, als er dann stumm am Bettchen saß , nachdem das Mädchen . den Kleinen umgezogen , ihm seine Milch gebracht und ihn sein Gebet hatte sprechen lassen . „ Nein , mein Junge – wie kommst du darauf ? “ „ Du erzählst heute gar nichts . “ „ Ich werde gleich anfangen , Heini , ich dachte mir , du wärest sehr müde . “ „ Ja , Papa ! Und du auch ? “ „ Ich auch , Heini “ . „ Dann sollst du nicht erzählen , heute nicht , dann morgen abend . Vergiß , bitte , nicht , wo du aufhörtest , Papa – der junge Knappe machte sich gerade auf die Reise , um die schöne Prinzessin zu suchen , und sein Wams war aus blauem Atlas , und seine Rüstung von Silber mit einer goldnen Sonne auf der Brust . “ „ Ich vergesse es nicht , Heini . “ „ Findet er sie , Papa ? “ „ Ich hoffe doch , Heini . “ „ Ich weiß , wie .. sie aussieht , Papa ! “ „ Wirklich ? “ „ Ja , wie die Dame , die mir gestern früh das Glas hielt mit der Milch – sie war so lieb , und die Augen glänzten so schön , und weinen kann sie auch , wie die Prinzessin . “ Heinz faßte nach der Hand des Kindes , er dachte , es phantasierte , aber die Augen des Kleinen sahen ruhig und klar zu ihm empor in dem Dämmerlicht der rotverschleierten Lampe . Das Mädchen trat noch einmal herein mit einem Glas Citronenlimonade , die das Kind während der Nacht in kleinen Schlückchen zu trinken liebte . „ Wer war die Dame , die sich gestern im Park mit Heini beschäftigte ? “ fragte Heinz . „ Ich habe sie zuerst nicht erkannt “ , stotterte verlegen die Person , „ aber die Förstersfrau , die ich nachher frug , meinte , es sei Medizinalrats Fräulein gewesen . “ Er nickte kurz und wandte sich zu dem Kinde . „ Schlafe , mein liebes Herz , “ sagte er mühsam . „ Sie war so lieb “ , versicherte der Kleine nochmals , als das Mädchen sich entfernt hatte , „ und sie hat um mich geweint , Papa . “ Dann lag er ganz still , schloß nach einem Weilchen die Augen , und endlich schlief er . – Es hatte neun Uhr geschlagen , als Heinz aus dem Zimmer schlich , um ihn nicht zu wecken . Er beorderte das Mädchen in die Nebenstube und ging hinüber nach dem Salon seiner Frau . Es war dunkel drinnen , die Fenster standen offen und draußen im Fliedergebüsch schlugen die Nachtigallen . „ Bist du hier , Toni ? “ fragte er . Keine Antwort . Er klopfte an die Thür ihres Schlafzimmers – keine Antwort . Sie wird bei Tante Gruber sein , sagte er sich und pochte eine Treppe tiefer an . Die ältliche Jungfer öffnete mit an die Lippen gelegtem Finger . „ Gnä ’ Frau haben Chloral genommen “ , flüsterte sie , „ und sind eben eingeschlafen . “ „ Pardon “ , sagte Heinz , „ ich glaubte , meine Frau sei hier . “ „ Frau von Kerkow ist wohl im Park , ich sah sie über den Schloßhof gehen , “ wisperte das Mädchen . Heinz stutzte , sie war sonst so ängstlich abends . Er dankte , schritt die Treppen hinunter und betrat ebenfalls den Schloßgarten durch die Seitenpforte . Vielleicht fand er sie . Es lag ihm daran , sie noch zu sprechen , er hatte das drückende Gefühl , seit Jahren zu hart gegen sie gewesen zu sein ; er durfte sie nicht weiter reizen durch Strenge und Gleichgültigkeit – er gedachte einzulenken , er mußte – es durfte so nicht weiter gehen ! Er wollte dies alles , weil er sich selbst schuldig fühlte , weil er mit seiner Gewissenhaftigkeit , seiner peinlichen Pflichttreue nicht Schuld gegen Schuld setzen wollte , weil er einen Halt , eine Rettung in seiner Pflicht zu finden hoffte , Rettung gegen die alte heiße Liebe , die ihn jählings überfallen , seitdem er Aennes Namen wieder gehört , erfahren hatte , daß sie seiner noch gedachte . Sie hatte geweint über sein krankes Kind – warum mußte er das heute auch noch erfahren ! Und er wollte nicht wieder hinaus in die Stürme , aus denen er sich für immer gerettet glaubte , er wollte in der Wüste zu Grunde gehen , die er sich selbst geschaffen , die Toni ihm schuf . Er wollte ihr sagen . Wir gehören ja doch nun einmal zusammen um des Kindes willen laß uns in Gottes Namen Frieden halten nebeneinander ! Ich will mich aufraffen aus dem Starrkrampf der letzten Jahre – es geht nicht länger so ! Er stürmte durch die Wege mit großen Schritten dunkel und schwül war die Nacht und die Nachtigallen schlugen lauter als je . In der Lindenallee setzte er sich auf eine Bank , vor ihm im Teich hielten die Frösche Konzert , als wollten sie die Nachtigallen überschreien . Ueber der dunklen Wasserfläche und der schwarzen Masse der Baumgipfel zuckte von Zeit zu Zeit ein fernes Wetterleuchten , die Lindenblüten dufteten stark und süß und der Märchenzauber legte sich wie betäubend um seine Sinne . Er sagte sich noch ein paarmal , Toni müsse längst wieder droben sein , er wolle hinaufgehen , wolle mit ihr reden und blieb doch regungslos sitzen . Hinter ihm , durch die Allee fuhr im Schritt ein Wagen vorüber , und sich umwendend erkannte er den Hofwagen , mit dem Lieutenant Grellert nach der Kreisstadt gefahren war . Kutscher und Diener schwatzten miteinander , offenbar saß niemand darin , der Offizier hatte sie heimgeschickt , weil er drüben noch Gesellschaft gefunden – richtig , es fand ja ein Ball statt nach