, alles , was Waffen tragen konnte , trug sie , selbst Kinder traten ein , und der damals achtzehnjährige Karl von Hertefeld empfand wie seine Genossen , wie die Jugend überhaupt . Aber der Vater , in grenzenloser Liebe zu dem einzigen Sohne , mochte von diesem » Mitgehen « nichts wissen , das ihm vielfach als ein » Mitlaufen « erschien , und entschied sich endlich dahin , ein Immediatgesuch an den damals in Breslau weilenden König zu richten . Er hob in demselben hervor , daß der Eintritt seines Sohnes in die zum Kampfe gegen Frankreich ausziehende Armee die Konfiskation seiner rheinischen Güter unmittelbar im Gefolge haben würde , bat deshalb um vorläufige Zurückstellung und verpflichtete sich gleichzeitig , behufs Equipierung anderer Freiwilligen , eine Summe von eintausend Talern einzuzahlen . Es währte geraume Zeit , ehe ein Antwortschreiben eintraf . Endlich kam es , aber nicht aus dem Kabinette , sondern aus dem Ministerium , und – ablehnenden Inhalts . » Es sei kein Grund vorhanden , in dem vorliegenden Falle die militärische Verpflichtung aufzuheben . « Unser alter Freiherr war wie niedergeschmettert , und in einem Zustande völligen Außersichseins schrieb er an seine Tochter Alexandrine : » Das mit so vieler Ungeduld von mir erwartete Schreiben empfing ich eben . Es ist leider , statt vom Könige , vom Staatskanzler unterzeichnet . Also so weit sind wir gekommen , daß einem der König nicht mehr einer Antwort würdigt , so weit , daß man die Hardenbergschen Meinungen als königliche Resolutionen annehmen muß . Auf die Gründe meiner Vorstellung ist gar nicht attendieret , sondern nur einfach ausgesprochen worden , daß ein Besitz von Gütern im Clevischen eine solche Befreiung vom Dienst nicht zulasse . Zorn und Ärger über die Behandlungsart , dazu Wehmut über die Auslieferung meines einzigen Sohnes , durchkreuzen meinen Kopf , und ich kann Dir nicht sagen , wie sehr ich affiziert bin . Aber eins will ich aussprechen , ich empfinde eine Verachtung gegen den Resolutionsgeber , die mir unauslöschlich in der Seele bleiben wird . In meinem Nächsten meld ' ich Dir , was für Maßregeln ich zu nehmen gedenke . « Dieses » Nächste « ließ denn auch nicht lange auf sich warten . Unterm 17. März erfahren wir das Folgende . » Geheimrat Serre 36 will ein zweites Schriftstück aufsetzen und Sorge tragen , daß es dem Könige direkt zu Händen komme . Karl aber soll nichts davon erfahren ; er will begreiflicherweise von keinem Schritte wissen , der sein Ehrgefühl kompromittieren könnte . Was mich angeht , so kann ich meiner Empörung immer noch nicht Herr werden und will es auch nicht . Meine Verachtung gegen den Urheber aber werde ich mit ins Grab nehmen ... Von Patriotismus sprechen solche Menschen , die vom Staate leben , immer . Ich habe keine Gelegenheit versäumt , um nützlich zu sein , habe dem Staatsfond keinen Heller gekostet , nie Vergütigung verlangt , aber auch niemals in die Zeitungen setzen lassen , wenn ich für den Staat den Beutel zog . Und diese elenden Menschen wollen einem alten Manne nicht einen einzigen Sohn freilassen , dessen Freilassung durch vernünftige Gründe als notwendig vorgetragen wird ! Bei Gott , es wären Vormünder nötig , die die Schurken fortschafften ! Doch genug davon , denn mir wallt das Blut zu sehr , um nicht auszuschweifen . Emprunts forcés und › gezwungene Freiwillige ‹ gehören in die Kategorie des schändlichsten Nonsenses . « In der ganzen Reihe der Briefe stehen diese beiden einzig da . Nirgends sonst begegnen wir einer ähnlichen Indignation , und leider am unrechten Orte . So wenigstens erscheint es mir . Ein Allerhöchstes stand auf dem Spiel und die Rücksicht auf den Einzelnen mußte hinschwinden neben der Rücksicht auf das Ganze . Daß die Formen unter Umständen etwas artiger und gewählter hätten sein können , mag zugestanden werden . Aber die Dinge lagen so pressant , daß auch zu » Formen « , die meist Zeit kosten , keine Zeit war . Auch der alte Freiherr , vermut ' ich , konnte sich gegen Sätze , wie diese , nicht verschließen , und viel leicht war es gerade das , was ihn über alles Maß hinaus in Leidenschaft und Empörung brachte . Hardenbergs Antwort , so mußt ' er sich sagen , auch wenn er sich es nicht sagen wollte , war scharf , aber nicht ungerecht . Es lag nicht an dem Gegner , es lag an ihm selbst , an ihm , der , aus einem egoistischen Gefühl heraus , um etwas gebeten hatte , um das er nicht bitten durfte . Wurde es bewilligt , so war es gut , so trat das Mißliche der Bitte zurück , wurde es aber nicht bewilligt , so gesellte sich zu dem Schmerzlichen eines Refus auch noch die Kränkung einer Reprimande . Und wie sehr er sich dagegen sträuben mochte , in dieser Erkenntnis lag die tiefste Quelle seines Zornes . 37 Er war , von Breslau her , abschlägig beschieden worden , aber endlich , wie die Freunde keinen Augenblick bezweifelt hatten , entwickelte sich doch alles im Einklang mit seinen Wünschen . Ein längerer Aufschub wurde bewilligt , und als Karl von Hertefeld im März 1814 aufbrach , um sich , nach Ablauf der Frist , den verbündeten Armeen anzuschließen , standen diese schon in der Nähe von Paris und schlugen ihre letzten Schlachten . Er hatte sich ohne Schuld verspätet . Aber , ob mit ob ohne Schuld , als im folgenden Jahre die Kriegsflamme noch einmal aufloderte , war es doch jedenfalls ein unerläßliches Gebot der Ehre für ihn geworden , ein zweites Mal nicht zu fehlen , vielmehr rasch und rechtzeitig am Platze zu sein . Auch der alte Freiherr entschied sich jetzt in diesem Sinne , bezwang sein Herz und beschränkte sich darauf , an den eben damals in Berlin weilenden Sohn eine Reihe kurzer Briefe zu richten , die hier ,