, solang er will , denn ich gehe davon aus , daß ein jugendlicher Körper , nach dem beständigen Umherspringen , auch wieder seine volle Ruhe haben muß . Gemeinhin ist er um 8 Uhr munter , wird gewaschen und gekleidet , frühstückt mit mir , liest unter Aufsicht und Anleitung und geht dann ins Freie . Gegen 11 Uhr ist er wieder um mich her , sieht sich Bilder an oder spielt , oder liest mir auch wohl aus seinen Kinderbüchern vor , wobei sich ' s gebietet , mit Geduld und Teilnahme zu folgen . Am Nachmittage beginnen dann seine Spaziergänge , zunächst wieder in den Garten , in dem er mit Hacke , Spaten und Schubkarren tätig ist , und danach , in meiner Begleitung , in Feld oder Wald . Ist schlimmes Wetter , so muß allerhand Spielzeug aushelfen . Und um 9 Uhr zu Bett . « 39 Überblicke ich alles an dieser und anderer Stelle Gesagte , so läßt sich leicht erkennen , daß er von einer auf Beispiel und Anschauung den Akzent legenden Erziehung sehr viel , von der eigentlichen » Schule « aber sehr wenig hielt . Er betonte Gesinnung , Form und gute Sitten , das Lernen dagegen mußte sich wie von selber machen . Und wenn er nichtsdestoweniger ein promptes Innehalten der Lehrstunden forderte , so geschah es vorzugsweise um Disziplin und Ordnung willen . 1804 entspann sich , bei Gelegenheit eines schon früher erwähnten Ferienbesuchs , ein intimes Freundschaftsverhältnis zwischen dem zehnjährigen » Onkel Karl « und seinem siebenjährigen Neffen Heinrich von Dankelmann . » Es ist meine tägliche Freude « , schreibt der Alte , » die Kinder zu sehen . Sie bauen und pflegen das Stück Gartenland , das ich ihnen gegeben habe , reiten und fahren , und gehen sogar auf Jagd , seit Karl eine Flinte hat . Er ist geschickt genug und hat neulich eine Elster , eine Krähe und ein Eichkätzchen geschossen . Auch im Hause wissen sie sich gut genug zu bewegen und selbst in den Unterrichtsstunden trennen sie sich nicht . Ich war heute bei einer Geographiestunde zugegen und sah , wie Heinrich , dem die Sache noch zu gelehrt vorkam , über einem Fabelbuche saß . Sie lesen viel aus dem Robinson und überhaupt aus Campes Kinderbibliothek . Alles aber verschwindet neben einem Schiff mit Segeln und mehr noch neben einer Elektrisiermaschine , die ich Karl zu Weihnachten geschenkt habe . Vor dieser sitzen sie stundenlang und drehen und laden Flaschen , und freuen sich , wenn der Funke überspringt . « Ein halbes Jahr lang dauerten diese » Ferien « , und als endlich die Trennung erfolgen mußte , beschloß der alte Freiherr , um Karl in seiner Vereinsamung zu trösten oder schadlos zu halten , eine Reise mit ihm zu machen . Und zwar nach Hamburg . Das war im Mai oder Juni 1805 , und der phantasievolle Knabe begeisterte sich nicht nur an der sich groß und neu vor ihm erschließenden Welt , sondern unterließ auch nicht , eine Beschreibung davon in einem sechzehn Quartseiten langen Briefe zu Papier zu bringen . Eben dieser Brief ist uns aufbewahrt geblieben und kann , als Elaborat eines Zehnjährigen , für musterhaft gelten . Er zeigt schon , neben einer überraschend scharfen Beobachtung , denselben guten Humor , der seine späteren Briefe , von denen ich einige mitzuteilen gedenke , kennzeichnet . In Vater und Sohn ist dasselbe talent épistolaire erkennbar , trotzdem ihre Schreibweise sehr verschieden ist . In dem Vater herrscht der Philosoph , in dem Sohn der matter of fact-Mann vor . An die Rückreise von Hamburg schloß sich ein kurzer Aufenthalt in Berlin , wo Geheimrat Dr. Formey wegen Karls » anfälliger Gesundheit « konsultiert werden sollte . Formey gab aber Trost und Hoffnung und versicherte , » daß das alles mit einem schwachen Nervensystem zusammenhänge ; später werde er gesund werden , ganz gesund . « Und er hatte wahr gesprochen . Aus den Jahren , die nun unmittelbar folgen , erfahren wir wenig , und erst um 1808 werden die Mitteilungen wieder reicher . Karl von Hertefeld ist nun vierzehn Jahre geworden und hat ganz die Beschäftigungen und Allüren eines angehenden Junkers . » Er bengelt jetzt viel und seine Passion fürs Umhertummeln wächst , seit ich ihm letzte Weihnachten die kleine Fuchsstute geschenkt habe . Beständig liegt er draußen , um einen seltenen Hasen aufzuspüren , denkt an nichts mehr als an Hunde und Pferde , und pflegt , wenn sich die Gelegenheit bietet , die sechs Meilen zwischen Liebenberg und Berlin im Sattel zu machen . « Er wurde nun auch ganz als » Erbprinz « gehalten , und im folgenden Jahre veranstaltete der alte Freiherr , der die Menschen und ganz besonders seine Liebenberger kannte , einen erbprinzlichen Geburtstag . » Am 27. vorigen Monats haben wir Karls Geburtstag durch eine Hochzeit gefeiert . Eins unserer Hausmädchen , das von mir ausgestattet war , wurde mit ihrem Bräutigam getraut , den ich vorher eigens zum Hofmeier ernannt hatte . Fockes aus Berlin waren mit zugegen und freuten sich der ländlichen Szene , die für die Großstädter etwas Neues und für die Liebenberger ein Festtag war . « In demselben Winter wurde Karl » in den Unterricht « geschickt , oder , um es noch märkischer auszudrücken , » in die Predigerstunde « , was , da Liebenberg keinen Prediger hatte , mit einer allwöchentlich zweimaligen Reise nach Zehdenick gleichbedeutend war . Ostern 1810 erfolgte dann die Konfirmation . Und nun war die Zeit da , wo die längst angeregte Frage : » wie es mit der weitren wissenschaftlichen Ausbildung des Sohnes zu halten sei « , wenigstens auf ein paar Wochen hin eine wiederum viel ventilierte wurde . Das Liebenberger Leben in seiner Eingezogenheit und Stille konnte schließlich nicht ewig dauern , und Alexandrine , die , wie bei allem , so auch hierin zu Rate gezogen wurde , proponierte schließlich