiten wechselten , aber das stille Leben blieb ununterbrochen dasselbe . Zuweilen erhielt sie Briefe vom Obristen , der , recht im Gegensatz mit ihr , scharf und entscheidend in die Welthändel eingriff , und jetzt auf auf einem Zuge gegen die Kaukasische Tartaren vorrückte . Er fürchtete , lange nicht nach Europa zurückzukehren , wohin ihn doch Luisens Andenken unverändert rief . Sie erzählte ihm dafür gern alles , was auf den wieder errungenen Frieden ihres Herzens Bezug hatte , und betrachtete überall diesen Briefwechsel als eine liebe Zugabe ihres anderweitigen , heitren Lebens . Weniger erfreulich waren ihr die Nachrichten , welche sie von Zeit zu Zeit von ihren Freunden aus der Stadt erhielt . Auguste hatte bei ihrer Rückkehr mit aller Anstrengung und allem Gewicht ihrer Sentenzen nichts gegen die Stimme der Welt ausrichten können . Der Schein war gegen sie ; man glaubte sie in den bösen Handel verstrickt , und alles , selbst der Engländer , der vor ihr angekommen war , wandte sich von ihr ab . Sie schrie und schimpfte und haßte nun die englische Nation , wie sie sie vormals geliebt hatte . Die Baronin blieb ihre ärgste Feindin , da diese sich mit scheinbarer Kälte auch von der eignen Tochter wenden zu müssen glaubte , um ihr Gewicht in der Meinung der Menschen nicht zu verlieren . Von Emilien erfuhr man wenig , da die Mutter nie , und die Welt selten noch von ihr sprach . Frau von Seckingen war endlich durch den Tod ihres Mannes in den Stand gesetzt , Horst ihre Hand zu geben . Sie besaßen nun beide , was sie wünschten , und schleppten ein nüchternes Dasein neben einander hin . Luise betrachtete mit Wehmuth all die mannichfachen Verirrungen , und wie so viel gute Menschen sich selbst täuschen . Sie redete einst mit Minchen darüber . Allein diese erwiederte : ich weiß nicht recht , was das eigentlich heißt , wenn man von der Liebe eines Menschen sagt , er täusche sich selbst . Was doch so recht innig und lebhaft das ganze Wesen erschüttert , das ist doch da , und wirklich , wo ist denn nun die Täuschung ? Am wenigsten mag ich es leiden , wenn die Leute selbst nach kurzer Frist ein Gefühl so nennen , was ihnen doch für Augenblicke höher als ihr eignes Leben war . Ich glaube , erwiederte Luise , man kann jeden Mißgriff wohl mit Recht eine Täuschung nennen . Das Gefühl selbst ist kein trügerisches Spiel , aber seine Beziehung kann falsch sein , und man darf in den vielen vorüberrauschenden Neigungen nichts Ewiges sehen , als die unendliche Sehnsucht nach einer unwandelbaren Liebe . Aber , fiel Minchen ein , sollen die armen Betrognen erst Menschenalter durchleben , um zu wissen , welches die rechte Liebe sei ? Das ist ein Geheimniß , sagte Luise , welches die Liebe jedem in sich selbst offenbart . Während sie so redeten , trat der Mönch unerwartet zu ihnen in ' s Zimmer . Er war lange in Geschäften seines Ordens verreist gewesen , auch hatte Luise ihn bis dahin vermieden , aus Furcht , schlafende Erinnrungen zu erwecken . Sie mußte heftig weinen , als sie ihn sah . Zugleich aber strömte auch in seiner Nähe mancher verhaltne Schmerz aus . Sie fühlte sich bald erfrischt und gestärkt . Er verstand sie wohl . Auch in