ist Das für ein ungleicher Wettkampf ! Es gab Zeiten , wo ich den ansprechenderen Erscheinungen meines Jahrhunderts beigezählt wurde . Sie sind noch nicht gar zu lange vorüber ; aber ich habe in dem Sande Arabiens und in Nubiens Wüsten zu schlechte Haar- und Hautpflege gehabt . Ich bin eine etwas lederne Mumie geworden und kokettire eigentlich schon mit meiner Glatze à la père Enfantin . Ich verdenk ' es Olga nicht , daß sie Geschmack hat und jedenfalls ist die jetzige Chance , daß sie sich in Sie , Wildungen , verliebt hat , doch noch viel vortheilhafter für die Familie , als wenn wir in Odessa erlebt hätten , sie hätte sich liebend für irgend einen jungen tscherkessischen Häuptling erklärt und ihrem Kaiser die Schmach angethan , mit irgend einem Schamyl in den Kaukasus durchzugehen . Siegbert sprach sich auf diese Selbstpersiflage offen dahin aus , daß er kaum annehmen dürfte , Olga würde in den Zerstreuungen Italiens und bei den eigenthümlichen Auffassungsweisen ihrer Tante lange ihm die Gesinnung erhalten , deren sie ihn hier gewürdigt hätte . Und Dankmar meinte gradezu , es ginge das Gerücht , der Maler Heinrichson wäre der Freund und Begleiter der Frau Gräfin d ' Azimont und noch stünde es dahin , ob nicht sein gewählter Geschmack dabei eigentlich Olga im Auge hätte . Doch wurde diese vorschnelle Äußerung Veranlassung , daß Dystra sagte : Nein , nein ! Man irrt in allen diesen Voraussetzungen . Lesen Sie , was Olga hierüber an Rudhard geschrieben hat . Es ist ihr zweiter Brief , originell wie der erste und in der festgerannten eigenthümlichen romantischen Auffassung wiederum komisch genug . Ich gestehe dabei freilich , daß das Burleske in dem Gegensatz zu dem prosaischen nüchternen und aller Schwärmerei baaren und abholden Erzieher liegen mag . Lieber Papa Rudhard , schreibt sie , lesen Sie ! ... » Lieber Papa Rudhard , dein Brief wurde uns nach Rom gesandt , in diese große und allmächtige Stadt , die Gott der Herr mit allen seinen himmlischen Heerschaaren selbst erbaut zu haben scheint . Hier ist nichts Gemeines ! Hier ist Alles groß und unsterblich ! Ach , Papa , ich las deine Warnungen und guten Lehren mit der Geduld , die man fühlt , wenn man Menschen reden hört , die Italien nicht gesehen haben . Es ist grade , als wenn du mir vom Nutzen eines transportablen Ofens sprächest und mir Vorwürfe machtest , daß ich nach Rom trotzdem , daß wir eine Espece von Winter auch hier haben , keine nordische Feuerung mitgenommen hätte . Ich bin , seit ich Italien sehe und alle diese herrlichen Kirchen , diese Villen , diese Paläste und den Baldachin des blauen Himmels und die dunkle Azurfläche des großen Meeres , mit Euch Allen eigentlich versöhnt und fühle nur noch Mitleid , keinen Haß mit Euch . Mein Tagebuch wird Euch vielleicht einst die Empfindungen sagen , die ich an jeder berühmten Statue , an jedem bewunderten Bilde , das ich sehe , in meinem Herzen belauschte . Ich ergreife alle Gelegenheiten , etwas zu lernen und antworte den dummen Stutzern , die uns besuchen und den Hof machen - es drängen sich in allen Städten besonders die Engländer und Russen an uns - immer mit antiquarischen Gegenständen , wodurch sie sich sogleich entfernen , wie Ungeziefer vor scharfen Gerüchen . Ich finde , daß ich dadurch vielen Vortheil vor andern Mädchen voraus habe , die sich nur darin gefallen , von hundert Männern immer dieselben faden Schmeicheleien zu hören . Diese Frauen sprechen immer nur von Musik , von schönen Gegenden , von guten Gasthöfen , ich aber lese Homer und Virgil und spreche dann auch darüber , was die Elegants nicht gut vertragen können . Natürlich wollen sie dann nicht ganz dumm erscheinen , aber sie wissen nur über England und seine Staatsverfassung , über Rußland , den Kaiser und das Militär zu sprechen , was ich ruhig , aber kalt anhöre . Baron Krutusoff führt mich jetzt durch die Museen und muß mir Alles sagen , was er über die Museen von Paris und Wien gelernt hat . Ich erstaune oft , wie unterrichtete Menschen , und ein solcher ist Krutusoff doch schon , dennoch so fade sein können und einer jungen Frau gegenüber immer sogleich ihren Verstand verlieren . Die Tante hört , weil sie schon sehr viel weiß , diese Schmeicheleien ruhig mit an . « Weil sie schon sehr viel weiß ! unterbrach Dystra lachend die Naivetät auch dieses Briefes . Dankmar und der Baron mußten Siegbert um Verzeihung bitten , der lächelnd erwiderte : Wie könnt ' ich über diesen Spott empfindlich sein ! Ich habe Olga nie anders betrachtet , als wie ein gutgeartetes Kind , dem man nur Zeit lassen muß , seinen Weg zu gehen . Darauf hin , sagte Dystra Beifall nickend , ist Ihr Bruder so gütig und fährt fort . Dankmar las : » Die Tante wird , weil sie schön und gut ist , von den eitlen Männern sehr belästigt , aber sie lebt nur ihren Erinnerungen und ihrem Schmerze . Oft beobacht ' ich sie im Traume und höre , daß sie still für sich hinseufzt und ruft : Mein Egon ! Mein Egon ! Dann weint sie und ich weine mit ihr , weil ich sie ganz verstehe und ihr Schicksal in dem Leben selbst , in der Natur und in der Kunst wiederfinde . Denn alles Schöne ist traurig , ihr Menschen ! Immer , wenn ich sehe , daß Andre bewundern , möcht ' ich weinen . Die schönsten Madonnen und die edelsten Physiognomieen unsres Heilandes sagen alle : Unser Erbtheil ist der Schmerz und auf den weiten Ebenen , wo Kirchen , Kapellen , Ströme , Felder und Wälder sichtbar sind , liegt eine Melancholie ausgebreitet , die mich an meine früheste Kindheit erinnert , wo mir innerlich etwas wehe that , ich wußte nicht was , wo