Ton ein verfängliches Gelb ist ... Alles das vergißt man freilich in Italien um einer einzigen Palme willen , die aus solchem Gewirr in einem kleinen Gärtchen versteckt emporwächst ... Auch hinter jener Pforte , wo der Todtenbruder verschwunden war , lag , wie Benno jetzt sah , ein solches Gärtchen ... Wer wohnt hier ? fragte er einen am Wasser mit dem Ausladen eines verspätet angekommenen Kahns Beschäftigten ... In diesem Palazzo - ? erwiderte der Angeredete und bot sofort statt der Antwort , auf die er sich die Miene gab , sich gründlich besinnen zu wollen , vorerst seine Waaren an , die der Herr gerade hier am zweckmäßigsten angetroffen hätte ... Walzbreter zur Bereitung von Nudeln , hölzerne Löffel , einen Steinkrug zur Aufbewahrung seines Oels ... Wer in Italien handelt , glaubt , daß man sich zu jeder Zeit aus dem Gebiete gerade seiner Branche assortiren könne ; in die Eilwägen hinein reicht man zinnerne und blecherne Küchengegenstände , » die man jetzt gerade wohlfeil haben könnte « ... Und auch dieser Mann wahrte erst seinen Vortheil und zeigte auf hundert Schritte weiter seinen Laden ... Aber den Besitzer des » Palazzo « konnte er nicht nennen ... Dann war es eine großmüthige Regung von ihm , daß er , als Benno keinen Steinkrug für sein Oel mitnahm , doch einen andern Mann anrief und diesen fragte : Wer wohnt in dem Palazzo ? ... Nach vorn hin , hatte Benno inzwischen gesehen , stand allerdings ein stattliches Gebäude ... Ein Advocat ... Ein reicher Mann - hieß es ... Ein Advocat ? ... Vielleicht Bertinazzi ? dachte Benno und sah sich nach einem mittelalterlichen alten Hause , dem des Rienzi , um ... Wie auch bei uns die Kinder in die Läden treten und fragen können : Wollen Sie mir nicht sagen , wie viel die Uhr ist ? und , wenn sie ' s gehört haben , als Zugabe ihrer Frage ein Paar Rosinen verlangen , so tauschten sich auch hier mit den paar Worten die Interessen der sich versammelnden Italiener aus ... Benno bekam so viel Anerbietungen von Waaren , so viel Verlangen nach Bajocci , so viel Anerbietungen zum Führen , zum Tragen , zum Helfen , daß er zu dem seiner Natur wenig entsprechenden Mittel greifen mußte , aus der Geberdensprache der Italiener eine Miene zu wählen , die die einzige ist , der die unerträgliche Zudringlichkeit weicht ... Macht jemand diese Miene , so ist der Italiener gewiß , einen Landsmann vor sich zu haben , von dem er nichts zu erwarten hat ... Benno streckte nicht gerade die Zunge aus , was in solchen Fällen , um vor dem italienischen Bettelgesindel Ruhe zu bekommen , das allersicherste Mittel ist ; er warf nur einfach den Kopf in den Nacken mit der Miene eines gleichsam vor Hochmuth Närrischgewordenen ... Da ließ man ihn gehen ... In der That hatte er aber doch erfahren , daß dieser Hausbesitzer , dieser reiche Mann und Advocat - Signore Clemente Bertinazzi war ... Bertinazzi ! ... Wieder blickte er auf die Pforte und siehe da , wieder trat jemand , diesmal ein Mönch mit heraufgezogener Kapuze ein ... Das sind Verschworene ! sagte sich Benno ... Der Gedanke überlief ihn wie siedende Glut ... Er sann und sann nun um so mehr : Wer war der schwarze Todtenbruder , der dich offenbar kannte , der dir seine Verachtung ausdrückte - trotz deiner Erwähnung Rienzi ' s ... Benno wandte sich in größter Aufregung wieder der Brücke zu ... Hier hatte er einen Fiaker zu finden gehofft ... Schon suchte er danach nicht mehr ... Es trieb ihn in die Straße , nach der hinaus das Wohnhaus des Advocaten seine Vorderfront hatte ... Auch hier bemerkte er , rasch nacheinander kommend , zwei weiße Todtenbrüder , die in dem offenen Thorweg des Hauses verschwanden ... Bertinazzi hält eben seine Loge ... Diese Vorstellung stand nun fest bei ihm ... Sollte er folgen ? ... Er hatte das Losungswort ... Er trug in seinem Portefeuille ein Zeichen von Silberblech mit einem aus den Flammen sich erhebenden Phönix ... Beides hatten ihm die Brüder Bandiera für den Fall gegeben , daß er in Rom die Bekanntschaft des Advocaten Bertinazzi machen wollte , dem sie aufs wärmste über ihn geschrieben zu haben behaupteten ... Mit lautklopfendem Herzen kehrte er zur Flußseite zurück ... Hier war es jetzt stiller geworden ... Ruhig wogte der Strom ... Den Besuch der Mutter gab er auf ... Schon schlug es zehn ... Im Hause des Advocaten , dem er von der Gartenseite näher zu kommen suchte , war alles still und dunkel ... Es mußte eine gewaltige Tiefe haben ; die Entfernung vom Ende des Gärtchens bis zur Vorderseite war eine ansehnliche ... Wieder näherte sich ein Schatten der Gartenpforte - ... Wieder huschte dieser an Benno vorüber und ging ins Haus ... Benno stand - wie am Scheidewege seines Lebens ... Der Gedanke an morgen war ihm an sich schon der Tod - was verschlug es , wenn er den letzten Anlauf nahm und sich in den Abgrund stürzte ? ... Wo sollte er die Stimme , den Wuchs , den Gang des schwarzen Todtenbruders hinbringen ... Eine fieberhafte Ideenverbindung zeigte ihm die drei Reiter , die ihm im Gebirge so seltsam den Weg hatten abschneiden wollen ... Erschien sein Umgang mit den Tyrannen Italiens denen verdächtig , an die er empfohlen war ? ... Voll Unruhe begab sich Benno abermals nach vorn ... Jetzt sah er einen Kapuziner zu Bertinazzi eintreten ... ... Und nur ihm schien alles das aufzufallen ; die Straße hatte ganz ihr übliches Leben ... Schon griff Benno nach seinem Portefeuille und überzeugte sich , daß er das Symbol des Phönix bei sich hatte ... Einen in Hemdärmeln vor der Thür seiner Taverne stehenden Wirth fragte er : Ist das - da drüben - ein Kloster ? ... Nein , Signore ! war die Antwort ...