Gegnerin , die plötzlich den Gegenstand fallen ließ und ganz unvermittelt fragte : » Herr Professor , haben Sie einen Garten bei Ihrer Wohnung ? « » Ich ? Nein , ich wohne ja mitten in der Stadt , « sagte Normann verwundert über diese Frage . » Wir haben einen großen schönen Garten in Heidelberg . Er liegt am Bergeshang , und man sieht weit hinaus in das Neckarthal . Der letzte Winter war sehr hart , und bei dem strengen Frost sind so manche von unseren Blumen und Gesträuchen zu Grunde gegangen . Sie lagen ausgerodet auf einem Haufen und sollten gerade fortgeschafft werden , als ich eines Morgens herunterkam . Da gewahrte ich mitten unter all dem dürren Gestrüpp ein paar dürftige grüne Blättchen . Es war ein kleiner Rosenstrauch , der so traurig hervorlugte aus den vertrockneten Reisern , wo er nun auch verkommen sollte . Ich zog ihn hervor und brachte ihn unserem alten Gärtner , der gerade die Rosengebüsche umpflanzte ; doch der lachte mich aus und meinte , das Ding sei ganz erfroren und blühe nicht mehr , ich solle es nur in den Kehricht werfen . Aber mir that das arme Ding leid , das sich so gemüht hatte , auch ein paar armselige Blättchen zu treiben im ersten Frühlingssonnenschein und das nun doch vertrocknen und verderben sollte , während all seine Kameraden so lustig grünten . Ich pflanzte es selbst an den sonnigsten Platz und begoß es täglich . Es kränkelte wohl noch wochenlang und wollte nicht gedeihen , doch auf einmal fing es an zu treiben und grünte und wuchs , und zur Blütezeit stand es über und über voll Rosen . « Die sonst so helle Stimme des jungen Mädchens klang jetzt weich und verschleiert und die klaren braunen Augen blickten eigentümlich ernst in die des Professors , der keine Silbe erwiderte , aber sie unverwandt ansah . Nach einem minutenlangen Schweigen fuhr Dora leise fort : » Wenn ich in die hübschen blauen Augen des Friedel sehe , wie sie aufleuchten , sobald er nur irgend etwas vom Malen sieht oder hört , dann muß ich immer an meinen kleinen Pflegling denken mit seinen ersten dürftigen Trieben und seiner Rosenpracht . « Es trat wieder eine Pause ein , dann sagte Normann mit merkwürdig verändertem Tone : » Hm ! Ich werde mir die Geschichte überlegen . « Dora stand auf und nahm ihre Skizzenmappe . » Thun Sie das , Herr Professor ! Ich habe heute ein sehr , sehr grimmiges » Punktum « in Empfang genommen , ich will durchaus morgen ein ebenso grimmiges » Ja « mit auf die Reise nehmen – gute Nacht ! « Und nun erklang es wieder , das frische , übermütige Lachen , das den Professor so oft geärgert hatte und dem er doch lauschte wie einer Musik , und ohne eine Antwort abzuwarten , eilte das Mädchen davon und verschwand im Hause . Normann sah ihr einige Minuten lang unbeweglich nach , dann fuhr er sich mit beiden Händen in die Haare , sonst seine Lieblingsbewegung , die ihm aber diesmal ein merkliches Unbehagen verursachte . » Ob ich denn wirklich so aussehe , wie der verwünschte Junge mich abkonterfeit hat ? « murmelte er . » Und zum Dank dafür soll ich ihm gar noch Unterricht geben lassen ? Wie sie das erzählte , die Geschichte von dem Rosenstrauch ! Man hätte das Mädchen beim Kopf nehmen mögen und « – hier hielt er inne , ganz entsetzt von dem ungeheuerlichen Gedanken , der ihm plötzlich aufstieg . Aber die schlimmen Gedanken haben es leider an sich , daß sie immer wieder kommen ; so ging es auch dem armen Professor , er kam nicht los davon , bis er sie endlich mit einem förmlichen Ingrimm abschüttelte . » Unsinn ! Wenn ich im Frühjahr nach Heidelberg komme , ist sie längst verlobt . Soll ich vielleicht die Herrlichkeit mit ansehen und meinen ergebensten Glückwunsch dazu abstatten ? Die Studenten machen ihr ja sämtlich den Hof , und die Herren Dozenten thun das auch , » mit ernsteren Absichten « – ich möchte der ganzen Gesellschaft den Hals umdrehen ! « schloß er wütend , mit einer entsprechenden Handbewegung , so daß Friedel , der eben in die Laube trat , erschrocken zurückprallte . » Herr Professor – ? « » Nun , dich meine ich nicht damit , brauchst dich nicht so zu fürchten , « brummte dieser . » Ich fürchte mich auch gar nicht mehr , « versicherte der Knabe treuherzig , allein sein Herr und Meister nahm das gewaltig übel . » So , also du hast gar keinen Respekt mehr vor mir , und das sagst du mir auch noch ins Gesicht ? Der Junge fürchtet sich nicht einmal mehr ! Das werde ich ihm doch wieder beibringen . Friedel , du kommst hierher ! « Friedel gehorchte , aber er guckte mit seinen blauen Augen ganz furchtlos den Professor an , der nichts Geringeres beabsichtigte , als ihm eine donnernde Strafpredigt wegen des lieblichen Bildes zu halten ; da kam ihm auf einmal wieder die Geschichte mit dem Rosenstrauch in das Gedächtnis und das Strafgericht verwandelte sich in einen ganz einfachen Auftrag . » Friedel , morgen reisen der Herr Professor und das Fräulein ab , da gehst du auf der Stelle und besorgst mir – « » Einen Blumenstrauß ! « fiel Friedel verständnisvoll ein . » Naseweis ! Was soll ich denn mit einem Blumenstrauß anfangen ? « fuhr ihn Normann an , » Mußt du denn immer darauf losschwatzen ? Eine Flasche Haaröl sollst du mir kaufen . « » Haar – öl ? « wiederholte Friedel , starr vor Verwunderung . » Nun ja – oder gibt es etwa nicht dergleichen in dem Neste hier ? « » Ich glaube wohl , beim › Kramer ‹ . « » So geh zum › Kramer ‹ ! « Friedel