ich weinen mußte , ich wußte nicht wie , und wo ich nur Eines klar verstand : Deinen Tadel , Papa Rudhard , deine schneidenden Proteste gegen meinen stillen Hang zur Einsamkeit ! « Dankmar mußte inne halten und voll Überraschung Dystra und den Bruder anblicken ... Charmant ! charmant ! sagte Dystra beistimmend und fast von aufwallender Liebe bewegt . Drei Männer , so die Entwickelung eines Mädchens kritisirend , boten Siegbert fast den Stoff eines Gemäldes . Er selbst blickte tief innenwärts und gedachte des Augenblicks , wo dies träumerische Kind einst an seine Brust sank und mit den großen braunen Augen ihn wie in eine unergründliche Tiefe blicken ließ . Dann horchte er dem Folgenden : » Viel Belehrendes über das Schöne erfuhr ich auch von Heinrichson , der ein berühmter Maler ist und uns in Mailand begegnete , weil er auch nach Rom reist . Dieser Mann ist sehr schön und ich höre ihn gern reden , weil er Kenntnisse und Witz besitzt . Auch lieb ' ich an ihm , daß er ... « Lesen Sie ' s nur ! rief Dystra dem stockenden Dankmar zu , der Siegbert sich entfärben sah ... » Ich liebe an ihm , daß er der Freund meines Freundes ist « ... Das geht doch noch ! sagte Dystra und nickte Siegbert zu . Siegbert fand , um auszuweichen , es vollkommen im Charakter Heinrichson ' s , sich bei Olga unter dem Schutze einer Lüge einzuführen . Mein Freund ! sagte er staunend . » Die Tante , fuhr Dankmar zu lesen fort , ist gegen Herrn Heinrichson kühl und gleichgültig . Er muß uns jetzt in Rom , wo wir ihn wiedergefunden haben , oft den Shawl und die Operngläser tragen . Ich glaube , daß er dies , so lächerlich es ist , gern thut , weil er die Tante liebt . Aber die gute Helene wird nie mehr lieben . Ihr Andenken ist dem unvergeßlichen Egon geweiht , den ich doppelt und dreifach hasse , weil er so viel Zärtlichkeit mit Geringschätzung erwidern konnte . Oft weint meine gute Helene , nimmt mich dann auf den Schooß und erzählt mir , worin Alles Egon so liebenswürdig gewesen ist . Seine Seele war kindlich und rein , spricht sie dann , er tändelte durch ' s Leben und Alles , was er wie im Spiele ergriff , hatte hohe Bedeutung . Ich weiß es auch , wenn ihn jetzt der Beifall eines ganzen Volks begrüßt und sein König ihm gestattet , alle Orden der Welt zu tragen und ihm den besten , den er selbst besitzt , umhängen mag , sein Herz wird nicht Ruhe haben . Ich weiß es , selbst im Besitz der schönen Melanie wird ihm oft weh um sein Inneres werden und in stillem Schmerze wird er ausrufen : Helene ! Helene ! Und dann tröst ' ich sie , so gut ich es kann , indem ich ihr von den Schicksalen Valentinen ' s , Indianen ' s , Faustinen ' s erzähle . Auf alle diese edlen Frauen , deren Leiden Georg Sand und die deutsche Gräfin beschrieben haben , senkte sich das himmlische Manna der Ergebung und Erlösung herab . Ach , Papa Rudhard ! Warum zürnst du so den Mönchen und Nonnen ! Klöster hab ' ich gesehen , Klöster ... mit Gärten , mit kleinen Cellen , mit heiligen Kirchen , in denen die Lichter brennen und Weihrauchdüfte die Seele emporziehen . Ach ! so einen stillen Platz wie in Florenz und Genua oft die frommen Schwestern haben , Weinranken um das kleine Fenster , jeder Schwester ein Blumenbeet gehörend und das Alles jetzt , wo bei Euch der Winter schon tobt , noch so frühlingsfrisch , so maiblühend ... ich bin gewiß , die Tante bliebe in einem solchen Kloster , wenn sie nicht in Paris noch gebunden wäre « ... Aha ! sagte Dystra , Das ist das bekannte Ende ! Das arme Kind wird methodisch ruinirt ! Aber Bitte ! sagte Siegbert . Das noch einmal ! Gebunden in Paris ? Dankmar und Dystra mußten gestehen , daß der Ausdruck : » Wenn sie nicht in Paris noch gebunden wäre « für eine eheliche Verpflichtung ein Triumph der modernen gesellschaftlichen Freigeisterei war . Siegbert aber im Stillen war über die Klosterschwärmerei seiner Olga doch tief ergriffen ; denn er fühlte , daß diesem Triebe alles Das zum Grunde lag , was ihn selber beseligte , mochte er auch mit Klöstern nur in ästhetischer und kunstidealer Verbindung stehen . Wir sind sogleich zu Ende , sagte Dankmar und schloß die Vorlesung : » Ich wünsche Rurik und Paulowna die besten Weihnachtsgeschenke und bitte dich , Papa Rudhard , aus meiner Sparbüchse etwas für sie zu kaufen . Herr von Dystra hat sie , wie ich höre , sehr reich beschenkt . Es ist die Art der Menschen , die « ... Lesen Sie nur ! sagte Dystra , als Dankmar stockte ... » Es ist die Art der Menschen , die nicht durch sich selber Interesse einflößen können « ... Abscheulich ! ... Dystra trat vor den Spiegel , seine Toilette musternd und auf den Fußspitzen sich erhebend ... » Sich auf die Wirkung ihrer Geschenke zu verlassen . Wenn dieser Herr glaubt , dadurch auf mich vortheilhaft zu wirken , so bedaur ' ich die Verblendung . Nach Allem , was ich von dem Baron höre , glaubte er in mir ein Kind zu finden , das ihm für seine Liebe die Hand küssen würde . So habt ihr mich ihm dargestellt ... nein , ich will diese Zeilen mit keinem Miston schließen . Sie kommen aus dem Lande der Harmonieen ! Grüßt Die , die mich verstehen ! Und wo meine Seele weilt , weißt du , Vater Rudhard ! Ein Gott und eine Liebe ! Das ist der Wahlspruch Eurer Olga Wäsämskoi . « Als Dankmar geendigt hatte , bemerkte Dystra ,