Massen bestehende und doch einsturzdrohende Thor aufgenommen hatte , war es so dunkel um uns her , daß es einiger Zeit bedurfte , bis wir die Augen hieran gewöhnt hatten und die nächste Umgebung zu unterscheiden vermochten . Da habe ich mich freilich wohl falsch ausgedrückt , denn es gab nur eine » nächste « und gar keine weitere Umgebung . Das Thal bestand hier aus dem Wasserbette und einem nicht viel breiteren Ufer rechter Hand , welches unsere Pferde zu erklettern hatten . Links gab es keinen solchen Rand , weil das Wasser - nämlich wenn es welches gab - direkt von der Felsenwand begrenzt wurde . Indem wir nun langsam und vorsichtig auf diesem einen und auch einzigen Ufer hinritten , begleitete uns hoch oben ein Himmelsstreifen , welcher nicht breiter als eine Hand zu sein schien . Die Schritte unserer Pferde erregten hier einen wahren Höllenlärm , von den zurückgeworfenen Schallwellen verzehnfacht , dumpf , hohl , ohne Höhe oder Tiefe , unbegrenzt , vollständig klang- und wesenlos . Es war ein Spektakel schattenhafter Geräusche , denen mit dem Inhalte auch das Leben fehlte . Später senkte sich das Wasserbett tiefer , und das Ufer wurde breiter . Wir bekamen mehr Platz . Es gab sogar Büsche solcher Arten , die keiner direkten Sonnenstrahlen bedürfen . Wir atmeten eine dicke , stehende , feuchtmodrige Luft , welche die Lungen beschwerte . Das wurde erst besser , als die Felsen oben weiter auseinander traten und uns vom Ausgange des Thales oder vielmehr der Schlucht her ein frischer Odem entgegenwehte . Dann gab es plötzlich Raum genug für uns alle und auch für unsere Pferde . Der » Sack « war zu Ende . Eigentlich war der Name » Dschib « nicht zutreffend gewählt für die vorhandene Oertlichkeit . Sie glich weniger einem Sacke , als vielmehr einer lang- und dünnhalsigen , weitbauchigen Phiole oder einer jener Flaschen , in welche der Steinwein abgezogen wird . Der lange , schmale Gang verbreiterte sich mit einem Male zu einem großen , halbkreisähnlichen Platze , auf dem wir ganz bequem lagern konnten . Und doch hatte der Ausdruck Sack , wenigstens im vergleichenden Sinne , auch seine Richtigkeit , weil der Weg von hier nicht weiter ging . Die Bodenlinie der Flasche wurde nämlich von einem tiefen Felsenrisse gebildet , dessen Ende wir nicht ersehen konnten . In diesen Riß mündete unser Wasserlauf . Es mußte bei gefülltem Bette Grauen erregen , die Wassermasse spurlos da unten in der Tiefe verschwinden zu sehen ! Der jenseits des Risses liegende Teil des Berges war nicht steil gerichtet ; er bildete vielmehr eine moosig grüne Böschung , auf welcher einzelne uralte Eichen und andere Laubhölzer standen . Das lockte hinüber ; aber leider konnten wir nicht , weil der Felsenspalt uns von ihm trennte ! Es hatte eine Brücke hinübergeführt , deren Reste wir noch sahen : zwei Urwaldstämme , darüber Querstämme und dann Steine darauf . Die Steine waren verschwunden . Von den Querstämmen reichte nur noch einer von oben bis in den Felsenriß hernieder , wo er sich eingestemmt hatte , um zu verraten , daß die Brücke nicht von der Natur , sondern durch Menschenhand zerstört worden sei . Die Dschamikun hatten Stämme und Steine in die Tiefe gestürzt , damit den Massaban die Flucht von hier aus abgeschnitten sei . Als der Anführer der letzteren die Vernichtung sah , war er nicht etwa enttäuscht , sondern er rief ganz im Gegenteil sehr erfreut aus : » Die Brücke ist eingestürzt ! Welch ein Glück für uns ! Wenn die Dschamikun morgen kommen , können sie nicht hinüber und sind gezwungen , sich uns zu ergeben ! Wir haben nun gar nicht nötig , die Brücke zu besetzen , und können uns also alle daran beteiligen , die Feinde hier hereinzutreiben ! « Das gab eine allgemeine Freude , an welcher wir beide uns freilich nicht beteiligten . Halef war nämlich mehr vom Pferde herabgefallen , als herabgestiegen . Ich nahm ihn in den Arm und führte ihn zu einer Stelle , welche ich zum Lagern für die beste am ganzen Platze hielt . Dort legte ich ihn nieder , holte seinen Sattel zum Kopfkissen und wickelte ihn in seine und in meine Decke ein , denn ich sah , daß der Frost ihn förmlich schüttelte . Die Zähne schlugen ihm zusammen . Er schien am Ende seiner Kräfte angekommen zu sein . Noch hatte ich ihn nicht ganz eingehüllt , so riß er die Decken wieder weg , richtete sich in sitzende Stellung auf und sagte , indem er mich mit weit aufgerissenen Augen angstvoll anstarrte : » Sihdi , müssen wir hier bleiben ? « » Ja , « nickte ich . » Die ganze , ganze Nacht ? « » Ja . « » Da sterbe ich ! Ich fühle , daß ich es hier nicht aushalte , daß ich fort muß , daß es mein Leben kostet , wenn ich bleibe ! « » Zurück können wir unmöglich ! « » Aber vorwärts ? « » Die Brücke ist weg ! « » Wir haben die Pferde ! Der Spalt ist schmal . Wir springen hinüber ! « » Halef ! « rief ich erschrocken . » Das würde Wahnsinn sein ! « Da preßte er die Lippen zusammen und ballte die Fäuste , als ob er alle seine Kräfte herbeizwinge . Es gelang ihm , die Schwäche noch einmal zu besiegen . Er stand ganz auf , ging hin an den Spalt , wo die Brücke gelegen hatte , und maß die Entfernung der gegenüberliegenden Kante mit scheinbar ruhigem Auge . Dann drehte er sich zu mir um und sprach : » Sihdi , erhöre mich ! Es ist vielleicht die letzte , die allerletzte Bitte , die ich in diesem Leben zu dir sage . Ich habe dich belogen , denn ich wollte dich nicht beängstigen . Meine Krankheit ist schlimmer , als du