französischen Tragödie ; man begreift anfänglich nicht , wie diese Deklamationsweise gefallen kann , und am Ende bringt sie doch einen schönen Effekt hervor . Bei dieser Gelegenheit muß ich noch etwas erwähnen , was mir in diesem Stücke sehr auffiel und vielleicht als Kommentar für die wahre Stimmung des französischen Volkes dienen kann . Talma hat nämlich als Arsace folgende Worte zu sprechen : » le ciel donne souvent des rois dans sa vengeance . « Bei dieser Sentenz erfolgte ein Beifall , daß das ganze Haus widerhallte . Und gewiß wurde nicht bloß deshalb applaudiert , weil Talma die Worte schön gesprochen hatte . In der eigentlichen leichten Komödie sind die Franzosen unübertrefflich , und in den kleineren Vaudevilletheatern , wo dergleichen aufgeführt wird , muß man sich fast totlachen . Sinn ist in allen diesen Stücken herzlich wenig , aber darauf kommt es auch gar nicht an ; wenn nur der Unsinn gut gespielt wird , so geht das Publikum vergnügt nach Haus . Und mir ist es ebenso gegangen . In Deutschland müßte man vor Langeweile umkommen , wenn einem so was vorgespielt würde . Zum Schluß muß ich Dir noch schreiben , wie sich alle Theater beeifern , Gelegenheitsstücke vorzuführen , in denen ein vive le roi angebracht werden kann . Da nun aber die französische Geschichte ziemlich arm an edlen Königen ist , so fällt alles über Henri IV. her , der jetzt unter allen möglichen Formen , auf allen möglichen Bühnen herumwandeln muß . Da gibt es la partie de chasse de Henri IV. , Henri et d ' Aubigny , le souper de Henri IV. ou la dinde en pal , ja sogar le dessert de Henri IV. In allen diesen Stücken sind Lieder angebracht zum Lobe der Könige , der » souverains legitimes « , die dann möglichst beklatscht werden . Doch war kein Applaudissement so stark , wie bei den oben erwähnten Worten Talmas . Von Bekannten hab ' ich hier noch Dönhoff , Salpius und Serre , den Vater , gesprochen . Paris , den 30. April 1814 . Die Bauten und Arbeiten , die Napoleon teils hat vornehmen lassen , teils vornehmen wollte , grenzen wirklich an das Riesenhafte . Auf dem Platz , wo die Bastille stand , sollte ein Elefant von Bronze , zwölfmal größer als ein natürlicher , zu stehen kommen . Bloß um das Modell arbeiten zu können , hat man ein turmähnliches Gebäude aufführen müssen . Dieser Elefant sollte über den projektierten Ourcq-Kanal gestellt werden , so daß die Schiffe unter ihm weggingen , bei welcher Aufstellung er zugleich als Prospekt der ebenfalls neu edierten rue impériale gedient haben würde . Die Herstellung dieser neuen Straße wurde , weil alte Häuser niedergerissen werden mußten , auf vierzehn Millionen Francs berechnet . Ich gehe gern ins Theater , aber es wird einem fast zuwider , weil immer nur Gelegenheitsstücke gegeben werden , in denen man bei jeder passenden oder nicht passenden Strophe wütend applaudiert . Jedes der verschiedenen Theater hat sich , wie ich Dir schon schrieb , ein von Henri quatre handelndes Stück angeschafft , das nun jeden Abend zur Aufführung kommt . Die Stimmung des Volkes zeigt sich dabei in einem sehr grellen Lichte . Der Kaiser von Rußland glänzt vor allen anderen Fürsten und wird fast als der einzige angesehen , der etwas zu sagen habe . Dazu kommt noch , daß sein Name sich in Gedichten gut anbringen läßt , wohingegen Frédéric Guillaume und François in keinem Couplet recht reimen wollen , so sehr sich auch die Dichter abarbeiten , solche Reime zu finden . Paris , den 8. Mai 1814 . Paris enthält jetzt so viele merkwürdige Männer , wie wohl nie zuvor . Außer den Monarchen ist fast die ganze englische Generalität hier , Lord Wellington an der Spitze . Ich habe diesen merkwürdigen Mann in der Oper gesehen . Schade war es , daß er in einer dunklen Loge saß und sich , um einiger englischen Damen willen , fast wie in einen Winkel gesetzt hatte , so daß ich mir seine Gesichtszüge nicht recht einprägen konnte . Nur soviel sah ich , daß ihm keines der mir in Berlin bekannt gewordenen Gemälde glich . Er ist hager und sein Gesicht länglich ; außerdem aber schien mir etwas ganz unenglisch Anspruchsloses darin zu liegen , was ihn mir noch lieber machte . Der Einzug Ludwigs XVIII. ist am vorigen Dienstag in Szene gegangen . Wegen der Kürze der Zeit hatte man nicht viel Anstalten zu seinem Empfange treffen können ; auf dem Pont neuf indessen war die Statue Heinrichs IV. vorläufig in Holz aufgerichtet worden und von den Türmen wehten weiße Fahnen mit darin eingestickten Lilien . Das Tor von St. Denis , durch das er einzog , war mit Tapeten aus der Gobelin-Manufaktur behangen . Ich ging in den Faubourg und stellte mich auf ein zum Zuschauen erbautes Gerüst . Alsbald erschien der König . Er war fast mehr von Nationalgarden als von französischen Truppen begleitet , und weil der Zug , des Gedränges halber , oft stopfte , hatt ' ich Gelegenheit , Seine Majestät mit aller Muße zu betrachten . Gerade vor unserem Gerüst mußt ' er fast eine Viertelstunde halten , ehe der Weg durch das Tor offen war . Nach den Gemälden Ludwigs XVI. zu urteilen , hat er viel Ähnlichkeit mit seinem unglücklichen Bruder . Die Nationalgarden riefen vive le roi , die Truppen aber marschierten stumm vorüber . Besonders die Garden . Ein verbissener Ingrimm war in die Gesichter der alten Grenadiers eingezeichnet . Vor einigen Tagen traf ich im Theater mit einem Herrn in einer Loge zusammen , den ich anfänglich für einen Deutschen oder Holländer hielt , bis ich durch ihn erfuhr , daß er Besitzungen in Anjou habe und jetzt als Deputierter hier sei . Weiterhin erzählte er mir , er habe seit drei Monaten weder Abgaben bezahlt , noch seien Rekruten eingezogen worden . Es habe