Anblick der Namen , die sein Innerstes erfüllten - vor dem Silaswald , in dessen Nähe jetzt , an Punta dell Allice , die Invasion stattfinden sollte - zu gleicher Zeit mit einer Erhebung in Sicilien und Genua - Benno wollte dies Beginnen , ein Zeichen wol gar des Mistrauens gegen ihn , verhindern und sprach : Soll ich diesen Brief nicht so gut kennen wie ihr ? ... Da hatte die Flamme schon den Brief verzehrt ... Benno sah , daß das Flüstern vorhin , dies Entziehen des Briefes aus dem Erkennen seiner Stimme durch den schwarzen Todtenbruder entstanden war ... Er richtete vor Aufregung seine Augen so zu Bertinazzi , daß sie wie Flammen diesem entgegenglühen mußten ... Denn auch ihm war der Ton seines Anklägers immer bekannter und bekannter geworden ... Es fehlte nur noch ein einziges mal , daß jener sprach , und ein unglaublicher Name , der Name eines offenbaren Verräthers , brannte ihm auf der Zunge ... Bertinazzi hatte sich in der That zu seinem Beistand erhoben ... Wieder drangen die Stimmen in den Leichenbruder , zu reden ... Dumpf sprach dieser : Wir sind in diesem Augenblick zu dreizehn ... Der vierzehnte , unser Franciscaner , fehlt ... Wir dürfen eine neue Loge bilden ... Ja , dies will ich ... Ich thu ' es ... Die dazu notwendigen Zwölf werd ' ich finden - ... Benno starrte den Sprecher an ... Er wußte , wer gesprochen - - ... Dann ist Bertinazzi ' s Loge verpflichtet , Euch eine Hülfe zu geben ! ... sprach der Kapuziner ... Einer von uns trete zu Timoleon ' s neuer Loge ! riefen mehrere ... Loost ! Loost ! ... erscholl es von anderer Seite ... Warum loosen ! erwiderte der schwarze Todtenbruder , der den Namen » Timoleon « führte ... Ich nehme jeden von euch , der sich freiwillig dazu erbietet - doch - nicht - Spartakus ! ... Wieder sprangen alle von ihren Sitzen ... Was vorhin nur schien einzelnen angedeutet worden zu sein , erscholl jetzt vor aller Ohr ... Die Verschworenen zogen dichter ihre Hüllen vor die Augen ... Sie traten auf Benno zu ... Schon streckten sich einige Hände nach seiner Köpfverhüllung ... Zurück ! rief Bertinazzi mit einer Stimme , die an den Wänden widerhallte ... Ich bürge für Spartakus ... Für einen Verräther ? ! ... Einen Deutschen ? ! ... Einen Spion Osterreichs ? ! ... rief Timoleon ... Verräther - ? Ich ? ... Graf Sarzana ! Wer ist hier - der Verräther ? ... Sarzana ! rief die ganze Loge voll Entsetzen ... Ein Augenblick und vier , fünf Dolche blitzten ... Sie blitzten nicht nur Spartakus , sondern auch Timoleon entgegen ... Der Name » Sarzana « klang wie : Eine Creatur Ceccone ' s ! ... Kaum hatte auch Benno jetzt noch den Beistand des Meisters der Loge ... Einen Namen zu nennen war ein Bruch aller Gesetze ... Bertinazzi trat den gezückten Dolchen entgegen und rief : Die Loge ist aufgelöst ! ... Friede ! Friede ! Friede ! ... Die Lichter wurden ausgelöscht ... Eine kraftvolle Hand drängte Benno aus dem wilden Tumult ... Eine Thür sprang auf ... Mit dem Ausruf : Unglücklicher ! stieß ihn sein Retter - der Kohlenbrenner , wie Benno zu erkennen glaubte - in das Dunkel eines engen Corridors ... Ein Augenblick der Besinnung ... Benno griff nach einer der kleinen Wachskerzen , die er in der Tasche trug ... Damit tastete er vorwärts , um eine Mauer zu finden , an der er das Wachslicht durch Anstreifen entzünden konnte ... Er fand die Mauer ... Er hatte Licht ... Er blickte um sich ... - - Am Ende des langen Corridors stand ein Trupp Gensdarmen , der mit angeschlagenen Carabinern lautlos sich auf die Loge zu in Bewegung setzte . Ende des siebenten Buchs . Fußnoten 1 Thatsache . Neunter Band Achtes Buch 1. Mühsam windet sich ein mit fünf Rossen bespannter Reisewagen die Höhen eines kahlen Gebirges hinan ... Die Straße ist es , die von Nizza über den Col de Tende nach dem Piemont führt ... Kreidige Felsen , Reste vulkanischer Zerstörungen , heben sich schimmerndhell vom tiefblauen Himmel ... Die Vegetation wird immer lebloser , je näher dem höchsten Kamm der vom mächtigen Rückgrat der Schweizer- und Savoyer- sich abzweigenden Seealpen ... Noch jetzt , noch am Ende des Juni , liegt Schnee in einzelnen versteckten Spalten , die ein schneidend scharfer Wind bestreicht ... Zeitig waren die Passagiere von Sospello aufgebrochen ... Sie hatten Vorspann nehmen müssen ... Bald verließen sie den Wagen , um den Pferden die Last zu erleichtern ... Drei Frauen , die rüstig zuschritten , schienen an Anstrengungen gewöhnt ... Ein Kind , das bald ermüdete , ließ man wieder einsitzen ... Die beiden Männer schritten anfangs mit wetteifernder Ausdauer ... Bald aber ermüdete auch von ihnen der eine ... Ein heftiger Husten zwang ihn oft , still zu stehen ... Nun machten ihm die übrigen Vorwürfe über die Anstrengungen , die er sich zumuthete ... Er lächelte eine Weile , schüttelte den Kopf , deutete an , es würde gehen ... Zuletzt zwang man ihn , in den Wagen zu steigen ... In einen grauen Leibrock mit Metallknöpfen gekleidet , schien er ein Diener zu sein - ein weißes Staubhemd darüber flatterte im Winde ... Im Wagen nahm er das etwa dreijährige Kind , ein heiteres , schwarzäugiges Mädchen , auf den Schooß ... Eine der Frauen - man hätte sie für die Zofe der beiden andern Damen halten dürfen - ging im ärgsten Staube neben dem Schlage des Wagens und reichte zuweilen die Hand hinauf , die der Kranke dann mit Liebe drückte , während gleichzeitig ein sanfter Blick seines Auges auf die Frauen deutete , die seine Begleiterin nicht aus dem Auge verlieren sollte ... Jene aber nahmen die kürzeren Wege und kletterten wie die Ziegen , die in Schaaren auf den