nicht leer . Die Mode dieser Verkäufe war schon etwas im Absterben , sie erschien als ein zu weltlicher Vorläufer der » innern Mission . « Es fand sich Gelegenheit , daß Dankmar an den Verkaufstisch des Fräuleins treten konnte , wie dieser grade leer war - seinen Bruder Siegbert fesselte Frau von Trompetta an einem andern Stande - zum Schrecken für seine Börse , die nicht ausreichte für die Fülle von jolis riens , die Frau von Trompetta schmetternd anzupreisen wußte . Die Trompetta wollte um jeden Preis das reichste Ergebniß der Ausstellung erzielen . Ihre Kasse mußte die einträglichst gewesene sein und dadurch verfiel die gute Frau förmlich in ein Locken , Zwitschern und Verführen jedes Vorübergehenden , sodaß man in ihr wirklich ein Talent für den Handelsstand entdeckte und es von den andern verletzten vornehmen Damen vielfach rühmen hörte , wie gut sie » schachern « könne . Den armen Siegbert ließ die Trompetta unter fünf Thalern wenigstens nicht von dannen . Das war ein Preisen , ein Schäkern , ein Kichern und dabei ein Predigen über Liebe und Wohlthätigkeit , Das war ein Forschen , ein Fragen nach den Schicksalen des so lange nicht Gesehenen ! Und als sie ihm nun gar noch mit Gewalt einen bunten Lappen zum Tinteausspritzen um einen Thaler empfehlen wollte , kam ihm glücklicherweise die Fürstin Wäsämskoi , mit der er sich hier ein Rendezvous gegeben hatte , zu Hülfe und kaufte so stark , so guten Humors , daß die Trompetta alle Chronique scandaleuse über ihre guten Geschäfte vergaß und im Jubel über die gefüllte Kasse alle sittlichen Irrthümer der Welt mit dem Schleier der Vergessenheit bedeckte ... Dankmar ' n aber ging es nicht so gut . Fräulein Wilhelmine , hocherröthend über diese ihr trotz der entgegengesetzten Meinung so theure Begegnung , hätte von den Offizieren , die bei ihr hatten kaufen wollen , vielleicht nicht einmal viel eingenommen . Sie hielt sie aber auch nicht fest , selbst wenn sie gefülltere Börsen hätte voraussetzen dürfen . Dankmar ' n aber ließ sie nicht , was ihm Geld kostete . In ihrem fesselnden Gespräche mußte er doch wol Falzbeine , Briefbeschwerer , Börsen , Federputzer , eins nach dem andern erstehen . Das politische Thema war dabei sogleich im Gange , sogleich mußte sie den kleinen Scherzen Dankmar ' s über die Gypsbüste des Königs in ihrer Nähe Rede stehen und ihm die Lehre geben : Sie Unverbesserlicher ! Spotten Sie schon wieder ? In diesem Bilde liegt der allmächtig ausströmende Zauber einer Persönlichkeit , die der Träger unsrer theuersten Begriffe ist ! Für mich knüpft sich an diesen edlen Jünglingskopf , der so traurig auf seine ernste Lebensaufgabe herniederzublicken scheint , doch die ganze Geschichte unsres Vaterlandes , die Vergangenheit und die Zukunft und der regelmäßige Gang unsres früheren Staatslebens und der Schmerz um die gestörte Ordnung dieses Ganges und die Verzweiflung über die neuen Bahnen , die er jetzt wandeln soll und die , wir ahnen es , zu seinem Verderben führen werden . Ja ! Ja ! Sie Böser ! In den wogenden Schwankungen des öffentlichen Lebens was bleibt sicherer , als die geheiligte Person des Monarchen , der da sagen kann : Ich , der Fürst und der Herr ? Wo ist denn auch ein Wesen , das öffentlich wirkt und von uns mit ganzer Liebe erfaßt werden kann ? Sie sprechen vielleicht von Ihrem Freunde Egon von Hohenberg , wenn er noch Ihr Freund ist ? Er ist lobenswerth , seit er seinem Könige und Herrn dient , aber wer kann sich an ihm wie an einem Anker halten ? An diesem Bilde halten wir uns . Wo der Herr und König steht , da stehen unsre theuersten Güter , da steht das Vaterland , die Ehre der Monarchie , der Ruhm des Kriegsheeres , Güter , die Sie gering achten mögen , die aber in den Zeiten der Gefahr die einzige sittlichberechtigte Entscheidung geben . Dankmar zog die Börse und zahlte schon den dritten Thaler für einen kleinen Wandhaken , um eine Uhr daran zu hängen . Seine Finanzen waren seit geraumer Zeit so schwierig , daß ihm diese Uhr selbst in Gefahr scheinen durfte , nun trotz des Wandhakens . Sie sind eine Schwärmerin , mein Fräulein , mußte er sagen , als sie ihm den Haken in eine reaktionäre Zeitschrift wickelte . Sie huldigen Ihren Göttern wie eine geweihte Priesterin . Ich ehre Ihre Weihe , fliehe aber Ihre Altäre . Diese Altäre verlangen Menschen-und Begriffsopfer . Dieser Kultus gibt verbrecherisch Alles hin , was seit Jahrhunderten von der Menschheit für die Menschheit erstrebt wurde . Ihre Freunde sind mir grauenvoll ; ich hasse sie . Verrathen Sie mich da dem Rathe , dort jenem Obersten , dem Kammerherrn ... ... ich mache Platz ; ich hindere Sie am Verkaufen . Nein , bleiben Sie ! ... Also keine Abhängigkeit , keinen Gehorsam , keine Liebe mehr ? Abhängigkeit , Gehorsam , Liebe ! Auch diese Empfindungen sollen in ' s öffentliche Leben zurückkehren , ja sogar seine Stütze werden . Aber da - diese Reubündler , sie wollen ja nur vom Fürsten und seinem Glanze abhängig sein , um in der Sonne der Majestät mit zu glänzen . Diese abscheuliche royalistische Eitelkeit ! Zu tief in das feudale Europa hat sie sich eingenistet ! Sie sind auf dem Wege , daß der Glanz der Dynastieen zu einer allgemeinen Landes- und Volkssache erhoben werden soll und in gräßlicher Überspannung ein Staatsleben geschaffen wird , das eine Sünde gegen Gott ist . So gereizt war Dankmar seit einiger Zeit , daß er selbst bei solcher Gelegenheit nicht mehr spielen und tändeln konnte . Die Gruppe der Blumen und des Monarchen war von vornehmen Damen und Herren umstanden und mit Entzücken betrachtete man den Einfall , auch das Landeswappen aus einigen Kränzen darzustellen . Sie sehen , sagte Fräulein von Flottwitz , Sie kommen mit Ihrer destruktiven Kälte hier nicht durch . Ein