Das soll dir nicht gemein sein . Das geschah aber dreimal und als Petrus vom Geiste getrieben war , eben der Stimme zu folgen , da ward Alles in dem Tuche wieder hinauf gen Himmel gezogen . Hackert hatte diese und ähnliche Reden seines Vaters , die er von einem Andern nicht ohne Lachen würde haben vernehmen können , ruhig und befremdet hingenommen . Er fühlte , daß grade sein Herz ein solches Tuch voll unheimlicher wimmelnder Unruhe und ängstlichsten unreinen Lebens war . Murray aber nahm ihn noch , wie er war und ohne daß er einzuräumen brauchte , er sollte sich verachten oder hassen . Der Vater beschloß , ihn gewähren zu lassen , so lange er wollte und wie er wollte . Fahre in deinem Leben so fort , sagte er . Verlange Geld von mir ! Ich bin nicht reich und würde die große Bürgschaft des edlen Otto von Dystra nicht sogleich haben leisten können , aber ich habe so viel , um leidlich auszukommen . Und versprich mir , jeden Morgen aufrichtig zu erzählen , was du am Tage vorher gethan , wofür du Geld ausgegeben , was du mit Pax verhandelt hast ! Ich werde dich über Nichts tadeln , ich versichre dich , mein Sohn , über Nichts . Ich werde auch Nichts verrathen . Aber die Nothwendigkeit , dich auszusprechen , wird dir lehrreich sein . Du wirst dadurch , daß du nicht Alles in dir ersterben , ersticken lässest , dein Herz zum Gegenstande deiner längeren Betrachtung wählen und dir selbst in ' s Auge sehen . Wo ein Geist der Spiegel des andern ist , findet sich der Eingang zur Wahrheit ... Und für seinen ängstlichen Zustand des träumenden Wandelns und Aufstehens gab ihm der Vater den einfachen und praktischen Rath , sein Lager mit jenen Tüchern zu umlegen , die Frau Zipfel so ärgerten . Lächelnd und milde sagte der Vater : Sieh , Fritz - ich nenne dich so lieber , als Paul - sieh , Fritz , da erschrickt sogleich der nackte Fuß und es bedarf der eisernen Riegel und Stangen nicht , die ja an ein Gefängniß erinnern . Unmuthig über die Neugier seiner Wirthsleute ging Hackert eben in die Brandgasse zu seinem Vater . Er hatte , ihm gegenüber , ein Beichtbedürfniß bekommen , das seine ganze Seele erweiterte und leichter athmend machte . Er reflectirte zuweilen schon ohne Spott . Er urtheilte objectiv nach üblichen Voraussetzungen . Murray konnte erwarten , daß er sich bald von selbst von seiner gegenwärtigen Bahn abwenden und ganz an seinem warmen Vaterherzen vielleicht aufthauen würde . In der That war Louise Eisold im Begriff , in den dem Schlosse Buchau nahe gelegenen Ort gleiches Namens zu reisen und ihre Geschwister mitzunehmen . Es drängte sie fort von hier und selbst der rauhe Winter schreckte sie nicht . Sie hatte Hackert wiedergesehen , ihn weicher , sanfter gefunden - von seinem Verhältniß zu Murray erfuhr sie nicht die volle Wahrheit - ihre Neigung für den dämonischen Jüngling war trotz seiner Beziehung zu Pax gestiegen . Da sie aber sah , daß nur Mitleid , nicht Liebe für sie in diesem Herzen schlug , nahm sie den Vorschlag Otto von Dystra ' s an , der sie besuchte , die Kinder kleiden , reichlich ausstatten ließ , ihr Mittel , soviel sie nur wünschte , zu Gebote stellte . Auch Dankmar Wildungen gehörte zu Denen , die ihr zusprachen , nach Buchau zu reisen . An eine Erfüllung der Wünsche des innigst betrübten Mangold dachte sie nicht . Auch saß ja noch der gute Danebrand ... Dankmar und Hackert trafen nicht zusammen . Jenen machte die zweite verlorne Instanz seines Prozesses menschenfeindlich und düster . Er bedurfte recht der endlichen Ankunft seines Bruders Siegbert , um von seiner eisigen Verstimmung aufzuthauen . War auch die erste Stunde ihres endlichen Wiedersehens durch das Andenken an die verstorbene Mutter getrübt , so heiterte sich doch Dankmar ' s Stirn auf , als Siegbert von Plessen , von Randhartingen und vor Allem vom Ullagrunde erzählte . Seine Angst , der Bruder möchte von Selma liebend befangen sein , hatte sich gemildert , seit ihm Dystra den Brief zeigte , den Siegbert ihm über Olga und die Fürstin schrieb . Es leuchtete aus ihm unverkennbar das Interesse für Olga , den naiven , leider in eine gefährliche Schule gerathenen schönen Flüchtling hervor . Dankmar fragte nach Selma und hörte das Erfreulichste ; der Zusatz , daß Selma ihm , dem Erzähler , abgeneigt wäre , machte ihn lachen und er gestand dem Bruder , daß in all seine innere Finsterniß der Gedanke an diese Begegnung mit Ackermann und dem Knaben Selmar ihm doch wie ein mildes Sternenlicht flösse . Erstaunen erregte ihm freilich anfangs die Mittheilung , daß Ackermann und Selma nie lange von ihm gesprochen hätten , ihn vielleicht gar nicht gründlicher kannten . Dann aber besann er sich und sagte lachend : Himmel , das ist ja natürlich ! Sie halten mich für den Fürsten Egon ! Es versteht sich von selbst , daß Dankmar kein Recht zu haben glaubte , irgendwie Selma , die ihm als Ackermann ' s Tochter völlig Fremde , an sich zu erinnern . Auch Siegbert schrieb wol nach Hohenberg , aber nur an Oleander , mit dem sich ein inniger und gedankenreicher , wie wir sahen , leider schon bewachter Briefwechsel entspann . Louis Armand , der fast nur in seiner Werkstatt zu treffen war , tauschte mit Oleander nicht nur Gedichte und ästhetische Ansichten , sondern auch die Freude , ihn in den Kreis der Ideen eintreten zu sehen , der die Freunde verband . Je länger Oleander die Geistesleere und eitle Gesinnung der Vornehmen beobachtete , mit denen ihn die Winterzeit zusammenführte , je mehr er sich an Ackermann ' s klarer und ruhiger Objectivität stärkte und erhob , desto bekehrter fühlte er sich zu jenen Ansichten , die er früher mehr mit Gründen