so lange das Christenthum die Lehre von einem Mittler zwischen Gott und dem Menschen aufstellt ... Hat Italien irgend einen politischen Reformator gehabt , den ihr euch ohne Verehrung vor dem Mysterium der Messe denken könnt ? ... Selbst Savonarola war kein Huß und kein Luther ... Der frostige Gedanke des Zweifels konnte nie die Oberherrschaft über Gemüther gewinnen , die nur Phantasie und Leidenschaft sind ... Und wo nun der Katholicismus sich nicht ausrotten läßt , da - ... Ließe sich nicht die Hierarchie ausrotten ? riefen andere Stimmen . Das bestreiten wir ! ... Rom ist das reine Priesterthum - fuhr der Vertheidiger der Hierarchie fort und ließ sich nicht irre machen ... Rom kann der Duft , der höchste Auszug des katholischen Priesterthums bleiben ... Alles , was für die schweren Pflichten des katholischen Priesters seine Belohnung , seine Erquickung , sein Entzücken ist , ist der Blick auf die Würden , die er erklimmen kann - auf das letzte Ziel , das ihm vom Tabernakel der Peterskirche in Rom leuchtet ... Die Theokratie ist kein Gedanke der Macht , der Herrschaft , kein Gedanke der reinen Aeußerlichkeit und Weltlichkeit - ... Sie ist - ... Ein Wahngebilde der Phantasten ! Ein Schlupfwinkel der Räuber und Mörder ! donnerte der Kohlenbrenner ... Wie könnt ihr von einem geläuterten Papstthum sprechen ! Wie könnt ihr den Papst an die Spitze unserer Reform stellen ! ... Das wird vielleicht die Frauen gewinnen , die weichmüthigen Seelen , aber nie gibt es ein Fundament für die Hoffnungen Italiens ... Ein Menschenalter verrinnt und wieder tauchen Ceccones und Fefelottis auf - ... Sie , die beiden Arme des Papstthums , die sich verschränken konnten in Thaten , wie dieser teuflische Plan gegen die Gebrüder Bandiera war ... Die Bandiera ? sprach jetzt Benno laut und vernehmlich dazwischen ... Die streitenden Principien - den Kampf der Lehren Gioberti ' s und Mazzini ' s - verstand er , aber die Ursache desselben blieb ihm fremd ... Alle wandten sich ... Benno war es fast , als regte sich sein Gegenüber , der zweite der schwarzen Leichenbrüder , noch lebhafter als bisher ... Aber die stürmende Rede des Kohlenbrenners übertönte alles - auch eine Antwort auf Benno ' s Frage ... Rom bleibt so lange das Verderben der Welt , fuhr dieser fort , als seine Gestalt nicht eine rein weltliche , der geistliche Hof für immer aufgehoben wird ... Ich bin im Princip für die Republik ... Doch ich werde gegen sie sein müssen , weil leider sie es ist , die , auf die Massen und deren geringe Bildung gebaut , uns immer und immer wieder in Rom die Macht der Päpste zurückgeführt hat ... Ich muß aus praktischen Gründen gegen sie sein ... Wir müssen nach Rom ein weltliches Königthum in den Formen der Neuzeit verpflanzen ... Ha , die Könige ! - ... Die , die ich so liebe , und besonders die , die mit der Lüge der constitutionellen Formen gekräftigt sind , die wissen sich auszudehnen und zu befestigen ... Das sind Schmarotzerpflanzen , die Boden und Luft brauchen und beides nur zu bald gewinnen werden ... Die pflanzen an die Stelle der geistlichen Legitimität ihre weltliche ; die sorgen für ihr Geschlecht , für die , die ihm dienen ... Wir müssen Rom einem Könige schenken , selbst wenn keiner die Hand danach ausstreckt ! Wir müssen ihm den Köder unserer eigenen Freiheit bieten , die wir ihm eine Weile opfern ! ... Ich gebe Rom an den , der das Meiste bietet und das Wenigste verlangt ... Dem Türken , wenn er es begehrt ! ... Nur nicht einem Volkstribunen , der sich bisjetzt nur noch durch den Aberglauben der Masse hat halten können und zuletzt so regiert , wie die Ceccones regierten - durch die Räuber ... In hundert Jahren hat der Italiener eine Bildung und Erziehung gewonnen , dann - ... Zwei Anhänger der Republik - einer darunter hatte deutlich die Stimme eines Buonaparte , den noch vor kurzem Benno an Rucca ' s Tafel gesehen - stellten diese retrogade Wendung , die auch noch jetzt die Republik nehmen würde , in Abrede ... Die Mehrzahl widersprach aber allen diesen Anschauungen ... Sie blieb bei dem Glauben , daß gerade durch die dreifache Krone Italiens Zukunft am ehesten gewinnen würde ... Die Fürsten böten keine Bürgschaft ... Die Läuterung des Papstthums von seinen unreinen Elementen , die Sicherung einer bessern Wahl der Umgebungen des Heiligen Vaters , die Auflösung des Jesuitenordens schien der Mehrzahl die sicherste Aussicht für die Verwirklichung ihrer Hoffnungen ... In der Abwehr der Fremden waren alle einig ... Diejenigen , die der Hierarchie überhaupt , dem Priesterwesen und der katholischen Kirche abgeneigt waren , blieben in der Minderzahl ... Und jetzt lachten sie selbst darüber , daß in Italien besonders erhebliche Wirkungen durch Volksunterricht , Verbesserung der Schulen , die Verbreitung nützlicher Schriften zu erreichen wären ... Benno sah , daß er sich unter Männern der höheren Gesellschaft befand , die in der Mehrzahl sich noch vor äußersten Schritten hüteten ... Die Idee des Papstthums möglichst von weltlichem Einflusse zu reinigen , die nächst bevorstehende Wahl auf einen Italiener voll Nationalgefühl und politischer Aufklärung zu lenken , die Cardinäle , die jetzt den meisten Einfluß hätten , unschädlich zu machen und den Volksgeist so zu beleben , daß er an allem , was zur Erhebung Italiens geschähe , ein Interesse nähme - das blieb die Losung der Majorität ... Unter den Hoffnungen für die Papstwahl wurde Cardinal Ambrosi genannt , den freilich wieder andere eine Creatur der Intriguanten und Tyrannen nannten ... La morte a Ceccone ! La morte a Fefelotti ! war die Schlußbekräftigung ... Dieser Ausruf kam einstimmig ... Er drückte einen Wunsch , eine moralische Verurtheilung , wie unser Pereat ! - keine Losung zum Morde aus ... Dennoch folgte Todtenstille ... Jetzt fragte Benno , was den Unwillen der Versammlung in Betreff Porto d '