Papieren des Johannes Schröckh ? - Weiß Er nicht , daß es strafbar ist , wenn einer unter falschem Namen reist ! « » Ach Gott , ja , hoher Herr ! « erwiderte ich zaghaft . » Habs ja auch nit wollen ! - Gwiß nit ! - Aber ich hab gar keine Kundschaft nit ghabt , - hätt ja auch keine kriegt , weil ich daheim davongangen bin mitten in der Nacht ... « » So ists , Herr Richter ! « bestätigte mir der Fritz . » Er ist als Viehhüterbub vom Lackenschuster selbigsmal eingesteigert worden , wo s ' mich auch so niederträchtig behandelt haben ; - und daß er aus dem Stall davon ist , - das kann ihm kein Mensch nit verargen ! - Da sind schon mehr davongangen ! « » Das mag sein ! « erwiderte der Richter nun um vieles milder . » Aber wir können ihm nicht helfen . Er hat gegen das Gesetz gefehlt , da er sich falsche Papiere zulegte , und muß dafür bestraft werden . Doch gehört dies nicht in unsere peinliche Gerechtigkeit , sondern an die Polizei . Der Angeklagte wird also nach der Arrestkammer des Polizeihauses expedieret werden , wo ihm seine gebührende Strafe erteilt wird . - Und was die Geschichte mit dem ... äh ... Lackenschuster anlangt , so kann dieser den Entlaufenen wieder zurückfordern , Geldbußung verlangen und dessen Einlieferung durch Schub beantragen . Die Gemeinde aber kann sich weigern , ihm die notwendigen Legitimationes zum Zweck der Wanderschart auszufertigen . - Doch dies nur nebenbei . - Die beiden Zeugen sind entlassen , - der Angeklagte wird abgeführt ! « Damit war das Verhör beendigt , und ich wurde in einen andern Teil des Gebäudes gebracht und in eine helle Kammer eingeschlossen , bis mich aufs neue einer holte und in einen Saal führte , da allerhand Leut , hohe und niedere , in Uniformen und Staatsröcken beieinandersaßen und standen . Hier wurde also mein Fall noch einmal des langen und breiten durchgehechelt , der Magister , der Meister Birchmayer und mein Ziehbruder als Zeugen gehört und ich zu guter Letzt wegen Vergehens gegen die Landesgesetze zu einer Geldbuße von zehn Gulden verurteilt . Darob mich neuer Schreck erfaßte , weilen ich ja keinen Kreuzer bei mir hatte und mein Meister , der Behringer , gewißlich ein guts Teil meiner Lohnung als Buß für mein unzeitigs Ausscheiden zurückbehielt . Aber da trat mein Gönner und Fürsprecher , der Meister Eberhard vor , zog seine feine Börse und zahlte für mich die Buß ; bat auch , man mög mich nunmehr freigeben , er würd schon für mein Unterkommen sorgen . Noch war aber der Lackenschuster da ; denn die Herren des Gerichts hatten sogleich ein Schreiben nach Sonnenreuth gehen lassen , und die Gerechtigkeit lief ihren Gang genau nach dem Buchstaben . Allein , auch in dieser Not kam mir mein Gönner zu Hilf . Er gab Bürgschaft für mich , daß dem Lackenschuster gebüßt würde , was recht wär ; und bat zugleich um Kundschaften für mich , die es mir möglich machten , in der Welt fortzukommen ; darauf das Gericht nach einer Weil und nach geheimer Aussprach Ja und Amen sagte und mich freigab . Meine Feder mags nicht beschreiben , wie froh und glückselig ich in jener Stund war ! Konnt auch nicht anders , mußt noch eine Fürbitt einlegen für den Magister , der ja die wahre Ursach meiner Befreiung gewesen . Hab nicht an Worten gespart und damit auch eins erreicht , daß er nämlich nicht dem peinlichen Gericht übergeben , sondern nur als ein Landstreicher nach Darmstadt expediert wurde , wo er aber leider nicht lang verblieb und eines Tags zu Berlin als ein Hochstapler ins Zuchthaus wanderte . Lehrjahre und glückhafte Zeit Ich war also nun wieder frei und ledig , brauchte nimmer einen Bauernbuben und Viehhüter , auch nimmer einen Malergesellen zu machen , sondern zog ein in das Haus des Chirurgus Waltermair als der Gehilf , Schüler und Jünger des würdigen und herzlieben Meisters Eberhard . Bin leichtlich an die zehn Jahr bei ihm gewesen in der dämpfigen , niedern Dachwohnung , daselbst mir wohler zumut war denn im schönsten Palast . Wir hatten vier Stuben samt einer Rumpelkammer , darin männiglich beieinanderlag und stand : Männer , Weiber und Kinder ; der heilige Michael neben der Aphrodite , der Churfürst Carl Theodor zwischen zwei Meerweibern ; gipserne Engel neben hölzernen Heiligen und nackte Musen zwischen geharnischten Rittern . Eine leichte Staubschicht lag auf allen Gestalten , und Spinnen hatten ihre feinen Netze und Fänge von einem zum andern gezogen . In dem Schuppenhelm eines Ritters aber hatten die Spatzen ihre Heimstatt genommen und flogen eifrig durch eine zerbrochene Dachluke ab und zu . Zu ebener Erden war die Werkstatt , darin mein Meister tagaus , tagein schaffte und schuf , meißelte und schliff , Neues entwarf und Altes vollendete . Hier wies er mir , den Stift zu führen und das , was mir vorschwebte , im Bilde festzuhalten ; hier wuchsen aus ungefügen Holzstöcken und harten Marmorblöcken edle , feine Gestalten und gaben mir in ihrer reinen Schönheit und Vollkommenheit stets neuen Ansporn und neue Kraft zum Wirken und Schaffen . Dabei drückte mich keine Sorg ums Tägliche ; denn die liebwerte und vornehme Gemahlin meines Meisters hielt mich gleich einem Sohn und schaffte sich viel Plag um meinetwillen . Sie war eine zarte Frau von schlankem Wuchs und hatte eine milchweiße Haut und den Kopf voll kohlschwarzer Locken . Ihre Gewandung war nicht in der üblichen Tracht der Bürgerinnen Münchens , sie trug vielmehr lange , schleppende Kleider aus feiner Seide und in lichten Farben und liebte keine Ketten oder ein Geschmeide . Ihr alleiniger Schmuck war eine aus Elfenbein kunstvoll geschnittene Rose , die sie an einer seidenen Schnur um den Hals trug . Mein Meister hatte eine tiefe Lieb zu dieser Frau und sah es