auch einmal erst ihre Handlungsbücher wieder revidiren und ihre Kundschaft begrüßen ; hernach mag ' s weiter gehen ! Werdeck behielt seinen Gleichmuth trotz drohender Vorboten einer Katastrophe , die ihn gegen das Frühjahr vernichtend traf . Man hielt ihm mehre Briefe entgegen , in denen seiner als eines Vertrauten und Eingeweihten fremder Emissäre Erwähnung geschah . Ja von einem Briefe war die Rede , den er selbst an Flüchtlinge geschrieben hätte . Zwar bekam der Angeschuldigte namenlose Zuschriften , die ihm anzeigten , daß es sich hier um ein boshaftes Komplott und eine großartige , weitverzweigte Fälschung handelte , aber ein Eklat war doch grell genug gegeben und Werdeck mußte sich einstweilen zur Disposition stellen lassen . Er schied mit Schmerz von seinen Kriegern , aber auch voll Bitterkeit . Die Untersuchung wurde parteiisch geführt , aber es fanden sich doch Zeichen , daß Werdeck ' s Verbindung mit irgend einem Geheimwesen nicht aus der Luft gegriffen war - ein Bund war da - Werdeck war das erste Opfer des Kleeblattsymboles - er mußte seinen Degen geben und , als er ihn später wieder empfangen sollte , sich einen Hausarrest gefallen lassen . Im Zorn zerbrach Werdeck diesen Degen und verschlimmerte dadurch seine Sache . Man nahm seine Papiere in Beschlag ; man fand Aufsätze über Veränderung der Heerverfassung , Tagebücher über Dienstverhältnisse , die alle nur dazu beitragen konnten , den Triumph seiner Gegner zu erhöhen . Die ganze Schmach , die über einen aus dem Bann seiner Dienstetikette herausgerissenen Krieger von den üblichen feudalen und kriegsrechtlichen Vorurtheilen verhängt werden konnte , lag schwer auf dem unglücklichen Manne , der nach der Befürchtung seiner Freunde leicht damit enden konnte , sich eine Kugel vor den Kopf zu brennen . Werdeck konnte sich nicht ganz vertheidigen . Er war in der That Mitglied eines Bundes , über den er jede Auskunft verweigerte ... Auch den Freunden drohte Gefahr . Ihre Verbindung mit Egon war für immer abgebrochen . Einmal noch hatte Egon , der Allmächtige , an Louis Armand im alten Tone geschrieben und ihn gebeten , zu einer bestimmten Stunde sich bei ihm einzufinden , sich mit ihm zu verständigen . Er hatte ihn gewarnt vor Verbindungen , die er nicht näher angeben wollte . Er hatte ihn nicht ohne Herzlichkeit bei der alten Freundschaft beschworen , zu ihm zurückzukehren und sich durch den Weg , den er als Staatsmann genommen , nicht beirren zu lassen . Louis Armand hatte ihm herzlich , aber ablehnend geantwortet . Du hast , mein Egon , schrieb er ihm , den Traum deiner Jugend ausgelebt ! Er war schön ... und heilig bleib ' uns die Erinnerung ! Deine Fußtapfen werd ' ich einst in Frankreich wiederfinden und Thränen sollen sie benetzen . Ich denke mir , es ist nur der irdische Stoff , der unsre Seelen auseinander trieb . Unser Ideal ist vielleicht noch immer dasselbe , nur daß ich mit einer Handvoll Arbeiter und einigen unabhängigen Denkern philosophire , du aber mit einem mächtigen Thron , einer stattlichen Kirche , einem gerüsteten Heere - ich glaube wohl , daß die positive Welt ihre eignen Bedingungen hat . Du besitzest einen hohen Bildnergeist . Du willst schaffen und achtest des Materials nicht viel , wenn es nur die Spuren deiner Hand annimmt . Die find ' ich reichlich in deiner Regierung und die Art , wie du willst , macht dir alle Ehre , wenn auch Das , was du willst , mich anweht , wie das kalte gräßliche Wort : Wir haben uns furchtbar aneinander getäuscht ! Ein Fürst , der die Laune hatte , Arkadien zu spielen , konnte in arkadischen Zeiten ewig der Freund des armen Ziegenhirten bleiben , den er in den Bergen liebgewann . Jetzt aber , wo die Ziegenhirten , barfuß und in Lumpen , selber aus den Bergen hervorkriechen und die Anmaßung besitzen , über die Welt , nicht blos über eine Panflöte , eine Meinung zu haben , jetzt hält sich ein solches Arkadien nicht lange , seine Ölbäume hängen trauernd ihre Zweige und seine Gipfel sind in Schnee gehüllt ... Egon hatte auf diese theilweise in Versen geschriebene Epistel immer noch warm und bittend geantwortet . Louis verstummte . Später schrieb ihm der Fürst noch einmal , er müsse ihn wegen seines Umgangs mit Leidenfrost , Dankmar , Werdeck , besonders aber wegen seiner Besuche in der Willing ' schen Fabrik und seiner Einwirkungen auf die Arbeiter warnen , er schickte sogar Agenten und Vertraute zu ihm . Louis erklärte , er wäre sich keines Misbrauchs der ihm hier bewilligten Gastfreundschaft bewußt , ja er hätte Beziehungen seines Ursprungs entdeckt , die ihm Heimatsrechte gäben . Tags darauf bekam er die Ausweisung aus der Stadt und der ganzen Monarchie . Es war dies dieselbe Zeit , wo Werdeck schon vor dem Kriegsgericht stand . Louis war zu stolz , Einspruch zu thun . Er nahm Abschied von Dankmar , Siegbert , Dystra , der sich den Freunden theilnehmend erhielt , wollte auch zu Leidenfrost , erfuhr aber , daß dieser , der schon seit seiner Rückkehr vom Ullagrunde seiner Grabesrede wegen unaufhörlich verfolgt und natürlich auch sogleich von der Excellenz von Harder aus seiner offiziellen Sphäre verbannt war , bereits gefangen säße . So blieb ihm nur Zeit , noch die uns bekannten Zeilen an Franziska Heunisch zu schreiben , Jagellona Werdeck zu trösten , die heldenmüthig jeden Trost ablehnte , von Murray Abschied zu nehmen , der absichtlich die Wohnung der Louise Eisold behielt , sich unter seinem englischen Namen als Kupferstecher behauptete und über das Vorhandensein eines Paul Zeck unter dem Siegel der Verschwiegenheit an Louis überraschende Mittheilungen machte , seine geschäftlichen Angelegenheiten zu ordnen und eine Stadt zu verlassen , die er unter so völlig entgegengesetzten , Gemüth und Geist so völlig anders ergreifenden Verhältnissen begrüßt hatte . Er begab sich vorläufig nach Belgien mit einer Empfindung , an die sich unsre Zeitgenossen gewöhnen müssen . Es ist