sowohl zur Kennzeichnung des Schreibers , wie der Situation , eine Stelle finden mögen . Alles in ihnen ebenso weisheits- wie liebevoll . 19. April . » Mein lieber Sohn . Für mich , als Deinem Dich liebenden und seinem Ende sehr nah sich fühlenden Vater , ist es ein Hartes , Dir in einer Sache Rat zu geben , die mich niederdrückt . Ich wünsche nicht , daß Du als Gemeiner in eine ohnehin trübselige Laufbahn eintreten möchtest . Wäre es möglich , daß Du als Freiwilliger auf Deine Kosten dienen und in der Adjutantur ankommen könntest , so wäre mir das das Liebste . Ich weiß , daß Enthusiasmus Dich treibt , aber sieh Dich vor , daß er Dich nicht zu Schritten verleitet , die Dir später unangenehm werden könnten . Glaube mir als einem alten , erfahrenen und vorurteilsfreien Manne , der Militärstand ist eine splendide Misere . Wenn man eine Zeitlang darin gearbeitet hat , so fühlt man erst das Angenehme der Independenz , und wie nützlich sich der macht , der als Privatier seine Güter selbst bewirtschaftet . Er dient dem allgemeinen Besten und braucht mit seiner Meinung nicht zurückzuhalten . Er ist ein freier Mann , der auch frei sprechen darf . Fessele Dich also nicht für immer . « Den 22. April . » Ich kenne nun Deinen Entschluß , bei Major von Colombs Husaren eintreten zu wollen und kann ihn nicht tadeln . Der Major hat den Ruf eines tätigen und gescheiten Mannes . Wenn Du mit ihm sprichst , so sag ' ihm Deine verfehlte vorjährige Dienstnehmung . Vielleicht kann er Dich zum Junker ernennen . Daß Du die Garden vermeiden willst , kann ich nur billigen ; diese haben den alten unschicklichen Ton angenommen , 38 der sie dem Bürgerstande anstößig machen muß . « 25 April . » Über unser Aufrufs-Edikt , wenn ich darüber sprechen wollte , wäre kein Ende . Was soll die Menge Kinder , die zusammenläuft , teils um der Schule , teils um der elterlichen Vormundschaft zu entweichen . Wir hatten ja Landwehren genug , die nur allenfalls der Komplettierung bedurften . Ich bin ein Feind alles Enthusiasmus , weil er sich auf Kosten der gesunden Vernunft eindrängt . › Kalt überlegt und warm ausgeführt ‹ , das ist mein Denkspruch . « 8. Mai . » Du mußt mich nun verlassen , mein lieber Sohn , in einem Zeitpunkte , in dem ich aus dieser Zeitlichkeit scheiden werde . Gott segne Dich und stehe Dir bei in Gefahren und führe Dich gesund und tugendhaft in Deine väterliche Wohnung zurück . Mich wirst Du nicht wiederfinden . Ist es aber meinem Geist erlaubt , Dich zu umschweben , so wird er stets mit Dir sein . Auf Dir ruht das Glück und der Wohlstand Deiner Schwester ; Du kannst als ein unabhängiger Mann leben und als solcher viel Gutes fördern . Darum , lieber Sohn , verlasse Deine Güter nicht , gib sie nicht aus der Hand um bloßer Ehrenvorzüge willen , sondern bleibe selbständig . Dein Schwager ist Dein Vormund bis zu Deiner Großjährigkeit . Nochmals lebe wohl und glücklich , und denk ' an Deinen dahin welkenden Vater , als an einen verlorenen , schlichten , aber treuen Freund . « Es war des Alten aufrichtiger Glaube , daß er vor Rückkehr des Sohnes abscheiden werde . Der rasche Gang des Krieges aber übertraf alle Hoffnungen und im Herbste war ihm noch ein Wiedersehen gegönnt , die letzte große Freude seines Lebens , denn seine Tage waren allerdings gezählt . Immer deutlicher stellte sich ein wassersüchtiger Zustand heraus , und der alte Heim wurde konsultiert , ohne daß seine Mittel eine Linderung herbeigeführt hätten . Im Gegenteil . Unter diesen immer wachsenden Beschwerden und Beängstigungen war es , daß ihm , zum Ordensfeste 1816 , das Eiserne Kreuz verliehen wurde . Die Nachricht davon konnte nur noch ein Lächeln in ihm wecken , und nebenher eine Verlegenheit darüber , wie der Dank dafür wohl abzustatten sei . Den Eitelkeiten der Welt hatte sein Herz früh entsagt , und das Wenige , was ihm davon geblieben sein mochte , war angesichts des Todes hingeschwunden . In allem übrigen aber blieb er unverändert , und seine Briefe zeigen ihn bis zuletzt in allen Vorzügen seines Geistes und Gemütes , vor allem auch als einen feinen und liebenswürdigen Spötter . Und der Schluß dieser seiner Korrespondenz ist es , dem ich die nachstehenden , über die mannigfachsten Gebiete sich verbreitenden Äußerungen entnehme . Liebenberg , im Januar 1816 . » ... General York muß zur Unzufriedenheit sehr geneigt sein , wenn er den Abschied darum nehmen will , daß nicht genug für ihn geschehen ist . Meiner Meinung nach kann er zufrieden sein . – Aus Kölner Briefen ersehe ich , daß Fürst Blücher gute Stunden , aber auch wieder › Abwesenheiten ‹ hat . – Und nun wünsch ' ich vor allem Herrn Geheimrat Heim zu befriedigen , dem man , wie ich wohl weiß , mit einer mäßigen Retribution nicht kommen darf . Ich habe Geld bei Schicklers und werde die Firma benachrichtigen , 500 Taler an Dich verabfolgen zu lassen . Sobald Du sie hast , stelle sie dem Geheimrat Heim namens meiner zu . « Den voraufgehenden Briefen zufolge waren ihm durch Heim – sein eigener Arzt vor Formey , früher Stosch – ein paarmal Pillen verordnet worden , die seine Beschwerden eher gesteigert als gemindert hatten . Aber gesteigert oder gemindert , unter allen Umständen ein imposantes Honorar . Und das alles in » armen Zeiten « . Liebenberg , den 14. Januar . » Ich habe Niebuhr und Chateaubriand aufmerksam gelesen . Niebuhrs Stil hat mich einigermaßen verwundert ; um kräftig zu sein , ist er hin und wieder dunkel und gezerrt . Chateaubriand aber hat sein Thema sehr artig ausgeführt , nur der Franzose leuchtet überall durch , Tiraden und Phrasen stürzen übereinander her , und ›