sich nämlich in Anjou , Maine und der Vendée eine starke Partei organisiert , deren Mitglieder , mit der weißen Kokarde am Hut , das Land durchzögen und die Polizeibeamten , die die Steuern und Konskribierten einziehen wollten , einfach wegjagten . Es seien zwar zweitausend Gendarmes samt Kavallerie von der spanischen Armee heranbeordert und mit Herstellung der » Ordnung « beauftragt worden , einige Deputierte hätten aber dem Präfekten rundweg erklärt , daß er die Gendarmes wieder fortschicken müsse , widrigenfalls sie wahrscheinlich totgeschlagen würden . Und das sei denn auch befolgt worden . Inzwischen habe die königliche Sache gesiegt , und alles sei wieder ruhig . Paris , den 14. Mai 1814 . Ich habe neuerdings Graf Eberhard Dankelmann hier kennen gelernt . Er will nach London und hat mich aufgefordert , mich ihm anzuschließen . In Voraussicht Deiner Zustimmung werd ' ich es tun . Die Reise macht sich leicht ; in drei Tagen bin ich dort und gedenke mich anderthalb Wochen daselbst aufzuhalten , in welcher Zeit sich schon einiges sehen läßt . Graf Dankelmann geht von London aus nach Gothenburg , und von Gothenburg auf seine Güter in Livland , ich aber gedenke das Paketboot zu benutzen , das von Harwich auf Amsterdam fährt und werde von dort aus einen Abstecher nach Diersforth zu Onkel Wylich machen . * Karl von Hertefeld hatte sich entschlossen , in Gesellschaft von Graf Eberhard Dankelmann , einen Abstecher nach London zu machen und führte diesen Entschluß auch aus . Er berichtete darüber nach Liebenberg hin . London , den 30. Mai 1814 . Erst am 25. Mai konnten wir von Boulogne absegeln , weil sich das Schiff bis dahin durch widrigen Wind im Hafen zurückgehalten sah . Genannten Tages aber wurden wir eilig an Bord gerufen und kamen glücklich aus dem Hafen heraus . Anfangs belustigte mich dies nie gesehene Schauspiel außerordentlich . Bald indessen wurd ' es anders und die Nacht zählt zu den unangenehmsten , die ich je zugebracht habe . Die Kajüte war nur klein , und in diesem engen Raume lagen , wie Kraut und Rüben durcheinander , zehn , zwölf Menschen , die alle mehr oder minder seekrank waren . Dabei macht einen das Übel so träge , daß man sich nicht überwinden kann aufzustehen und den einmal eingenommenen Platz , um eines besseren willen , zu wechseln . Am andern Morgen wollten wir mit der Postkutsche nach London ; da jedoch drei Paketboote schon vor uns in Dover angekommen waren , so waren alle Insideplätze besetzt . Die » Outside « hat sich aber seit Moritz ' Zeiten sehr verändert . Seine Beschreibung paßt gar nicht mehr , und ich kann füglich versichern , in Deutschland mit Extrapost nicht angenehmer gefahren zu sein . Freilich mag sehr viel von der Gesellschaft abhängen , mit der man reist . Wir haben es hierin glücklich getroffen . Unsere Reisegesellschafter waren Gentlemen , die , wie wir , von Paris kamen , und meistens etwas französisch sprachen . In Canterbury , wo gefrühstückt wurde , machten wir Bekanntschaft und fanden in ihnen ebenso höfliche wie zuvorkommende Leute . Die Gegend , durch die wir fuhren , war herrlich , und in den Dörfern hatten die Pächterwohnungen Spiegelscheiben . Auf dem Wege von Canterbury nach Rochester sahen wir die russische Flotte vor Anker liegen . In Rochester selbst wurde diniert , versteht sich ganz auf englische Art. Wir bekamen erst vortrefflichen Fisch , dann köstliche Beefsteaks und danach einen kleinen Pudding . Den Beschluß machte ein ungeheures Stück Käse . Man erhält hier weniger Gerichte als in Frankreich , aber alle sind trefflich zubereitet und die Portionen kolossal . In Gadshill hielten wir vor einem Wirtshaus , auf dessen Schilde wir Sir John Fallstaff erkannten , der von Poins und dem Prinzen abgeprügelt wird . Eine halbe Stunde später erschien St. Paul am Horizont , und ehe die Dämmerung einfiel , ging es über die Westminsterbrücke , an Whitehall vorbei , nach Charing cross , wo die Postkutsche hielt . Und nun nahm uns ein Mietswagen auf und bracht ' uns nach dem Hotel Bauer in Leicester-Square . London , den 5. Juni 1814 . Ich bin nun eine Woche hier und habe mancherlei beobachtet . Was einem in dieser ungeheuren Stadt am meisten auffällt , ist , daß alles ohne Soldaten , Gendarmen und Polizeibeamten in Ordnung gehalten wird . Des Abends bei den Theatern , wo zuweilen hunderte von Wagen stehen , entwickelt sich das Gewirre so ruhig , daß man darüber erstaunt . Die Fußgänger verhalten sich ebenfalls ganz passiv . Da die Trottoirs , und zwar gerad ' in den lebhafteren Straßen , nur schmal sind , so kommt es vor , daß man derb gestoßen wird und zur Schadloshaltung wieder andere stößt ; dies wundert aber niemanden und noch weniger fällt es ihnen ein , mit einem » Pardon « um Verzeihung zu bitten . Die Theater sind hier prächtig , besonders das von Drurylane ; alles blinkt in dem Hause von Vergoldung , Spiegel und Bronze . Die Schauspieler gefallen mir aber in Coventgarden besser . Ich habe dort den Hamlet und Othello gesehen , und obwohl ich nichts davon verstand , machten diese Vorstellungen doch einen bei weitem tieferen Eindruck auf mich , als die Phédre und Semiramis im Théâtre français . Von Merkwürdigkeiten hab ' ich bis jetzt nur die Westminster-Abtei , den Tower , St. Pauls und einige unbedeutendere Sachen gesehen . Was mir im Tower am meisten imponierte , war die kolossale Menge von Gewehren . Der Führer sagte mir , daß 800000 da wären , und ich glaube nicht , daß er übertrieben hat . Denn außer denen , die aufgestellt sind , war noch ein Saal , etwa in Größe einer kleinen Reitbahn , ganz mit Kisten angefüllt , in denen sich eingepackte Gewehre befanden , alle bestimmt , nach Deutschland und Spanien abzugehen . Es sollen , nach der Aussage des Führers ,