Das Haus , des Advocaten Bertinazzi ... Ich sehe Mönche eintreten ... Bei einem Arzt und Advocaten , Herr , sagte der Wirth lachend , hat alle Welt zu thun ... Und nicht jeder zeigt ' s dann gern ... Mancher Principe wartet auf den Abend , wo er die Kutte des Todtenbruders umlegen darf - Und - nun - die Pfaffen gar ... Der Wirth machte eine Miene , als wäre Rom einmal die Stadt des Carnevals und der Carneval stünde nicht blos im Februar im Kalender - sondern zu jeder Zeit und dann hätten am meisten die Priester ihre Heimlichkeit ... Die Geberdensprache des Südens ist die Sprache der größten Deutlichkeit ... Benno mußte , um dem vertrauensvollen Manne zu danken , seinen Wein versuchen ... Es war nicht der Wirth der nahen Goethe-Campanella ... ... Der Orvieto , den Benno begehrte , war gut ... Stürmisch rollte das Blut in Benno ' s Adern auch ohne den Wein ... Er war in einer Stimmung , die Welt herauszufordern ... In dem dunkeln Gewölbe der Kneipe saßen beim qualmenden Licht der Oellampe Männer aus dem Volk ... Die Unterhaltung betraf noch immer den Grizzifalcone ... Einige Häuser weiter hatte der Räuber gewohnt , als er die Courage gehabt , nach Rom zu kommen ... Man erzählte seine Heldenthaten ... Man rühmte auch den Muth der beiden deutschen Mönche ... Benno horchte und horchte ... Der Wirth pries sich glücklich , den Pasqualetto nicht beherbergt zu haben ... Die Polizei hätte jeden Winkel der Herberge an der Tiber nach dem Tode des Räubers durchsucht ... Alle Welt wußte , daß niemand durch diesen Tod glücklicher war , als die Zollbediente , auf deren Strafe der alte Rucca es abgesehen hatte ... Die Pfiffigen und Klugen haben hier immer Recht ... Um den Grizzifalcone blieb es » Schade , daß er nicht - Gonfalionere in Ascoli geworden « ... Benno hörte lachen - die Gläser aufstampfen - hörte Gesinnungen , die denen der Lazzaronis Neapels entsprachen ... In seinem Innern klangen die Worte des Attilio Bandiera : » Man muß die Völker zur Freiheit zwingen ! « ... Damals hatte er noch erwidert : » Mit der Guillotine ? « ... Neue Welten waren in ihm aufgegangen ... In jenem Hause konnte er das Schicksal der Freunde erfahren , um die er sich in so große Gefahren des Lebens und der Seele gewagt hatte ... Der Tag , vielleicht die Stunde konnte ihm dort genannt werden , wann die Brüder in Porto d ' Ascoli landen mußten , wann Ravenna , Bologna sich erhoben ... Er sagte sich : Es ist der Weg des Todes ! Sollst du ihn beschreiten ? ... Und gehst du ihn nicht schon ? antwortete eine Stimme seines Innern ... Bleib ' auf deiner Straße - des Verhängnisses ! ... Wild mit der Rechten durch seine Locken fahrend erhob er sich ... Stürmenden Muthes verließ er die Schenke ... Sie rufen mich ! sprach er vor sich hin und sah - jene Geister des Beistands , von denen ihm Attilio gesprochen ... Auf der Höhe seines Lebens war er angekommen ... Dahin also hatten alle Ziele seines Schicksals gedeutet ... Er sah seine ersten Anfänge wieder - fühlte den Kuß jener schönen Frau , die sich trauernd über ihn beugte , wenn sie aus dem Wagen gestiegen - Die in Spanien erworbenen goldenen Epaulettes seines Adoptivvaters Max von Asselyn blitzten auf ... Zigeunerknabe , du bist in deiner Heimat ! klang es um ihn her wie aus tausend silbernen Glöckchen ... Dann wieder waren es Geigentöne - wie sie damals der bucklige Stammer zwischen seinen Erzählungen von der Frau , die nur die deutschen Worte : » Tar Teifel ! « kannte , auf dem Finkenhof strich ... Du gehst ! sagte er sich und schritt dem Hause näher ... Und dennoch würde Benno vorübergegangen sein , wenn nicht die menschlichen Entschließungen unter dämonischen Gesetzen stünden ... Der eine Flügel des offen stehenden Hausthors war soeben von einer nicht sichtbaren Hand von innen geschlossen worden ... Eben bewegte sich der andere Flügel , um gleichfalls zuzufallen ... Der Anblick dieser kleinen , noch eine Secunde offen gelassenen Spalte bestimmte den wie vom Schwindel Ergriffenen und halb Besinnungslosen rasch vorzutreten und die beiden Worte zu sprechen : Con permesa ! ... Eine Stimme antwortete : Que commande ? ... Eine kurze Pause folgte ... Die Schlange wechselt ihr altes Kleid ! ... Das Erkennungswort des » Jungen Italien « war ausgesprochen ... ... Es war kein freier Wille gewesen , der diese verhängnißvollen Worte von Benno ' s Lippen brachte ... Es war ein fremder Geist , der aus ihm sprach , ja - der ihn diese Losung ganz deutlich und fest aussprechen ließ ... Er trat in den wiedergeöffneten Flügel und befand sich in einem dunkeln Gange ... Die Thorpforte fiel hinter ihm zu ... Fußnoten 1 Thatsache . 10. Kommen Sie aus der Schweiz ? fragte aus dem Dunkel heraus eine heisere rauhe Stimme ... Das menschliche Wesen , dem die Stimme angehörte , entwickelte sich seinem Auge erst allmählich als eine Frau ... Ich will Sie dem Herrn anmelden ... lautete die seinem Schweigen folgende Rede ... Ein Schlorren , ein asthmatisches Keuchen ... Ein langes Verhallen der Schritte ... Diese Räume schienen endlos zu sein ... Es ist geschehen ! sprach er zu sich selbst und sagte fast hörbar : Also nur die aus der Schweiz Kommenden erkennt man an diesem Losungswort , das ich von den Bandiera weiß ! ... Benno zog sein Portefeuille , um das Zeichen des Phönix zur Hand zu haben ... Die Flüchtlinge , die sich in Robillante an ihn wandten , um in allerlei Verkleidungen weiter zu kommen , hatten auch ihm ein solches Zeichen entgegengehalten ... Wenn die ohne Zweifel in diesem Augenblick hier versammelte Verschwörung entdeckt - wenn er selbst mit den Mitgliedern derselben aufgehoben wurde ! ... Darin sah die Zerrüttung seines Innern