, die Hoffnungslosigkeit seiner Seele kein Unglück mehr ... Beim Suchen nach dem Portefeuille fand Benno ein Mittel , sich Licht zu machen ... Nach italienischer Sitte führte er ein Streichfeuerzeug bei sich ... In den finstern großen Häusern Italiens hilft man sich auf diese Art gegen die überall mangelnde Beleuchtung ... Kleine brennende Wachsenden reichen aus für jeden zu erkletternden vierten Stock ... Benno sah nun eine Halle , die in einen gedeckten und überbauten Hof führte ... Da hingen alte Bilder an den feuchten Wänden ... Sollte hier die Tiber zuweilen so weit austreten , um diese Häuser überschwemmen zu können ? ... Die Alte , die mit einer Lampe zurückkam , unterschied er nun ... Sie war vom Alter gekrümmt und schien aus dem Reich der Nacht zu kommen ... Mit der Lampe den Fremdling beleuchtend , sagte sie : Der Herr soll wiederkommen - ! ... War dein Losungswort eine Beschwörung , die nicht kräftig genug wirkte ? sagte sich Benno ... Jetzt überreichte er sein zweites Creditiv , das Zeichen von Silberblech und eine Karte mit seinem Namen ... Die Alte nahm beides , betrachtete es flüchtig und entfernte sich wieder ... Inzwischen ging Benno in den Hof , der überbaut war ... Wieder sah er einen langen Gang ... Sessel standen in diesem an den Wänden , ohne Zweifel für die Clienten vom Lande , die an jedem Markttag die Schreibstuben der Advocaten belagern ... Er verglich Nück ' s Lage mit der Bertinazzi ' s ... Jener der leidenschaftliche Freund der Jesuiten und allen Umtrieben derselben ganz wie ein geheimer Verschwörer zugethan ; dieser , wie er wußte , ein Angehöriger der Familie jenes Ganganelli , der als Papst die Jesuiten aufgehoben hatte , und im Geist seines Ahnen fortwirkend ... Das System der Menschen- und Lebensverachtung mußte bei beiden dasselbe sein ... Die Alte kam zurück und winkte nun schweigend ... Sie zeigte nach hinten , kehrte noch einmal in den Hof und zur Pforte um , die sie mit einem eisernen Querbalken verschloß , und bedeutete Benno , der bei einer Stiege angekommen war , diese nicht zu betreten , sondern auf eine Thür zuzugehen , die sie öffnete ... Es war eine jener südlichen Matronen , die die Freude eines Balthasar Denner gewesen wäre , des Runzelmalers ... Durch einige mit Büchern und Landkarten gefüllte Zimmer hindurch kam Benno jetzt erst an eine andere Treppe , die er ersteigen mußte , um endlich bei dem unter den Römern hochberühmten Doctor der Rechte Clemente Bertinazzi einzutreten ... Dieser trat ihm lächelnd entgegen ... Benno fand einen langen , hagern Mann ... Der Ausdruck seiner Gesichtszüge war der jener fanatischen und träumerischen Beharrlichkeit , die sich zunächst als mathematische , oft pedantische Strenge zu geben pflegt ... Ebenso verband sich die Pedanterie mit Schwärmerei bei Luigi Biancchi , dem armen Gefangenen von Brünn ; ebenso leidenschaftlich war in seiner träumerischen Welt der trockene und magere Püttmeyer ... Diese Menschen wußte Benno unterzubringen ... Sie hatten nicht die Schönheit der Willensäußerung , die Grazie der Lebensformen Bonaventura ' s ; aber der feste , beharrliche Sinn war derselbe ... Clemente Bertinazzi hätte in seinem langen Hauskleide , das ihm bequem um die magern Glieder hing , ebenso einen alten Geizhals darstellen können , der über seinen Schätzen wacht und sich nächtlich mit einer alten Dienerin in diesem weitläufigen Hause ängstlich abschließt ... Doch die allmählich erglühende Kraft seiner Augen verrieth edlere Eigenschaften ... Bald sah Benno , daß dem Mann ein eigenthümlicher Flor über seinen Augen und den untern Anfängen seiner Stirn lag , jener geistige unbestimmte Dämmer , der sich vorzugsweise bei mystischen Naturen findet ... Endlich , endlich , Signore d ' Asselyno ! sagte der Advocat und streckte die Rechte aus zum traulichen Gruße und zugleich den Eindruck prüfend , den ihm der junge Mann in Gestalt und Haltung machen würde ... Benno d ' Asselyn ! ... erwiderte dieser bestätigend und legte seine zitternde Hand in die des Advocaten ... Warum kommen Sie erst jetzt ? Ich weiß von Ihnen schon seit lange über Malta her , wo sich die Brüder Bandiera für Sie verbürgt haben ... Man hat Sie dort verdächtigen wollen ... Allerdings kann man Ihre Beziehungen zu unsern Tyrannen zweideutig finden ... Ich hörte , Sie lernten unsere Machthaber in Wien kennen und da dachte ich : Um so besser , wenn Sie diese Menschen beobachten ... Ich vertraue jeder Bürgschaft , die die Bandiera leisten ... Kennen Sie meine Freunde persönlich ? sprach Benno noch in Befangenheit und ausweichend ... Nein ... erwiderte Bertinazzi und zog , um das Bild eines alten Garçon zu vervollständigen , eine Tabacksdose ... Aber ich habe Ursache von Ihnen das Beste zu denken ... Ja auch sonst hab ' ich das Princip gehabt , fuhr er schnupfend und von unten her Benno musternd fort , nicht zu weise sein zu wollen ... Die Verschwörer , die überall Spione wittern , haben nie mein Vertrauen gehabt ... Haben Sie noch ein drittes Erkennungszeichen außer dem Gruß und dem Phönix ? ... Benno verneinte ... So gehören Sie den Vertrauten an , nicht den Wissenden ... Die Zahl dieser Vertrauten , wußte Benno , war in Italien so groß , wie bei uns die der Freimaurer ... Sind die Wissenden die oberste Spitze ? fragte er ... Die oberste noch nicht ! entgegnete Bertinazzi ... Sie haben durch den Phönix den zweiten Grad - einen vorbereitenden - und vielleicht gar ohne Schwur ... Die Wissenden sind erst der dritte ... Der vierte sind die Leitenden ... Erst der fünfte ist der höchste ... Das ist der Grad der Namenlosen ... Zu diesem gehör ' ich nicht einmal selbst und weiß kaum , ob in Rom ein » Namenloser « existirt ... Diese Organisation kann sich halten und wird nicht verrathen ? ... fragte Benno - unwillkürlich der Worte Ceccone ' s - über seinen Mörder gedenkend ... Sie kann an einzelnen