Bewohner der Stadt durch ihre Tätigkeit verhindert waren , so daß er seine kunstvollen Zirkel fast allein und ohne lästige Gesellschaft zeichnen konnte . Hierauf baute Johanna ihren Plan ; denn an einer Stelle war das Eis dünn durch einen Quell , der vom Boden aus das Wasser bewegte , und wiewohl der gefährliche Punkt durch Tannhecke immer genügend gekennzeichnet war , so hatten sich an ihm doch schon zwei Unglücksfälle ereignet ; die Vorfahren erzählten , daß durch diesen Quell der See mit dem großen Netz der unterirdischen Wasseradern in Verbindung stehe , welche den Wassergeistern als Wege dienen zwischen ihren Städten und Schlössern . Johanna beschloß nun , an einem Morgen , wenn sie den Fremden auf dem See wußte , gleichfalls zum Schlittschuhlaufen zu kommen , und wenn er in der Nähe war , mit scheinbarer Ungeschicklichkeit an die dünne Stelle zu geraten , damit sie einbreche und von ihm gerettet werde , denn daß er vielleicht nicht so mutig sein könne , wie sie annahm , das kam ihr gar nicht in den Sinn . Nach diesem Plane ging sie nun vor , und es geschah alles , wie sie gewollt hatte , wenn schon ihr zuletzt schien , als handle sie gar nicht absichtlich , und das Eis gab an der Stelle nach , und sie sank ein , mit einem wunderlichen Gefühl darüber , daß das Wasser doch nicht so kalt war , wie sie sich gedacht , und obwohl sie hatte standhaft sein wollen , schrie sie doch laut nach Hilfe , aber es schien ihr , als habe sie dabei gar keine Angst . Der Musiker kam eilfertig auf sie zu , und wie sie seine Figur so von unten sah , erschien er ihr komisch ; ohne daß ihr der Grund recht klar wurde , rief sie dem ratlos Ängstlichen zu , er solle sich flach auf das Eis legen und ihr von weitem die Hand reichen ; unterdessen hielt sie sich aufrecht im Wasser , indem sie sich an das Eis festklammerte und die Beine nicht in die Höhe ziehen ließ . Er tat nach ihrer Vorschrift , und sie sah vor sich eine vornehme und schmale Hand in seinem Handschuh , die ergriff sie , und so kam sie aus dem Wasser . Wie sie beide aufrecht auf dem Eis standen und sie sein entsetztes Gesicht sah , in dem unter grauem Haar sich schon tiefe Runzeln zogen , da wurde sie so aufgeregt , daß sie ihm um den Hals fiel und ihn mehrmals auf den Mund küßte . Er brachte sie schnell nach Hause , und indem ihre erschreckten Leute sie empfingen , ging er mit dem Versprechen , daß er sich morgen nach ihrem Befinden erkundigen wolle . Wie er am nächsten Tage kam , war sie gesund und fröhlich , denn der Anfall hatte ihr nicht im geringsten geschadet , und empfing ihn mit heiterm Lachen , er aber stand mit einer fremden Verlegenheit vor ihr , die indessen ihr den schlanken und nicht jugendlichen Mann noch liebenswerter erscheinen ließ . Und indem an die ersten Fäden sich bald weitere anspannen , schien es ihm , daß er eine unwiderstehliche Liebe zu dem jungen Mädchen gefaßt habe , denn in seinem unsteten Leben hatte er zwar manches verliebte Abenteuer bestanden , aber es hatte noch nicht ein Weib wirklichen Einfluß auf ihn gewinnen können . So geschah es am Ende , daß die beiden sich heirateten , wider den Willen des Vaters und zur großen Verwunderung der kleinen Stadt . Schon am Hochzeitstage wurde sie ungeduldig über ihn und sprach verletzende Worte ; er schwieg , aber seine Lippen zitterten , und sein Gesicht sah alt aus ; da hängte sie sich um seinen Hals und sagte ihm , daß sie ihn lieb habe . Nun geschahen geheimnisvolle Dinge in dem stillen , alten Hause . Einmal wurde bekannt , daß der Mann ein junges Dienstmädchen , das sie angenommen hatten , in ihrer Gegenwart mit einer Feuerzange geschlagen hatte , und war nachher zu dem Mädchen auf ihre Kammer gegangen , hatte ihr Geld gegeben und gesagt , seine Frau sei schuld , er habe nicht anders gedurft , und sie solle heimlich aus dem Hause gehen . Noch viele andre sonderbare Geschichten wurden verbreitet , und am Ende , nachdem die beiden noch nicht ein Jahr verheiratet waren , wurde eines Morgens in der Stadt erzählt , daß der Mann sie heimlich verlassen habe . Es folgte dann nach einiger Zeit eine Ehescheidungsklage , in welcher die Frau einen Eid schwor , der mit der Aussage des Mannes nicht übereinstimmte , aber da dieser seine Aussage nicht auf seinen Eid nehmen wollte , so wurde ihr von den Richtern geglaubt , wenn schon die ganze Stadt der Meinung war , daß sie im Unrecht sei . Nach dieser Scheidung mochte sie nicht mehr zu Hause bleiben , weil niemand mit ihr verkehren wollte , und deshalb kam sie nach Berlin , wo sie bei einem Meister Malunterricht zu nehmen gedachte . Hier gewann sie bald eine gewisse Stellung ; denn wenn früher und auch noch jetzt in der ruhigeren Gesellschaft eine instinktive Abneigung gegen die geschiedene Frau herrschte , weil in ihr sich eine Verneinung dessen verkörperte , was der allgemeine Wille der Gesellschaft war , so wird jetzt in den unruhigeren Kreisen umgekehrt eine Geschiedene mit besonderer Freude empfangen als eine Verkörperung der neuen Bestrebungen , und auch ohne daß Johanna selbst Erfindungen zu machen brauchte , wurde von ihren Mitkämpferinnen gleich angenommen , daß sie eines der Opfer der bekannten männlichen Untugenden sei und beklagt werden müsse , und auch Männer schlossen sich der Meinung an . Inzwischen war jene Luise , welche die kindliche Entführungsreise mit dem Dichter Peter gemacht hatte , zu weiteren Jahren gekommen , und durch jenes unklare Streben und den Drang , eine Kraft zu betätigen , welche damals die Flucht veranlaßt hatten , war sie