Tisch zu setzen und Speisen und Bier aufzutragen . Während sie es tat , zerschlug ich mit der Axt Ofen , Truhen und Schränke , Türen und Fenster . Dann tat ich die Haustüre sperrangelweit auf . Jungfer Thekla schleppte indessen zerschlagene Töpfe , Stroh und Bettfedern bis vorn in den Hausflur und auf die Straße . Wir aßen und tranken etliches von den Speisen und dem Bier . Und nun sahe das Haus also wüste aus , als sei hier für Plünderer rein gar nichts mehr zu holen . Es war die höchste Zeit , denn schon hörten wir Schüsse bei der Johanniskirche . Von der Magd geführt , gingen wir die Treppe hinauf unters Dach in eine Bodenkammer . Ich und Jungfer Thekla prüften unsere Waffen , ob sie auch in Ordnung . Die Magd aber hielt das Beil gefaßt und zitterte vor Begier , den eindringenden Feind anzufallen . » Trude , « sprach ich - » ist es möglich , daß wir nebenan ins Predigerhaus gelangen ? Dorten ist im Keller sichere Zuflucht , nämlich ein heimlicher Gang , so unterirdisch zur Johanniskirche führt . « Die Magd starrte mich an , als begreife sie nicht . » Ins Predigerhaus müssen wir ! « fuhr ich fort . » Aber die Haustür ist verrammelt . Können wir nicht auf andere Weise hingelangen ? Vielleicht übers Dach . « Sofort tat ich die Dachluke auf und spähete hinaus . Dicke Rauchwolken , vermischt mit Funken , flogen über die Dächer . Ein feuerschnaubender Drache wälzte sich auf die Stadt . Drüben in der Johanniskirche hub ein Choral zur Orgel an . Von der Straße her scholl ein roh Gebrüll und Jauchzen : » All gewonnen ! All gewonnen ! « Ich prüfte , ob der Weg übers Dach möglich . Es war nach unten steil , hatte jedoch oberhalb der Luke eine platte Stelle , über die man wohl sichern Fußes zu einer ähnlichen Stelle der Predigerhauses gelangen konnte . » Fort von hier ! « sagte ich . » In wenigen Stunden steht das ganze Viertel in Flammen . Wollen wir nicht verbrennen oder dem Feind in die Arme laufen , so müssen wir den unterirdischen Gang im Predigerhause aufsuchen . Vorwärts , klettern wir übers Dach ! « Die Magd rang die Hände . Jungfer Thekla nahm entschlossen einen Strick , so durch die Bodenkammer gespannt war , und knüpfte das eine Ende um ihren Leib . Ich kletterte nun zur Lucke hinaus und ließ mir des Strickes anderes Ende reichen , kroch zur platten Stelle des Daches empor und schlang den Strick um den Schornstein . Hierauf kehrte ich zur Luke zurück und half der Jungfer Thekla auf das Dach und hinan zur platten Stelle steigen . Ebenfalls mit Hilfe des Strickes , den Thekla nun frei gab , holte ich die Magd herauf , versäumte auch nicht , unsere Waffen mitzunehmen . Dann kroch ich hinüber zum Predigerhause , wo ich eine Dachluke offen fand , und befestigte daselbst den Strick , der nun gespannt als ein Geländer vom Schornstein zur begehrten Stelle hinleitete . Uns gelang der schwindelige Stieg übers Dach , und durch die Luke kamen wir in eine Bodenkammer , wie sie vom Gesinde bewohnt wird . Also waren wir endlich angelangt , allwo ein Weg zur Rettung winkte . Doch unsere Hoffnung ward gar bald verdüstert . Da wir nämlich die Tür der Bodenkammer auftaten , scholl von unten ein bestialisch Toben . Die Beutemacher waren also doch gekommen . Und nun polterte ein schwerer Schritt die Treppe zu uns herauf . » Nicht schießen , « raunte ich , ergriff den Strick und lauerte hinter der Tür . Thekla trat neben mich mit gezücktem Degen , während die Magd auf der anderen Seite das Beil erhub . » Lebendig müssen wir ihn haben ! Er soll uns die Losung sagen ! « flüsterte ich . Gleich darauf trat ein Soldat mit vorgestrecktem Degen ein . Im Nu hatte ich den Strick um seinen Hals geworfen und würgte ihn , daß er vor Schwäche zusammenbrach . Thekla schloß die Tür der Bodenkammer , und während die Magd dräuend das Beil über dem Kopfe des Gefangenen hielt , herrschte ich ihn an : » Schweig ! So du schreiest , bringen wir dich um ! « Hierauf ließ ich den Strick etwas lockerer , daß der Gefangene wieder Odem bekam und sagte : » Wie lautet eure Losung ? Antwort , oder du bist des Todes ! « » Jesus Maria ! « krächzete der Soldat . » Heißet die Losung Jesus Maria ? « » Ja . « Nun zog ich den Strick wieder fester und sprach zu Thekla : » Was machen wir mit ihm ? « » Totschlagen « , knirschte die Magd . » Knebeln wir ihn ! « meinte Thekla , trennte mit dem Degen ein Stück vom Bettlaken und rollte es zum Knebel zusammen . Der Gefangene setzte sich zur Wehr . Wie ich aber meines Schwertes Schneide an seinen Hals hielt , ward er kirre und ließ sich den Knebel ins Maul stecken . Hierauf banden wir ihm Füße und Hände hinterrücks zusammen und fesselten ihn an einen Dachbalken . » Trude ! « sprach ich zur Magd , » so jetzo andere Beutemacher heraufkommen , verbleibt uns nur ein Rettungsmittel : Ich und mein junger Kamerad hier müssen uns stellen , als ob wir zur kaiserischen Soldateska gehören . Die Losung wissen wir ja . Du aber , Trude , bist unsere Gefangene und mußt immer sagen : Das Geld liegt im Keller , da ist ein heimlich Gewölbe . Hörst du , Trude , hier im Keller des Predigerhauses ist ein Gewölbe mit Geld ... Mut , Trude ! Und wenn ich mich stelle , als sei ich selber ein Beutemacher - und wenn ich dich sogar würge ... « Hiermit packte ich die Magd an der Gurgel und schüttelte sie