in Leipzig , am 9. in Frankfurt , am 16. in Chaumont , und sah sich , am selben Abend noch , in die beinah fluchtartige Rückzugsbewegung des großen Hauptquartiers hineingerissen . Endlich wieder zur Ruhe gekommen , schrieb er , anderthalb Wochen später , von Dijon aus . » Ich wollte zur Armee , wie Du weißt , und muß statt dessen im Rücken derselben umherziehen . Daß es im Gefolge des Hauptquartiers geschieht , bessert wenig . In diesem Augenblick sind wir , abgedrängt und gefährdet , ohne jede Nachricht von der Armee . Morgen aber will ich mich an Graf Lottum wenden , um aus seinem Munde zu hören , wie die Dinge stehen . Inzwischen gefällt mir Frankreich recht gut , wenigstens überall da , wo man noch etwas zu leben vorfindet . Die Leute sind höflich und freundlich und ich werde vortrefflich mit ihnen fertig . Zugleich erhalte ich Komplimente über Komplimente à cause de ma honnêteté . Ich bin fest überzeugt , daß die gelegentlich feindliche Haltung der Einwohner nur von dem zügellosen Betragen der alliierten Armeen herrührt . Die Verheerungen übersteigen alle Vorstellungen . Von Chaumont bis Troyes habe ich in den Dörfern keine Einwohner und von Nancy bis drei Lieues von Chatillon kein Federvieh gesehen . Und wem schaden wir durch solch Gebaren am meisten ? Uns selbst . Die nachrückenden Truppen finden nichts und müssen , nach starken Märschen , auch noch hungern . Eben hör ' ich , das Hauptquartier werde sich nach Lyon begeben . Ich glaub ' es jedoch nicht , daß wir bestimmt sind , so weit nach Süden hin auszubiegen . Geschäh ' es doch , so bekäme ich die schönsten Städte Frankreichs zu sehen und könnte vielleicht immer noch sagen › die Kampagne mitgemacht zu haben ‹ . « So Karl von Hertefeld am 27. März . Vier Tage später hatten sich die Dinge sehr geändert , und die Nachricht von der entscheidenden Niederlage Napoleons bei Arcis sur Aube , wie sie dem großen Hauptquartier bekannt geworden war , war auch zur Kenntnis unseres Briefschreibers gelangt . Er meldet erst das Tatsächliche dem Vater und fährt dann fort : » Es kommt dies alles vom Tische des Staatskanzlers , muß also wohl richtig sein . Übrigens wissen wir erst jetzt , daß wir in Bar sur Aube nahe daran gewesen sind , inklusive Hauptquartier und Kaiser von Österreich , aufgehoben zu werden . Am Morgen um 4 Uhr brachen wir von Bar sur Aube auf , und am Abend war – Napoleon in der Stadt . Der ganze Landstrich , in dem wir uns hier befinden , ist nicht annähernd so verwüstet , wie Lothringen und die Champagne , vielleicht weil überhaupt und vor allem keine Russen hierher gekommen sind . Die Einwohner sind äußerst zuvorkommend und das Hauptquartier hat keine Ursache zur Klage . Hier hab ' ich auch zum ersten Male ein französisches Schauspiel gesehen . Es war ein bürgerliches Lustspiel und übertraf alle meine Erwartungen . Wie hölzerne Klötze kommen mir unsere deutschen Schauspieler dagegen vor . Gestern wurde eine dreiaktige Oper › Virginie et Paulin ‹ angekündigt . Da fand ich nun freilich , und zumal in den effektvollen Szenen , meine Leute sehr verändert . Es gab ein förmliches Heulen , Schreien und Herumfahren auf dem Theater , alle waren wie Besessene , und ich fürchtete ein paarmal , sie würden sich die Kleider vom Leibe reißen . Wenn ich nicht mehrere Schauspieler vom Tage vorher in ihnen wiedererkannt hätte , so würde ich nie geglaubt haben , daß diese Menschen in einem Genre so gut und in dem anderen so unsinnig sein könnten . « Dieser zweite Brief aus Dijon ist vom 31. März . Schon am Tage vorher hatten sich die Dinge vor Paris entschieden , und Karl von Hertefeld brach aus der burgundischen Hauptstadt ( Dijon ) auf , um sich , auf nächstem Wege , nach der Landeshauptstadt zu begeben . Am 5. oder 6. April traf er daselbst ein und schrieb von hier aus einige durch gute Beobachtung , bon sens und Humor ausgezeichnete Briefe , denen ich folgende Stellen entnehme . Paris , 18. April 1814 . Ich habe nun die herrlichen Kunstwerke mit Muße angesehen und jedesmal , daß ich wieder hinkam , hab ' ich etwas neues Herrliches entdeckt . Welcher Reichtum an Gemälden hier zusammen gehäuft ist , kannst Du daraus abnehmen , daß sich hier allein fünfundzwanzig Raphaels befinden . Alles ist nach Schulen geordnet , und wundert es mich nur , daß man die deutsche mit der niederländischen zusammen geworfen hat . Und wie die Sammlungen , habe ich nun auch die berühmtesten Theater gesehen . Die große Oper ist herrlich , trotz des Gebrülls der Sänger bei Bravourarien . Ich sah Iphigénie en Aulide . Mir gefiel der Gesang anfänglich recht gut , als aber die Stelle kam , wo Achill und Agamemnon sich zanken , war es kaum zum Aushalten . Und doch erfolgte gerade jetzt ein Applaudissement , daß das Haus dröhnte . Hernach sah ich Orphée , der mir viel besser gefiel , weil nicht voll so stark geschrien wurde . Aber was soll ich vom Ballett sagen ! Das reißt einen ganz hin ; alles steht an seinem Platz und greift ineinander ; jeder Figurant ist in seiner Art ein Künstler . Will man aber einen Körper sehen , der zum Äther wird , so ist es die Gardel . Beschreiben läßt sich ihr Tanz gar nicht . Man sieht weder Gliederverdrehungen , noch tours de force ; alles ist Grazie , wenn sie über das Theater hinschwebt . Was aber am meisten zu verwundern ist , ist das , daß diese Frau schon zweiundvierzig Jahre zählt . Im Théâtre français habe ich Semiramis gesehen . Die berühmte George spielte die Semiramis und Talma den Arsace . Talma hat mir sehr genügt , aber die George gar nicht . Es ist sonderbar mit der