mich ganz wohl befinde , “ rief Max noch lauter , „ und daß von Lebensgefahr überhaupt gar nicht die Rede ist . Ich bin ein entschiedener Gegner dieser Behandlungsart ; ich halte sie für nutzlos , ja für schädlich . Sie können Gott danken , daß meine kräftige Natur diese Experimente ausgehalten hat , sonst hätten Sie den Tod eines Collegen auf dem Gewissen . “ Doctor Berndt wurde purpurroth vor Entrüstung . „ Es ist die Behandlungsart des Herrn Medicinalraths , die ich anwende . Der Herr Medicinalrath ist eine Autorität allerersten Ranges ; er nimmt die bedeutendste Stellung an der hiesigen Universität ein und hat die großartigsten Erfolge . “ Dabei erhob der kleine Arzt seine sanfte Stimme so laut und schrill , wie er nur konnte , aber es war vergebens , denn Max mit seiner kräftigen Lunge überschrie ihn . „ Der Herr Medicinalrath geht mich gar nichts an . Wir haben an unserer Universität in Z. noch viel bedeutendere Autoritäten und viel großartigere Erfolge . Aber wir stecken nicht mehr in der Tradition , wie die Herren hier in dem patriarchalischen R. – “ Die beiden Mediciner geriethen in einen Berufsstreit , der so heftig wurde , daß Frau Christine erschrocken aus dem Nebenzimmer herbeistürzte , aber sie blieb starr vor Verwunderung auf der Schwelle stehen bei dem Anblicke , der sich ihr darbot . Doctor Brunnow , der von Rechtswegen auf dem Sterbebette liegen sollte , saß aufrecht im Bette und überschüttete in höchst energischer Ausdrucksweise seinen Collegen mit einer wahren Fluth von medicinischen Behauptungen , Gründen und Beweisführungen . Der Herr College aber , der vor kaum zehn Minuten förmlich in das Zimmer geschwebt war , um den Todtkranken nicht zu stören , stand in höchster Aufgeregtheit vor demselben und focht mit beiden Armen in der Luft herum , während er vergebens versuchte , zu Worte zu kommen . Als ihm dies durchaus nicht gelingen wollte , ergriff er endlich seinen Hut und rief wüthend : „ Wenn Sie denn doch Alles besser wissen , Herr College , so behandeln Sie sich gefälligst selbst ! Ich soll dem Gouverneur Nachricht von Ihrem Befinden bringen ; ich werde Seiner Excellenz aber sagen , daß mir solch ein Patient noch nicht vorgekommen ist , der gestern noch für todt daliegt und heute mir und der ganzen hiesigen Facultät die größten Grobheiten an den Kopf wirft . Sie haben ganz Recht , eine Natur wie die Ihrige existirt nicht zum zweiten Male . Sie machen ja jede Diagnose zu Schanden – ich empfehle mich Ihnen ! “ Damit verließ er das Zimmer . Frau Christine , die nicht ein Wort von der ganzen Sache begriff , sah ihm verwundert nach und näherte sich dann dem Kranken . „ Aber was ist denn vorgefallen ? Der Herr Doctor läuft in voller Wuth fort und Sie – ? “ „ Lassen Sie ihn nur laufen ! “ sagte Max , sich ruhig zurücklehnend . „ Dieser Mensch und College will durchaus einen Todescandidaten aus mir machen und hätte mich beinahe umgebracht mit seinen unsinnigen Anordnungen . Jetzt werde ich meine Behandlung in die Hand nehmen und gleich damit den Anfang machen . – Beste Frau Christine , ich bitte Sie dringend und freundschaftlichst , bringen Sie mir irgend etwas zu essen ! “ – Es mochte eine Stunde später sein , als Agnes Moser nach einer kurzen und nur allzu nothwendigen Ruhe sich anschickte , ihren Platz am Krankenbette , von dem sie während der letzten Tage kaum gewichen war , wieder einzunehmen . Doctor Brunnow war inzwischen seiner ersten eigenen Verordnung mit einer Pünktlichkeit nachgekommen , die nichts zu wünschen übrig ließ , zur großen Freude der Frau Christine , welche fand , daß der Doctor sich ganz ausgezeichnet behandle . Sie redete ihm indeß vergebens zu , jetzt wieder zu schlafen ; Max behauptete , daß dies gar nicht nöthig sei , und unterhielt sich ausschließlich damit , die Thür anzusehen , durch welche Agnes eintreten mußte . Er gab dabei sehr unzweideutige Zeichen von Ungeduld , und als er sich beikommen ließ , in einer Viertelstunde drei Mal zu fragen , wo denn seine Pflegerin eigentlich bleibe , wurde auch Christine ungeduldig . Sie faßte den Patienten scharf in ’ s Auge und fragte ohne alle Umschweife : „ Herr Doctor , was ist das eigentlich mit Ihnen und Fräulein Agnes ? Die Sache ist nicht richtig – das habe ich längst gemerkt . “ Max zog es vor , gar keine Antwort zu geben , aber das half ihm wenig ; die Sprechende fuhr in ihrer derben Weise fort : „ Geben Sie sich nur keine Mühe , mir etwas weiß zu machen ! Ich bin nicht umsonst hier im Krankenzimmer ab- und zugegangen und habe es mit angesehen , wie das arme Kind sich fast zu Tode ängstigte , und wie Sie sich benahmen , sobald Agnes nur in Ihre Nähe kam . Ich weiß Bescheid , ganz genau Bescheid – das versichere ich Ihnen . “ „ Frau Christine , Sie sind eine äußerst kluge Frau , “ sagte der junge Arzt . „ Sie erzählen mir da Dinge , von denen ich selbst bis vor drei Tagen noch nicht das Geringste wußte und Fräulein Agnes ebenso wenig . Aber Sie haben leider Recht ; die Nemesis hat mich ereilt – ich bin hoffnungslos verliebt . “ Christine nickte . „ Das habe ich längst gewußt . Aber was denn nun ? Ich habe bisher noch nicht viel über die Sache nachgedacht , da Doctor Berndt Ihnen so entschieden das Leben abgesprochen hatte . Dann wäre ja doch Alles zu Ende gewesen . Da aber , wie es jetzt scheint , vom Sterben vorläufig noch keine Rede ist – “ „ Gar keine Rede ! “ schaltete der Patient ein . [ 390 ] „ So möchte ich Sie doch fragen , was denn nun eigentlich aus Ihnen und dem Fräulein