ersehnten Hause . Hier also , ach hier , rief er , und sank weinend auf die Schwelle nieder . Bald darauf drangen leise Harfentöne aus dem Innern , die folgende Worte begleiteten : Schöne Perle , schöne Perle , Sieh mich weinend steh ' n am Ufer , Laß dich meine Klagen rühren , Folge meinem bangen Rufe . Du , des reichen Schmuckes Zierde , Bist nun meinem Blick entschwunden , Und ich Arme muß vergebens Dich am öden Strande suchen . Süßes Kleinod , kehre wieder , Zier ' auf ' s neu mir Haupt und Busen , Laß in deinem Glanz mich leuchten , Leben nur in deinem Ruhme . Nein , du bist in Nacht geboren , Bist ein Kind der schlimmsten Mutter , Trüg ' risch war dein sanftes Leuchten , Zu verlocken meine Jugend . Grausend steh ' ich hier alleine , Schäumend naht ihr wilde Fluthen , Wollt auch mich hinunter reißen , Wie die Perl ' ihr habt verschlungen ! Ihr entgegen klingen Stimmen , Wie aus tiefem Meeresgrunde . Holder Perle süßes Leben Blüht im stillen Heiligthume . Was der Tiefe ward entrissen , Kühn an ' s Tageslicht gerufen , Sinkt zurück in Liebesarme , Scheu vor euren wilden Gluthen . Steig ' hinunter in die Wasser , Kühle deines Herzens Wunden , Und im feuchten Schooße finde Neu erblüht die Wunderblume . Rodrich war indeß immer weiter gegangen , und lehnte an einer verfallnen Thüre , aus welcher ihm der Ton entgegen drang . Die Erinnerung der Perle nahm ihm alle Sinne gefangen ; er stand noch in sich versunken da , als Martin mit einer kleinen Laterne an ihm vorüber zur Thüre hineinging , indem er sagte : Miranda ist wohl , sie wird kommen , wie ihr es wünscht . Miranda ? wiederholte Rodrich laut , und folgte ihm schnell in das anstoßende Gemach . O , ewiger Gott ! da ist er ! schrie Florio , in seine Arme stürzend . Mein Bruder , mein geliebter Bruder ! Rodrich war so erschüttert , daß er stumm an sein Herz sank , und heftig weinte . Als er aufblickte , kniete ein schöner Mann , in Einsiedler-Tracht vor dem Bilde der wundervollen Dame , in der Rodrich seine sterbende Mutter erkannte . Das lang Vergeßne ward wieder neu , die dunkelsten Vorstellungen klärten sich plötzlich auf . Hier hatte er einst gestanden , das wußte er gewiß , und der geliebten Leiche vergebens die Arme entgegen gebreitet . Das war das helle Haus , nach dem er sich so bang im Kloster sehnte . Du weißt nicht , sagte Florio , ach , du weißt nicht , daß wir Geschwister sind , und daß jene Sehnsucht nach dem Berggeist , die tiefe , unerkannte Liebe zu unserm Vater war . Ich weiß alles , erwiederte Rodrich , hätte ich es doch hier zuerst erfahren ! Der Einsiedler hob sich langsam zu ihnen auf . Meine Kinder , sagte er gerührt . Rodrich bebte bei dem Ton seiner Stimme , er glaubte den Herzog zu hören , und dennoch lag eine so süße Gewalt in ihr , daß sich alle Bande seiner Seele lösten , und er , wie neu geboren , vor dem Heiligen kniete . Ich wollte , sagte dieser , alles zerreißen , was mich an die Welt fesselt ; aber was die Liebe knüpft , löst sich niemals . So legt euch nur Alle an mein Herz , ich kann es nicht länger wehren ! Warum sind die Schwestern nicht hier ? rief Florio aus ! Die Schwestern ? fragte Rodrich . Ja du Armer , Lieber , erwiederte jener , Miranda , Elwire ! ahnete dir es nicht ? Die ferne Therese durfte ihre Mutter seyn , sie waren nicht gefährlich , ihnen gönnte man es , frei in der Welt zu leben . Ich verstehe , sagte Rodrich , aber wo sind sie ? Im nächsten Kloster , erwiederte Florio , morgen sollst du sie sehen . Rodrich war , als sey er gestorben , so plötzlich zerfielen alle trügerische Verhältnisse der Welt vor seinen erwachten Sinnen , sein Herz erweiterte sich , und er fühlte , daß ihn nichts als die reinste Liebe erfülle . Er dachte an Aline , und daß er noch glücklich seyn könne . Da trat Martin herzu , und mahnte sie zur Rückkehr an . Nun dann , zu Morgen , sagte der Einsiedler , laßt uns gehen . Sie traten alle schweigend den Rückweg an . Am Abhange des Berges trennten sie sich . Der fromme Vater ging in seine Klause , indeß die Übrigen den Berg hinanstiegen . Auf dem Gipfel desselben , setzte sich Rodrich ermüdet nieder . Der Tag zog herauf , und wie er die Gegenstände erhellte , sah Rodrich , daß er auf derselben Stelle saß , wo er als Knabe , aus dem Kloster entfliehend , zuerst sein Gefühl zu Gott erhob . Es rührte ihn unbeschreiblich , daß er so nahe an dem Vaterherzen das reinste Glück empfunden habe . Jetzt war es doch weit anders . In der höchsten Freude mischte sich das Gefühl seiner Schuld , und trübte jede Erinnerung . Martin nahm ihn bei der Hand : so lebtet ihr denn in meiner Hütte , sagte er , ohne daß ich euch kannte . Jetzt besinne ich mich auf alles . Ihr habt euch wenig geändert . Zuweilen kamt ihr mir damals freilich wunderbar genug vor , allein wer konnte das denken ? Ja wohl , guter Martin , sagte Rodrich , und ich spielte hier in bunten Träumen , während mir die Wirklichkeit so nahe lag . Sie sollte euch nicht nahe liegen , sagte Martin , darum mußtet ihr sie suchen . Euer Vater hatte euch alle aus seinem Herzen gerissen . Er wollte einzig in Gott leben , und glaubte , jedes andere Band auflösen zu müssen . Gott wollte das