. Sulpicia bat ihre Freundin , ihn zu begleiten , und Alles zu besorgen . Komm dann bald wieder , liebe Calpurnia , rief sie ihr freundlich nach - Calpurnia ! Wie ein Blitzstrahl wirkte dieser Name auf mich , mein Blut stand still - ich war unvermögend , mich zu regen oder ein Wort zu sprechen . Erst , als der gefürchtete Gegenstand schon weit von uns war , erwachte ich aus meiner Betäubung . Also Calpurnia hier - auf dieser Villa ! Schwankend wie die Erinnerung eines Traumes , kam mir nach und nach die Besinnung , daß ich von dir erfahren hatte , Calpurnia sollte mit ihrem Vater nach Bythynien kommen . Und sie war hier - sie lebte auf dieser Villa - als was ? als was anders als die Braut - vielleicht die Gattin des Besitzers ! Was in mir vorging , als diese Entdeckungen langsam , aber deutlich sich aus meinen verworrenen Gedanken entwickelten - o der Tod kann nicht bitterer seyn , als diese Gefühle ! Darum war also bei der Ungewißheit meines Schicksals auch nicht Eine Nachforschung nach mir , nicht Ein Versuch zu meiner Rettung gemacht worden ! Sulpicia war bei mir zurückgeblieben . Die Sonne sank hinter den Bergen hinab , ihr letzter Strahl brach durch das Gebüsch , und malte Alles um uns mit glänzendem Gold . Ich saß verloren in schmerzlichen Gefühlen , und hörte nur halb , was Sulpicia von der Stille und Schönheit des Abends sprach . Ich muß ihr nichts geantwortet haben , denn sie legte endlich die Hand auf meinen Arm , und sagte mit unbeschreiblich gütigem Tone : Du scheinst auch nicht glücklich zu seyn , liebe Fremde ! Ich fuhr empor - ich sah sie starr an , ihr Auge wurde feucht , und meine Thränen brachen hervor . O , ich habe viel - viel verloren - rief ich erschüttert . » Das glaube ich . Verlust von dieser Art - sie deutete auf mein Trauerkleid - wird selten oder nie verschmerzt . « Ich war froh , so mißverstanden zu werden , ich ließ meinen Thränen freien Lauf , Sulpicia verstand mich , ohne mich zu ergründen ; ich fand eine Art von Beruhigung in ihrer zarten Theilnahme . Ach sie weiß auch , was ein zerrissenes Herz ist ! Die Sonne war jetzt hinunter , Calpurnia kam hüpfend zurück , und ermahnte ihre Freundin , bei der sinkenden Dämmerung ihre Gesundheit zu schonen und in ' s Haus zu gehen . Wir standen auf . Im Hineingehen betrachtete ich diese reizende Gestalt recht aufmerksam . O sie schien mir jetzt , da ich wußte , wer sie war , noch schöner , noch verführerischer ! Jede Bewegung war Anmuth - Wohllaut möchte ich sagen , jedes Wort bedeutend , jeder Blick siegreich . Als wir in einen Saal zu ebener Erde traten , nahm sie mich auf eine muntere Art bei der Hand , und zog mich fort , um mir mein Schlafgemach zu zeigen . Es war ein niedliches kleines Zimmer , mit allen Bequemlichkeiteen des Wohlstandes , ohne Pracht versehen , und mit der Aussicht in den wildesten Theil der Gärten . Ein Spiegel an der Wand zeigte mir plötzlich , ich kann sagen , mit Schrecken , unsre beiden Gestalten , Calpurnia blühend , jugendlich , mit den siegreichen Blicken , den glänzend braunen Locken , die künstlich geringelt um die weiße Stirn , die rosigen Wangen , den blendenden Nacken flatterten , in der üppigsten Fülle einer glücklichen Schönheit - und ich neben ihr , verblüht , von Kummer verzehrt , von Sonne und Luft verbrannt , mit trüben Blicken und der tiefen Narbe auf den farblosen Wangen . O Junia ! Nur die ungemessenste Eitelkeit oder die lächerlichste Verblendung hätte es wagen können , hier sich in einen Wettstreit einzulassen . Ich erkannte deutlich die Größe des Abstandes und meinen entschiedenen Verlust . Sie entfernte sich hierauf , » um mir Ruhe zu lassen , « sagte sie . Ach ja wohl ! Sie läßt mir Ruhe - die Ruhe des Grabes , nachdem ich durch sie Alles verloren habe , was dem Leben Werth gibt . Ich weinte recht heftig , und weinte mich aus , ich warf mich auf meine Kniee und demüthigte mich unter der Hand des Gottes , der züchtigt , weil er liebt . Ich bat ihn um Stärke , und fühlte mich wirklich gefaßter , als nach einer Weile eine Sclavin kam , nm sich zu erkundigen , ob ich nichts bedürfe . Ich verlangte zu ihrer Gebieterin geführt zu werden . Das Mädchen brachte mich in einen Saal , der angenehm durch einige in schönen Urnen brennende Lampen erhellt war . Sulpicia lag auf einem Ruhebette , Calpurnia ihr gegenüber hatte die elfenbeinerne Leyer im Arm , auf der sie eben gespielt und dazu gesungen hatte . Ich bat sie fortzufahren , da griff sie mit den Lilienarmen in die goldenen Saiten , und sang mit wollüstig schmelzender Stimme ein ziemlich loses Lied darein . Ich dachte der Zeit , wo ich auch gespielt und gesungen hatte , damals , als die ersten Gefühle in unsern jungen Herzen erwacht waren , und später in Edessa und Nisibis , wo mein Gesang oft die müden Wassengenoffen erheiterte , Demetrius Beifall mich lohnend ermunterte , und ein Auge voll Rührung und heiliger Liebe an meinen Blicken hing . Aber freilich , so verstehe ich nicht zu singen - mit so sprechenden Geberden , mit so wollustathmenden Lauten - und keine so weichen runden Arme bezauberten das trunkne Auge , indeß das Ohr dem Sirenensang lauschte . So ward jeder Blick auf sie ein Stachel in meine Seele . Aber ich war noch zu etwas Härterem bestimmt , ich sollte den Kelch bis auf die Hefen leeren , und in keinem unaufgehellten Dunkel meines Geschickes den Trost der Ungewißheit , der möglichen Hoffnung erhalten . Es lagen Zeichnungen auf dem