Hause gegangen , wenn ich zur rechten Zeit erfuhr , daß die Herrschaften aus der Stadt daseien . Sie zogen aber immer noch an ihrem Joche weiter , wie damals Ruth ihrer Mutter verkündete . Nur war jetzt die schöne Frau ungeduldiger als vor ihrer Reise , und Eberhardt finsterer als je . Heute konnt ' ich nicht mehr fliehen , ich stand schon mitten im Zimmer unter ihnen . Meinem Erscheinen folgte ein plötzliches Verstummen , nur Ruth hatte eigentümlich aufgelacht , und Eberhardt machte eine heftige Bewegung , als wollte er mich hinausschicken . Frau v. Bendeleben erwiderte meinen Gruß nicht , der Baron sah mich finster an . » Kurz und gut « , nahm die junge Frau das Wort und stand von ihrem Sessel so hastig auf , daß er ein Stück auf dem Teppich hinflog , » ich kann mich einmal nicht in einer Ehe glücklich fühlen , wo das Herz des Mannes mir nicht ganz und ungeteilt gehört . Ich bin nicht die Person , die sich mit einigen Überbleibseln abspeisen läßt , und darum schenk ' ich dir deine Freiheit wieder und zugleich die Erlaubnis , ganz dem Zuge deines Herzens zu folgen . « Wieder lachte sie , indem sie vor ihrem Manne stehenblieb mit über der Brust gekreuzten Armen . Ich zog mich erschrocken zurück bei diesen Worten und wollte die Tür öffnen ; um alles in der Welt hatte ich dieser entscheidenden Szene nicht beiwohnen mögen . » Halt ! « rief da die schöne Frau und war mit einem Sprunge an meiner Seite . » Nicht davonrennen , mein Herzchen . Du bist es ja , die er mit aller Inbrunst eines schüchternen Jünglings anschmachtet ! – Hier geblieben ! Dir verdanke ich die ganze widerwärtige Zeit , die ich jetzt durchleben muß , du allein hast mir sein Herz abwendig gemacht . Verantworte dich doch , wenn du kannst , du hochmutstolle Prinzessin , du ! – « Sie hatte mich bis in die Mitte des Zimmers gezerrt und schleuderte meine Hand von sich , als hätte ich Gift an den Fingern . Ich war so betäubt , daß ich gar nicht antworten konnte . Wie hilfesuchend irrte mein Blick umher und starrte in Frau v. Bendelebens entsetztes Gesicht . » Mich kannst du verleumden , Ruth , soviel du magst « , tönte da die Stimme Eberhardts , » aber zieh nicht unschuldige Personen mit in diese traurige Geschichte . « » Unschuldig ? « fragte Ruth . » Sie ist wohl im Traume dazu gekommen , dir Briefe zu schreiben ? Und im Traume hat sie dir ihr Bild geschenkt ? Da , Mutter , hast du die ganze Unschuld ! « rief sie und warf ein Päckchen Briefe auf den Tisch vor die Baronin . » Sieh da , das fand ich , als er gestern vergaß , den Schlüssel von seinem Schreibtisch zu ziehen . Und hier ist ihr Bild , das ich aus seiner Schreibtafel nahm und das mir den ersten Beweis seiner Untreue gab . Hier ! Und nun werdet ihr dieses ganze unglückliche Leben an seiner Seite verstehen . « » Gretchen ! « schrie Frau v. Bendeleben auf mit einem Tone , der mir durch die Seele schnitt , so vorwurfsvoll , so jammernd klang die Stimme . Noch immer starrte ich wie abwesend auf die Briefe , von denen Frau v. Bendeleben einen nach dem andern nahm . » Deine Margarete « , las sie die Unterschriften , und wieder klang es schmerzlich : » Gretchen , haben wir das um dich verdient ? « » Nein , Mama « , unterbrach Eberhardt die schreckliche Pause , die einen Moment entstand , » urteile nicht zu rasch ! Höre mich erst . Auch du , Papa , sieh nicht so furchtbar böse auf Margarete – die Sache liegt anders , als ihr denkt . Die Briefe und das Bild beweisen keine Untreue , denn sie sind geschrieben , noch ehe Ruth als Witwe zurückkehrte zu euch , das weiß Ruth nur zu gut . Daß sie jetzt etwas hervorsuchen will , um mit möglichstem Eklat eine Trennung von mir in Szene zu setzen , will ich ihr nicht verdenken , auch ich sehne mich danach , daß ein Ende wird , aber daß sie diesen Grund erfindet , das ist eine Perfidie , die ich denn doch der Mutter meines Kindes nicht zugetraut hätte ! « » Nein ! « rief Ruth . » Glaub ' es nicht , Mama , an sie hat er gedacht Tag und Nacht , ihr Bild hat er stets auf dem Herzen getragen und gegen mich war er immer abstoßend und unfreundlich – ist das noch keine Untreue ? « » Ruth , ich möchte in Gegenwart des Mädchens da mich nicht mit allen Mitteln , die mir zu Gebote stehen , verteidigen « , fiel Eberhardt ein . » Bei Gott , du solltest mich nicht herausfordern . Denke daran , wie du mir das Leben auf jede Weise zur Hölle gemacht hast , was für eine nachlässige Mutter du deinem Kinde warst ! Ich habe , weiß Gott , das mögliche getan , um den Frieden zu erhalten , es ging oft über meine Kräfte . « » Margarete « , rief des Barons Stimme , und sie war heiser und unfreundlich . » Margarete , hast du wirklich diese Briefe geschrieben ? « » Ja , ich tat es « , sagte ich tonlos und legte die Hände vor mein Gesicht . » Sag ' nur , Kind « , rief er heftiger , » was dachtest du dir dabei ? Wie kommst du , die ich für ein vernünftiges , gesittetes Mädchen hielt , dazu , Briefe mit dem Leutnant v. Eberhardt zu wechseln ? « Ich schwieg . Es wäre mir nicht möglich gewesen , ihn als wortbrüchig hinzustellen , indem ich die Wahrheit sprach . Frau v.