den stummen , blassen Buben , dessen Augen seltsam glänzten . Dann sagte er den Knechten , was sie tun müßten . Und während die drei zum Stall hinüberliefen , zog Malimmes den Buben zur Türe . Das blonde Mädel ging hinter den beiden her . Auf der Schwelle drehte Malimmes das Gesicht : » Willst du was helfen , Traudi ? « Das Mädel nickte froh . » So näh für den Heiner aus lindem Tuch eine Kapp ! Daß ihm der Eisenhut die frische Mordauer Narb nit aufdruckt . Geh ! Mach flink ! Bist ein gutes Maidl ! « Unbeweglich blieb Traudi stehen . Ein jähes Erblassen rann ihr über das müde Gesicht . Langsam glitt ihr Blick von Malimmes zu diesem andern , von dem sie nur wissen durfte , daß er ein Vetter des Runotter war . Und während sie dem schlanken Buben nachsah , der da so fürsorglich in das Dunkel der Türe geleitet wurde , blitzten ihre Augen in Haß und Eifersucht . Aus der Türe klang es noch heraus : » Hast du das Kappel fertig , so ruf die Unsrigen zusammen und bring uns Trunk und Speis ! « Jul und Malimmes traten in eine kleine , niedere Stube , durch deren Fenster die Sonne mit goldenen Augen hereinblinzelte . Ein Strahl fiel über den Runotter hin , der auf der Wandbank saß und mit dem Wetzstein sein Eisen schärfte , wie er einst bei trockener Mahd die Sense zu schärfen pflegte . » Mach die Schneid nit gar zu fein ! « mahnte Malimmes . » Wie gröber , so besser geht sie durch Hauben und Platten . « Der Bauer nickte . » Ich nimm schon den Faden mit dem Stein wieder weg . « Er tat einen schweren Atemzug . » Und geht mein Eisen in Scherben , so schlag ich mit dem Stumpen zu . Mir grauset vor Welt und Leut . « » Mir nit . « Malimmes lachte . » Alles ist , wie man ' s anschaut . Ein Katzenhaar in der Supp ist ein grauslich Ding . Aber wenn die Katz nackicht wär , so tät sie frieren . Sie will warm haben . Da muß man einsehen , daß sie einen Pelz braucht . Und was ein Pelz ist , muß Haar verlieren . Die Katz kann nit ausschauen , wie sie einer haben möcht , den jedes fremde Härlein kitzelt . « Bei diesem heiteren Schwatzen öffnete er eine Truhe und kramte allerlei Lederwerk und klirrendes Zeug auf den Tisch heraus . » Laß alles sein , wie ' s ist , und guck ' s lustig an ! Ein Fröhlicher verschluckt die haarige Welt , und sie peiniget ihm den Magen nit . Ein Trauriger muß sie wieder speien . Und nachher graust ihm . « Nun schob er den Buben in den Sonnenstreif , der durch das Fenster hereinfiel , und zog am Küraß des Jul die Schnallen auf . » Den laß mir ! « stammelte Jul erschrocken . » Kriegst ihn schon wieder ! Und ist ja doch kein Fremdes in der Stub . « Der Küraß klaffte auseinander , und Malimmes stellte die leere Eisenmuschel auf den Boden hin . » Der Segen kommt von oben , sagen die Frommen . Aber rüsten muß man von unt auf . Erst die Beinschienen . Die müssen fest am Gurt hängen , sonst drucken sie das Knie . Schau nur , wie gut sie passen ! Als hätt sie dir der Hofschneider angemessen ! « Er lachte . » Und ich hab sie doch in des Hauptmanns Rüstkammer nur nach dem Augenmaß ausgesucht . « Achtsam zog er die Schnallen zu ; sie mußten haken und durften nicht drücken . » So , Bub . Die Schuh hab ich dir scharf beschlagen . Auf deine Füß brauchst du nit achtgeben ! « Er schnallte den aus feinen Stahlringen geflochtenen Kettenschurz um des Buben Hüfte . » Tu nur nie einen Schritt nach rückwärts ! Spring all weil fest voraus ! Ein mutiger Sprung ist halb schon der Sieg . Und in der Not kriegen die Füß Verstand . Die laß nur tun , wie sie mögen . Mußt auch dem Feind nit auf die Füß schauen ! Dem schau auf die Hand und in die Augen ! « » In die Augen ! « wiederholte Jul mit leiser Stimme . Der Bub hatte den Blick eines Fieberkranken , der wach ist und ohne Bewußtsein träumt . Runotter erhob sich von der Fensterbank . Schweigend schob er das geschärfte Schwert in die Lederscheide und begann sich für die eiserne Arbeit zu kleiden . » So ! « sagte Malimmes . » Jetzt die Armkacheln ! Die müssen Luft haben . Versuch ' s , Bub , streck die Arm nach aufwärts ! « Jul hob die Arme . » Gut so ! Und vergiß das nie : Ein Streich geht um so tiefer , wie höher als er kommt . « Bei diesen Worten holte Malimmes vom Tisch ein wunderliches Wehrstück ; es sah wie eine große lederne Brille aus und hatte Achselbänder wie ein Mieder . » Was ist das ? « fragte Jul . » Wirst schon sehen ! Laß dir ' s nur antun ! Komm ! « » Nein ! « Die Wangen des Buben brannten . » Ich mag das nit ! « » Geh , sei nit unschickig ! « mahnte Malimmes herzlich . » Das Pölsterlein hab ich genäht für dich , daß dir die Harnaschplatten nit das Herzl drucken . « Nun lachte er heiter . » Angemessen hab ich ' s freilich nit . Aber es wird schon passen . Ich hab ein gutes Augenmaß . « Jul wehrte mit den Händen . » Ich mag das nit . « Da sagte Runotter ernst : » Tu folgen Bub ! Das Leben dreht sich nit um , wenn auch die