Und ich nenne Das an Ihnen aristokratisch . O , Sie wissen gar nicht , wie aristokratisch Sie sind . Dankmar mußte lachen ... Lachen Sie nicht ! Ich wünschte wol , Jeder wüßte sich zu beherrschen ... Sie haben Takt - Takt ist eine der schönsten Tugenden des Menschen ! Ich wiederhole ein Wort der edlen Anna von Harder : Takt ist der Verstand des Herzens . Den Verstand des Verstandes kennen wir , den haben Tausende ! Den Verstand des Herzens haben Wenige ; Wenige dies sichre Gefühl , was Andern wohlthun , was sie verletzen könnte . Der echte , wahre Takt ist keine kalte Welttugend , keine bloße Formenglätte des Benehmens . Der Taktvolle kann im Grunde nur ein guter Mensch sein und ein bescheidner . Wie hab ' ich bei der Fürstin Wäsämskoi Ihren Takt bewundert ! Sehen Sie ! Sie kommt daher ... Dankmar zahlte eben den vollen vierten Thaler für einen Scherz , den er Armand verehren wollte und wollte nun gehen , da er die Fürstin zu vermeiden wünschte . Doch fesselte noch eine andere » Boutike « die Fürstin ... Noch Eins ! sagte Fräulein von Flottwitz . Beruhigen Sie mich , daß Sie sich nicht in Gefahren begeben . Vermeiden Sie diesen Louis Armand , diesen Leidenfrost , den verrätherischen Major von Werdeck - ich beschwöre Sie - es ziehen sich Ungewitter über Ihnen Allen zusammen - Wildungen ! Lassen Sie von dieser entsetzlichen Verblendung Ihrer Gesinnungen ! Werdeck hat sich nicht vertheidigen können . Er behält den Hausarrest , seine Papiere sind in Beschlag genommen ... Dankmar wollte erwidern . Sie wurden von Offizieren gestört , die ihre Freischärler und Wühlhubers von Chokolade und Dragée durch den Saal wie Siegstrophäen trugen und die Bärte dieser wilden Kerle analysirten ... Sie blieben bei Fräulein von Flottwitz stehen . Dankmar ging . Mit flüchtigem Gruß huschte er an der Trompetta , die ihn doch auch noch ausbeuten , wenigstens nach seinem Prozeß fragen wollte , vorüber . Wehmuth ergriff ihn über die Welt , die Zeit , auch über dies vielbewunderte und vielverspottete Mädchen . Ob seine Einwände auf Friederike Wilhelmine von Flottwitz Eindruck gemacht und ihre Ansichten berichtigt hätten , mußte er bezweifeln . Solchem Fanatismus gegenüber war keine Verständigung möglich , selbst durch die Liebe nicht und wahrhaft schmerzlich ergriff es ihn , daß ein Wesen so reiner , lichtreiner Natur , so liebenswürdig , so aufopferungsfähig , so heroisch und charaktervoll , ein Wesen , vielleicht ganz geschaffen , auch ihn zu verstehen , ihn selbst glücklich zu machen , doch durch den Zwiespalt der Zeit ewig von ihm getrennt und für ein Andersdenken völlig unempfänglich war ... Ein Weib in seinen Armen zu halten , das eine von seinem innersten Menschen getrennte Selbständigkeit beanspruchte , wäre ihm fürchterlich gewesen . Dies Mädchen , so reizend , so poetisch , so weihevoll gestimmt ... es liebte ihn ... er sah es ... und ihn selbst durchzuckte es , als er einen Augenblick beim Berichtigen seiner Einkäufe leise ihre Finger berührte . Er konnte sich denken , wie treu , wie hingegeben , wie seelenvoll Wilhelmine an ihm hängen konnte ; er fühlte die Kraft ihres Willens , ihrer hohen Weiblichkeit in ihn überströmen durch diese einzige Berührung , durch den wehmüthigen Abschiedsblick und doch getrennt - doch furchtbar getrennt ! - Es überrieselte ihn kalt , als er solcher Geheimnisse der Zeit gedachte und es bedurfte mehrer Tage , bis er sich von dem schmerzlichen Eindruck dieser Begegnung erholen konnte . Ein weibliches Bild , das ihm da dann immer lächelnd und tröstend entgegentrat , blieb Selma . Wie sehnte er sich nach dieser Gestalt , nach diesem Wiedersehen ! Doch nahm ihn der Ernst des Augenblicks zu sehr in Anspruch ... Über Werdeck ' s Brief las man in allen Zeitungen das Empörendste . Und Dankmar wurde sogar von dem halbgefangenen Major ersucht , sich ihm eine Weile fern zu halten ... In wenig Tagen hofften die Freunde die Berichtigung dieser gefahrdrohenden Irrungen . Fünfzehntes Capitel Stürme Fürst Egon von Hohenberg ging auf der Bahn , die er sich einmal vorgezeichnet hatte , unerschrocken weiter . Das sichre und feste Auftreten , das jeden seiner Schritte bezeichnete , verlieh ihnen eben so vielen Erfolg , wie die allgemeine Abspannung einer Zeit , die nach manchem Sturm und Wirbelwinde sich auf dem noch so haltlosen Platze , wo sie sich grade befand , doch erst zurechtfinden und mit dem nächsten Bedürfnisse wieder vermitteln wollte . Major von Werdeck bezeichnete Das in seiner Weise einst unter den Freunden , die voll Kummer die über ihn verbreiteten falschen und lügnerischen Berichte vernahmen , mit den Worten : Es muß doch nun Jeder erst wieder sehen , was inzwischen aus seinem Kraut- und Rübenacker geworden ist ! Die gekündigten Kapitalien müssen doch erst wieder neu angelegt werden , die Staatspapiere ein wenig höher auf der Skala des Vertrauens steigen . So rasch geht Das nicht Alles ! Wenn man marschirt , macht man immer nur so lange Tour , bis die Arrièregarde , das Bagage- und Trainwesen in Ordnung ist . So lange ruht man . Dann geht ' s weiter . Und ... setzte er in seinem noch ungestörten Humor damals hinzu . Die vielen Mädchen , die inzwischen mannbar geworden sind ! Für die muß doch auch erst wieder ihre Zeit kommen . Es müssen doch erst wieder Hochzeiten gemacht werden . Der große Lebenszweck darf doch nicht aussterben . Das geht nicht , daß sich Alles ewig und immer in prekärer Unklarheit so fortwälzt und nicht mehr Bälle und Verlobungen stattfänden . Nein , da sorgen schon die Mütter für . Die stemmen sich mit Riesenkraft gegen den rollenden Wagen der Zeit und legen seinen Rädern ihre Hauspantoffeln als Hemmschuhe unter . Die eigentliche Aufgabe des Menschengeschlechts , die Familie und ihre Versorgung , darf nicht zu kurz kommen und die Kaufleute und Krämer und Handwerker wollen doch