schlich er zum Hause hinaus . Sechzehntes Kapitel Es war an Kunigund , den 3. März , und ein Tag , so fein wie Seide , warm und sonnig . Über die Berge , die ganz ferne wie weiße Streifen die Ebene abgrenzten , war der Frühling gekommen und schritt über die braunen Moore die dunkeln Äcker her . Der Schormayer trat unter die Türe und atmete mit vollen Zügen die Morgenluft ein . Eine lange Nacht lag hinter ihm , in der er wenig geschlafen hatte . Zornige Gedanken , schlechte und gute Gedanken hatten ihn wach gehalten , und zuletzt hatte er doch den Weg gefunden , den er gehen mußte . So viel er dagegen suchen mochte , stellte sich doch immer klarer die Mahnung vor ihn hin , daß es den ganzen Verdruß nicht gebraucht hätte , wenn er von Anfang beim Rechten geblieben wäre . Alles hätte sich vernünftig und redlich schichten lassen . Und war der Fehler auch nicht gar zu groß gewesen , so wuchs er doch jetzt mächtig an und bedrohte sein Hauswesen und seine Ehrbarkeit mit großem Schaden . Das war ja unmöglich , daß er alle Fäden zerschneiden sollte , die ihn an der Vergangenheit festhielten . Die Erinnerung wurde in ihm lebendig , wie er die ersten Jahre mit seiner Bäuerin gehaust hatte , wie dann die Kinder kamen und als fröhliche Hoffnungen heranwuchsen , die Erinnerung an das Siechtum der armen Frau , an manchen Blick , der eine Bitte gewesen war , an den letzten Händedruck , der als treues Versprechen hatte gelten müssen . Und jetzt sollte er das alles wegwerfen und vergessen ; und jetzt , wo er zu altern anfing , sollte er den Versuch machen , eine neue Zukunft zu gründen ? Das war ja dumm ! Das konnte sich einer bloß im Zorn auf eine kleine Weile einbilden . In Ehrbarkeit die letzten Jahre leben und bei der alten Sitte bleiben , darin lag Vernunft ; und bloß das konnte ihm Ruhe und Glück versprechen . Und wegen was sich Unrast auflegen und Feindseligkeit und Mißachtung ? Er dachte doch in seinem Herzen nicht daran , auf die Freite zu gehen ; und nicht eine halte Stunde weit hätte ihn die Lust getrieben , sich ein Weibsbild daraufhin anzuschauen . Selbst wenn er frei von allen Pflichten gewesen wäre , hätte er lieber als Wittiber fortgehaust , als wie in diese zweifelhafte Lotterie gesetzt . So was sagt man nur und tut es nicht . Und gar in seinen Umständen ! Mit den erwachsenen Kindern uneins werden , ihre bitterste Feindschaft erregen , die ganze Verwandtschaft rundum in Bewegung setzen ! Und alles fürs Ungewisse ? Noch einmal : das war unnützes Zeug und war so schnell vergessen , wie es gesagt war . Aber noch ein paar Jahre neben dem Lenz hausen und dermaleinst einen vernünftigen Austrag machen und die müden Füße in Behagen ausstrecken und mit Zufriedenheit zurückschauen auf vergangene Mühsal , das war gescheit und war der Brauch . Und so wollte er es machen . Es war ihm völlig leicht zumut , wie er den Entschluß gefaßt hatte . Teufel übereinander , er hatte lang genug gebraucht und wüstes Zeug geredet und gedacht , bis er so weit war . Aber nun war ' s vergangen , und mit dem Lenz wollte er bald übereins kommen . Der würde Augen machen nach dem gestrigen Verdruß ! Und wenn man ' s recht bedachte , war der Schaden nicht so groß für später , wenn der heftige Mensch gesehen hatte , daß der Alte auch noch auf seinen Füßen stand . Freilich , daß der Bursch seine Ruhe so ganz verloren hatte und außer Rand und Band geraden war , das lag nicht bloß an ihm . Und brauchte es gute Worte , um wieder ins alte Gleichmaß zu kommen , so wollte er sie suchen und finden . Und hernach war es auch nicht übel , wenn er in Güte ihm das noch zusichern konnte , daß das Weibergeschwätz über ihn und die Zenzi schiech übertrieben war . » Heda ! Du ! « Er schrie dem Knecht , der einen Gaul aus dem Stall führte . » Guat ' Morg ' n , Baua ! « » Is da Lenz no drin ? « » Wo drin ? « » Ob a im Stall is , frag i. « » Na . Er is übahaupts it drin g ' wen . « Christl schaute den Schormayer lauernd an , in Hoffnung auf ein paar Hindeutungen . Er hatte gestern wohl etwas von dem Lärm in der Stube gehört , aber leider zu wenig . Aber er täuschte sich in seinen Erwartungen . Der Schormayer blieb gleichmütig und sagte : » Na is a vielleicht in alla Fruah scho auf Arnbach umi , wia ma ' s ausg ' macht hamm . « » Da hätt ' i ' en do ' sehg ' n müass ' n. « » Du werscht aa it all ' s sehg ' n , bal ' s d ' schlafst ; und jetzt roas ' außi in Scharrerwinkl ! I kimm glei nach mit ' n zwoat ' n G ' spann . « » Mir kimmt ' s a so für , als wann er gar it in sein Bett g ' wen waar ! « » Herrgott ! Kümmer di du um dei Bett , wann d ' mit da Arbeit firti bischt ! Auf geht ' s , sag i , und a wengl g ' schwind ! « Christl war noch nicht lange aus dem Hof , da hatte der Schormayer schon seine zwei Bräundl angeschirrt und fuhr mit dem Pflug weg . Einmal fest geschnalzt und noch einmal ! Es war schon ein Staat , zum erstenmal wieder hinausziehen hinter dem klirrenden Eisen . Eine Amsel flog zwitschernd durch die Stauden hinter einer andern her .